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Die Wiener Gemeinderatswahlen rücken näher und die politischen Vorbereitungen nehmen zunehmend an Fahrt auf. Die SPÖ hat vor kurzem mit der Forderung für ein “Wahlrecht für alle” aufhorchen lassen. Das Problem ist schnell zusammengefasst: Ausländische StaatsbürgerInnen sind in Österreich grundsätzlich von Wahlen ausgeschlossen – mit der geringfügigen Ausnahme in Wien, wo Personen aus anderen EU-Staaten ihre Stimme auf der untersten Vertretungsebene, der Bezirksvertretung, abgeben können.

Demokratiepolitisch ein Thema ist die Einschränkung des Wahlrechts auf ÖsterreicherInnen insbesonders in der Bundeshauptstadt, wo der MigrantInnenanteil überdurchschnittlich hoch ist. Laut Bevölkerungsevidenz der Statistik Austria waren im Jahr 2015 rund ein Viertel der WienerInnen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (25,6%) und damit ohne formale demokratische Partizipationsmöglichkeit. Rund die Hälfte dieser Gruppe (11,2%) sind EU-BürgerInnen mit Wahlrecht auf Bezirksbene. Von Gemeinde- bzw. Nationalratswahlen bleiben sie ebenso ausgeschlossen wie die 14,4% der WienerInnen aus einem Nicht-EU Land, die nicht mal an der – legistisch gesehen relativ unbedeutenden – Bezirksvertretungswahl teilnehmen können. Mit der steigenden Zuwanderung in die Bundeshauptstadt hat sich das demokratische Defizit in der Stadt in den letzten Jahren rasant verschärft. Ist es heute jeder Vierte, war im Jahr 2002 noch rund jeder Sechtse in der Stadt ohne Wahlrecht (16%).

Anteil der Wiener Wohnbevölkerung mit eingeschränktem Wahlrecht und ohne Wahlrecht 2002 – 2015
figure 1

Quelle: Statistik Austria, Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit Wien, eigene Darstellung.

 

Die Geographie der Exklusion

Die Verteilung der Personen ohne Wahlrecht auf Gemeinde- bzw. Nationalratsebene in Wien ist hochgradig ungleich. Auf Bezirksebene etwa können im 23. Bezirk lediglich 13% der Bevölkerung nicht wählen – der niedrigste Wert aller Bezirke. Im Vergleich dazu sind es im 15. Bezirk, der den höchsten Wert aufweist, rund 37% (Siehe Grafik 2). 11 der 23 Wiener Bezirke haben einen Anteil der über dem stadtweiten Durchschnitt von 25,6% liegt.

 

Anteil der Wohnbevölkerung ohne Wahlrecht bei Gemeinde- bzw. Nationalratswahlen nach Bezirken, Stand Juli 2013

figure 2
Quelle: Magistratsabteilung 23, eigene Darstellung.

Auf Ebene der Zählgebiete – ein Zählgebiet ist die statistische räumliche Einheit unterhalb der Bezirke – zeigt sich die Konzentration der Exklusion in einzelnen Vierteln der Stadt besonders deutlich. Wie die untenstehende Karte aus dem Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor verdeutlicht, gibt es eine Reihe an Zählgebieten, in denen der Anteil an Wahlberechtigten nicht nur unter 50% liegt – in dem also mehr Leute wohnen, die nicht wählen dürfen, als Leute, die wählen dürfen – sondern bereits unter 25% der Wohnbevölkerung. Hier ist also nicht mehr jeder Vierte ohne Wahlrecht – hier hat lediglich jeder Vierte ein Wahlrecht. Besonders in den Vierteln außerhalb des Gürtels (15. und 16. Bezirk) sowie im 10. Bezirk finden sich eine Reihe dieser Gebiete.


Anteil der zu Gemeinde- und Nationalratswahlen wahlberechtigten Personen an der Wohnbevölkerung im wahlfähigen Alter auf Ebene der Wiener Zählgebiete, 2013

figure 3
Quelle: 3. Wiener Integrations- und Diversitätsmonitor, Magistratsabteilung 17, Seite 69.


Die Rolle des Wohnungsmarkts

Ein nicht unerheblicher Faktor für diese Konzentration ist die Struktur des Wiener Wohnungsmarkts. Die Gebiete in denen die Exklusion vom Wahlrecht besonders hoch ist sind die Gebiete, in denen es noch relativ leistbare Wohnungen im privaten Mietwohnungsmarkt gibt. In vielen Fällen sind diese Wohnungen die einzige Wahl für neu ankommende Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft – sofern sie nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen. Vom Gemeindebau sind Nicht-EU-StaatsbürgerInnen etwa für zumindest fünf Jahre nach Zuzug in die Stadt ausgeschlossen (und dann müssen sie noch eine Warteliste abwarten). Der gemeinnützige Wohnbau hat hohe finanzielle Eintrittsbarrieren (Eigenmittel!), die für viele ZuzüglerInnen nicht aufzubringen sind (und Kredite mit niedrigen Zinsen von der Stadt erhalten sie erst nach fünf Jahren). Darüber hinaus ist der private Mietwohnungsmarkt innerhalb des Gürtels in den letzten Jahren zunehmend unleistbar geworden (Stichwort sanfte Stadterneuerung, Etablierung von Wohnungen als Finanz- und Anlageprodukt, Lagezuschläge und wiederholte Neuabschlüsse von befristeten Verträgen). Die Kostenspirale hat längst auch außerhalb des Gürtels angezogen. Vergleichsweise, allerdings, finden sich dort noch immer günstigere Mieten, in denen Personen ohne Staatsbürgerschaft Wohnraum finden (in vielen Fällen allerdings zu immer noch diskriminierend überhöhten Preisen).

Demokratiepolitische Implikationen

Demokratiepolitisch ist es klarerweise hoch problematisch, wenn ein steigender Anteil an Leuten in einer Stadt keine Mitbestimmung über die politische, soziale und kulturelle Gestaltung hat und sich als Gruppe kein Gehör verschaffen kann. Die räumliche Konzentration der Exklusion birgt zusätzlich die Gefahr, dass sich die Vernachlässigung einer Gruppe in die Vernachlässigung eines räumlichen Viertels weiterentwickelt – da das Viertel keine politische Vertretung hat. Die Konzentration in den Gründerzeitvierteln erscheint dabei speziell problematisch. Die politische Vertretung, die Entscheidungen trifft, die für diese Viertel hoch relevant sind, nämlich etwa der Nationalrat, der das bundesweite Mietrecht beschließt, wird vor allem von Leuten gewählt, die nicht in diesen Gebieten wohnen, beziehungsweise von den Entscheidungen nur bedingt betroffen sind. Hier zeichnet sich eine Entwicklung ab, die man als ‘politisch-räumliche Diskriminierung’ bezeichnen könnte. Personen in diesen Vierteln sind vorwiegend nicht wahlberechtigt. Gleichzeitig wählen Wahlberechtigte, die zu einem hohen Maß in anderen Vierteln wohnen, politische Vertretungen, die Entscheidungen treffen, die besonders relevant sind für Viertel, in denen vor allem Personen ohne Wahlrecht wohnen.

Für die Wien-Wahl ist es bereits zu spät

Es ist übrigens kein Zufall, dass besonders die Wiener SPÖ das Thema ‘Wahlrecht für alle’ aufs Tapet bringt. Sie kann traditionell bei MigrantInnengruppen punkten und eine Ausweitung der Wählerschaft würde damit  vor allem ihr zusätzliche Stimmen bei der anstehenden Gemeinderatswahl bringen. Bereits 2002 hatte die SPÖ zusammen mit den Stimmen der Grünen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene in Wien kurzzeitig eingeführt. Es wurde allerdings wenig später vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Darüber, so die Richter, müsse das Parlament, mit Zwei-Drittel-Mehrheit entscheiden. ÖVP und FPÖ haben sich gegen einen solchen Beschluss bisher erfolgreich gewehrt.

Dass die Wiener SPÖ die Diskussion jetzt, drei Monate vor der Wahl anstößt wirft aber auch die Frage auf, für wie dringend sie das Problem erachtet. Realistisch ist eine Durchsetzung auf Bundesebene in der kurzen Zeit allemal nicht. Möglich auch, dass die SPÖ Bundespartei sich derzeit gegen eine breitere Thematisierung auf Bundesebene verwehrt. Stärker erscheint dort doch momentan der Wille eine klare Abgrenzung von der FPÖ und einer ausländerfeindlichen Haltung aus wahltaktischem Kalkül zu vermeiden.

Justin Kadi ist Stadtforscher an der Universität Amsterdam. Er forscht und bloggt zu den Themen Gentrifizierung, Wohnungspolitik und soziale Ungleichheit.

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In den letzten Tagen hat sich eine Karte mit Mietpreisen in Wien im Web verbreitet. Die Karte zeigt das Wiener Ubahnnetz und die durchschnittlichen Angebotsmieten rund um die Ubahnstationen. Veröffentlicht wurde sie von der Webplattform Zoomsquare, die Unterstützung für die Immobiliensuche durch eine neue Suchmaschine verspricht. Auch wenn die Methodik hinter der Karte nicht vollkommen klar ist – etwa in Bezug darauf wie groß der Bereich “rund” um die Ubahnstationen definiert ist – wurde sie von einer Reihe von Newsportalen übernommen, wie hier von ORF.AT.

Immo-Plattform zeigt Wiener U-Bahn-Pläne mit Wohnpreisen

Quelle: ORF.AT, Screenshot zoomsquare.com

Die Karte zeigt einerseits eine, nicht besonders überraschende, Variation der Mietprese entlang von Ubahnstationen. Andererseits zeigt sie, wie hoch die Mietpreise in der Stadt mittlerweile gestiegen sind. Die geringsten Mieten gibt es dabei noch rund um die Haltestellen Hütteldorf, Alterlaa und Erlaar Straße, mit 11,9€/m2. Am meisten zahlt man rund um die U3 Station Stubentor – mit stolzen 19,7€/m2.

So interessant die Karte auf den ersten Blick erscheint, aus Sicht der MieterInnen und Mieter in der Stadt ist sie wenig aussagekräftig. Die wichtige Frage für sie ist weniger, wie hoch die Mieten bereits sind, sondern viel mehr, für wen sie noch leistbar sind. Diesbezüglich bereitet die Karte eine interessante Basis für ein schnelles Rechenbeispiel.

Leistbarkeit bezieht sich auf das Verhältnis von Wohnkosten und Einkommen. Unterschiedliche Maße sind hierfür entwickelt worden. Das am häufigsten verwendete ist das Verhältnis von Wohnkosten zu Einkommen. Zumeist wird davon ausgegangen, dass ein Anteil von Wohnkosten am Einkommen von bis zu 25% leistbar ist, wie es etwa auch die Statistik Austria tut. Wir ziehen dieses Maß heran, nehmen aber einen konservativeren Anteil von 30% an.

Für die Berechnung der Leistbarkeit auf Basis der Mietenkarte ist noch eine Einkommensstatistik notwendig. Hier ziehen wir die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik heran (Siehe Tabelle unten). Diese bietet Information über die Gesamteinkommen (inklusive Transferleistungen und Pensionen). Auch hier handelt es sich um ein tendenziell konservatives Einkommensmaß, da es sich um Bruttoeinkommen handelt, also die Steuern noch nicht weggerechnet sind. (Das führt bei den geringsten Einkommen kaum zu Verzerrungen, da hier die Einkommen vielfach zu niedrig sind, dass Personen Steuern zahlen. Allerdings werden die Einkommen darüber verzerrt, i.e. zu hoch dargestellt.). Die Tabelle unten zeigt die Gesamteinkommen in Wien in Größenkategorien (Spalte 1), sowie die Anzahl der EinkommensbezieherInnen in der jeweiligen Kategorie (Spalte 2). Die letzte Spalte (3) zeigt den kumulierten Prozentsatz der EinkommensbezieherInnen. Aus ihr lässt sich damit herauslesen, wie hoch der insgesamte Anteil der Bevölkerung ist, der weniger als ein bestimmtes Einkommen zur Verfügung hat.

Gesamteinkommen           2010 EinkommensbezieherInnen (Anzahl) Kumulierte % der EinkommensbezieherInnen
negativ 6.983 0,6%
0 bis 2000 49.956 4,6%
2000 – 4000 40.509 7,9%
4000 – 6000 45.817 11,6%
6000 – 8000 47.652 15,5%
8000 – 10000 54.466 19,9%
10000   – 12000 72.891 25,8%
12000 – 15000 103.492 34,2%
15000 – 20000 168.887 47,9%
20000 – 25000 156.500 60,5%
25000 – 30000 130.021 71,1%
30000 – 40000 158.564 83,9%
40000 – 50000 75.664 90,0%
50000 – 70000 64.062 95,2%
70000 – 100000 34.024 98,0%
10000 – 150000 14.888 99,2%
150000 – 200000 4.660 99,6%
>200000 5.313 100,0%

Quelle: Integrierte Lohn- und Einkommenssteuerstatistik.

Für unsere Berechnung gehen wir von einem Flächenbedarf von 40m2 / Person aus. Nimmt man nun die Mietenkarte und bezieht sie auf die Einkommensstatistik zeigt sich, wie unleistbar die Stadt mittlerweile geworden ist. Die geringste Miete etwa, von 11,9€/m2 ist für die ärmsten 34% der EinkommensbezieherInnen nicht leistbar. Die Gesamtmiete für die Wohnung / Jahr übersteigt hier 30% des Gesamteinkommens, was zumindest 15,000 Euro betragen muss. Den durchschnittlichen Mietpreis von 15€/m2 können sich rund 47,9% der EinkommensbezieherInnen nicht leisten. Die teuersten Mieten können sich sogar 60.5% nicht leisten. Untenstehend für ein paar ausgewählte Miethöhen aus der Mietkarte eine Berechnung, wie unleistbar diese Mieten sind.

Miete/m2 Gesamtmiete für Wohnung / Jahr Leistbar für Personen mit Gesamteinkommen größer … Anteil der EinkommensbezieherInnen mit zu geringem Gesamteinkommen für leistbare Wohnung
11,9 5712 15000 34,2%
12,8 6144 20000 47,9%
13,1 6288 20000 47,9%
13,4 6432 20000 47,9%
15 7200 20000 47,9%
18,5 8880 25000 60,5%
19,7 9456 25000 60,5%

 

Quelle: Eigene Berechnung.

Aus MieterInnensicht bietet diese schnelle Rechnung eine weitaus informativere Einsicht in die Wohnsituation als die von zoomsquare veröffentlichte Karte. Zeigt sie doch das akute Leistbarkeitsproblem, das mittlerweile in der Stadt besteht. Für rund ein Drittel der EinkommensbezieherInnen (mit Bruttoeinkommen!) ist die günstigste Miete in der Stadt nicht leistbar!

Klar ist, dass die Mietenkarte durchschnittliche Preise von Wohnungen im Umkreis von Ubahnstationen angibt (wie auch immer Umkreis definiert ist). Wie bei allen Durchschnittswerten gibt es also hier auch Wohnungen, in denen die Miete niedriger liegt – und damit leistbarer ist. Gleichzeitig gibt es auch Wohnungen die nicht direkt im Umkreis der Ubahnen sind und günstigere Mieten haben. Dass es aber mittlerweile heißt, dass ein Drittel der Bevölkerung eine unterdurchschnittlich teure – und damit in der Regel auch ausgestattete – Wohnung suchen muss, die nicht im Umkreis einer Ubahn liegt, um etwas leistbares zu finden ist alarmierend.

Eine zweite Einschränkung der Rechnung liegt darin, dass die Mietenkarte nur den privaten Mietwohnungssektor darstellt und damit keine Wohnungen im sozialen Wohnungsbau (Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen), in denen die Mieten signifikant niedriger sind. Dieser Sektor macht rund 42% der Wohnungen aus. Allerdings gibt es viele Leute, besonders neu in die Stadt Zugezogene, für die der private Mietwohnungssektor oftmals als einzige Alternative besteht (sei es aufgrund von Wartefristen und Wartelisten im Gemeindebau oder hohen Eigenmittelanforderungen im genossenschaftlichen Wohnbau).

 

Autor: Justin Kadi

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Das ‘rote’ Wien ist ein hinreichend bekannter und diskutierter Teil der Wiener Stadtgeschichte. Wesentlich weniger wurde bis jetzt über die braune Vergangenheit der Stadt geredet. Gerald Lehner und Eva Maria Bachinger haben nun einen Stadtführer herausgegeben, der genau diese Lücke im städtischen Bewusstsein zum Ausgangspunkt nimmt. Das Buch “Im Schatten der Ringstraße: Reiseführer durch die braune Topografie von Wien” führt an 62 Orte, die davon erzählen, wie der Nationalsozialismus zu einem wichtigen Bestandteil der Wiener Stadtentwicklung wurde.

Das im Czernin-Verlag erschienene Buch kann man hier bestellen:

www.czernin-verlag.com/buch/im-schatten-der-ringstrase?PHPSESSID=bpeudirol143m5lpe88tbu4t20

 

 

 

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Die Diskussion rund um Wohnen und steigende Mieten dreht sich täglich weiter. Nicht nur international, sondern auch in Wien – und dieser Blog läuft Gefahr nicht mitzuhalten mit der Vielzahl an neuen Beiträgen. Hier ein paar Links zu kürzlich Veröffentlichtem mit Fokus Wien:

Viel Spaß beim Lesen!

 

 

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Am Mittwoch, dem 4. März, findet im Amerlinghaus (Wien 7, Stiftgasse 8) von 19 bis 21 Uhr das nächste Vernetzungstreffen des Bündnisses „Recht auf Stadt“ statt.

Neben der Vernetzung steht nochmals die Wien-Wahl 2015 im Mittelpunkt, die wir als Bezugsrahmen produktiv nützen möchten, um  „Recht auf Stadt“ mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Diesmal arbeiten wir konkrete Schritte in Kleingruppen aus.
Ziele sind: 
Themen und den Stadtraum zu besetzten
einen gemeinsamen Nenner von Positionen zu finden
unterschiedliche Aktions- und Mobilisierungsformen zu initiieren

. Eingeladen sind alle, die Lust auf gemeinsames Agieren und Planen haben!
Facebook-Veranstaltung unter:
https://www.facebook.com/events/1539667769640456/?ref=5
Wir freuen uns auf eure Inputs und auf euer Kommen!

Unter dem Slogan „Recht auf Stadt“ haben sich in den letzten 10 Jahren rund um den Globus vielfältige Bündnisse formiert. Wir sind Teil dieser Bewegung. Wir setzen uns für ein Recht auf Stadt für alle ein, und unter „alle“ verstehen wir in erster Linie diejenigen, denen dieses Recht heute verwehrt wird. Denen das „Recht auf Stadt“ und somit das Recht auf aktive und gleichberechtigte Teilhabe und Gestaltung der urbanen Gesellschaft verwehrt wird, weil sie zu arm sind, weil sie die falsche Staatsbürgerschaft haben, weil keine Lobby für sie eintritt und weil sie keine Macht haben. Aber auch deswegen verwehrt wird, weil sie andere Vorstellungen für ihr Leben haben als sie die Norm vorsieht. Weil sie beispielsweise keine Lust haben, sich an den Wertvorstellungen der Konsumgesellschaft zu orientieren oder für sie das Streben nach Lohnarbeit keine Tugend ist. Weil sie es noch nicht verlernt oder aufgegeben haben, sich eine andere urbane Zukunft auszumalen und weil sie genau deswegen in dieser Stadt gemeinsam etwas ändern wollen.

rechtaufstadt.at/

Aussendung des Recht-Auf-Stadt Netzwerks

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“Si se puede”
Seven days at PAH Barcelona
Spanien 2014 | 52 min | OmU

Mobiles Stadtlabor Karlsplatz

 

Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2007 wurden ungefähr 550.000 Hypotheken in Spanien gekündigt. Die Zivilgesellschaft organisiert sich, da lokale und nationale Verwaltungen nichts gegen diese Entwicklung unternahmen.

Im Jahr 2009 wurde die PAH – Plata- forma de Afectados por la Hipoteca (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) – in Barcelona gegründet – eine Bürger_innenbewegung für das Recht auf Wohnen und als Antwort auf die Wohnungsnot.

„Si se puede – 7 Tage mit PAH Barcelona“ ist eine Beschreibung der täglichen Arbeit der Plattform. Der Film zeigt beispielhaft, wie eine ganze Woche voll von unermüdlichen Aktivitäten aussehen kann. Sieben Interviews, kombiniert mit Bildern die innerhalb eines Jahres gesammelt wurden, zeigen die unterschiedlichen Aktiv- itäten der PAH Barcelona.

Die Dokumentation zeigt die meist für die Öffentlichkeit unsichtbare Arbeit der Organisation und den Prozess der Selbstermächtigung der an ihr beteiligten Menschen.

Der Film wird gemeinsam von der Initiative „Mietenwahnsinn stoppen!” und der Solidaritätsgruppe „Zwangsräumungen verhindern!“ präsentiert.

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Frauen, Obdachlosigkeit und Wohnungsnot in Wien: Zu diesem Themenkomplex gibt es in den nächsten Tagen eine Reihe an Veranstaltungen in Wien:

  • “zusammen::schauen” 25. Februar 2015, 19.00 Uhr Topkino, Rahlgasse 1, 1060 Wien: “Zimmer, Küche, Kabinett? – Weibliche Wohnungslosigkeit in Wien.” Eine historische Filmschau und Vortrag mit Marie-Noëlle Yazdanpanah
  • “zusammen::reden” 25. März 2015, 19.00 Uhr Tageszentrum Ester, Gumpendorfer Straße 64, 1060 Wien: “Schöner Leben: Brot und Rosen – im Widerspruch zu Prekarisierung Austausch mit Initiativen zu Wohnungslosigkeit, Prekarisierung und Armutsbekämpfung”
  • “zusammen::gehen” 25. April 2015, 14.00–18.00 Uhr Treffpunkt: Gumpendorfer Str. 64 / Ecke Esterhazyg., 1060 Wien: “Wohnzimmergeschichten – Eine spielerische Forschungsreise durch den öffentlichen Raum” mit Elke Rauth, dérive – Verein für Stadtforschung

Bereits statt gefunden hat die Auftaktveranstaltung der Serie, “”Ein Zimmer für sich allein – Ein Frauenrecht auf Wohnen in Zeiten der Wohnungskrise”. Ein kurzer Bericht dazu findet sich hier: derstandard.at/1353207869688/Swaps-sind-viel-riskanter-als-eine-Wette

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Stop and Go – Terminal AKH Wien
Tour #2 | Knotenpunkte transnationaler Mobilität und Migration in Wien 

Datum | Freitag, 06. Februar 2015, 13 Uhr bis max. 16 Uhr
Ort | Eingangshalle AKH Wien (Info-Schalter), Eingang Michelbeuern (Anschluss U6)
Währinger Gürtel 18–20, 1180 Wien

Zur Navigation siehe auch den Link auf Google Maps

Anmeldung | Aus Kapazitätsgründen ist die Teilnehmer_innenzahl beschränkt.
Bitte unbedingt um Voranmeldung per E-Mail an:
m*hieslmair(ä)akbild*ac*at

Eine Stadtführung mit Michael Hieslmair und Michael Zinganel (Stadtforscher, Tracing Spaces Wien). Eine Veranstaltung des WWTF-Forschungsprojektes „Stop and Go“ am IKW – Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften – an der Akademie der Bildenden Künste Wien.

akh-citywalk

Mit 2.100 Betten gilt das AKH als größtes Krankenhaus Europas. Es stellt zum einen eine riesige metabolistische Maschine dar, die rund um die Uhr einen enormen Menschen-, Material- und Datenfluss logistisch bewältigen muss. Der „Terminal AKH“ weist daher unterschiedlichste Ein- und Ausgänge auf und wird von mehreren getrennten Wege-Systemen und Versorgungskanälen durchkreuzt: z.B. Transport von Patient_innen, Arzneien und Laborproben, Krankenakten, Blutkonserven, Lebensmitteln, Wäsche, Müll, etc.

Zum anderen ist das AKH aber eine Institution der sozialen Integration, in der die täglichen Begegnungen von ca. 20.000 Personen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, ethnischen und religiösen Hintergründen unter teils großer Belastung moderiert werden müssen. In der Zusammensetzung der Berufsgruppen und Hierarchiestufen der Belegschaft, der Student_innen und Lehrenden, Patient_innen und Besucher_innen bildet sich hier ein Stück weit österreichische Mobilitäts- und Migrationsgeschichte ab.

Diese „Tour“ ist die zweite in einer Serie von Stadtführungen, die als Mittel performativer Wissensgenerierung und -vermittlung die Erfahrungen von Mobilitäts-Expert_innen mit unterschiedlichen Motiven, Routen und Rhythmen, gegen überstellt, die jeweils zur Produktion von sozialem Raum beitragen. Weitere Touren führen 2015 jeweils freitags zu Knotenpunkten transnationaler Mobilität in und um Wien: u.a. zum Wiener Hafen, zu Logistik-Knoten im Süden, zum Busbahnhof in Wien-Erdberg, sowie ins Dreiländereck Slowakei, Ungarn und Österreich.

Die Touren sind Teil der öffentlichen Veranstaltungen des WWTF-Forschungsprojektes „Stop and Go“, das die Transformation öffentlichen Raums an Haltepunkten transnationaler Mobilität entlang bedeutender europäischer Verkehrskorridore untersucht, konzipiert und durchgeführt von Michael Zinganel und Michael Hieslmair an der Akademie der Bildenden Künste Wien.

Nähere Informationen zum Gesamtprojekt:
stopandgo-transition.net/

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Ein interessanter Abend zum Thema Wohnungspolitik: Andreas Rumpfhuber diskutiert seine Ideen zu gesellschaftlichen Wohnbau. Im Anschluss wird Lukas Tockner von der Arbeiterkammer Wien respondieren. Der Ankündigungstext liest sich wie folgt:

Entgegen der tatsächlich stattfindenden schleichenden Liberalisierung des Wiener Wohnungsbaus seit den 1990er Jahren und wider der Forderung nach der totalen Liberalisierung des Wohnungswesens in Wien, aber auch entgegen der wohlgemeinten Rufe nach einem neuen Wiener Gemeindebau versuche ich mit meiner Idee des gesellschaftlichen Wohnungsbau einen alternativen Weg eines zukünftigen Modells des Wiener Wohnungsbaus und des Wohnungsbaus allgemein zu skizzieren.

Der gesellschaftliche Wohnungsbau denkt den Wohnungsbau (und somit den Stadtbau) von den zeitgenössischen Lebens- und Arbeitsbedingungen her. Der gesellschaftliche Wohnungsbau denkt aktuelle Formen der Arbeit mit. Der gesellschaftliche Wohnungsbau ist ein Wohnungsbaumodell für ALLE. Ein gesellschaftlicher Wohnungsbau gehört ALLEN (und nicht der öffentlichen Hand und nicht einer wie auch immer imaginierten unsichtbaren Hand).

Die Idee des gesellschaftlichen Wohnungsbaus entstand während meiner Arbeit zum europäischen Forschungsprojekt über Knappheitsdiskurse im Rahmen dessen das Modell des Wiener Wohnungsbaus analysiert und Szenarien für die Ausweitung des Gemeindebaus entwickelt wurden. Das Buch dazu erscheint im April 2015.

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Über mehrere Jahre haben sich Mara Verlic und Wencke Hertzsch in Zusammenarbeit mit der IG Kultur im Rahmen eines Forschungsprojekts kritisch mit dem Thema Leerstand in Wien auseinandergesetzt. Aus dieser Beschäftigung ist jetzt ein spannendes Buch hervorgegangen. “Wer geht leer aus? Plädoyer für eine andere Raumpolitik”, herausgegeben von Willi Hejda, Anna Hirschmann, Raphael Kiczka und Mara Verlic setzt sich zum Ziel, Leerstand aus neuen Perspektiven zu betrachten. 

Am 18.12. um 19:30 ladet das HerausgeberInnenkollektiv zur öffentlichen Buchpräsentation in die Schenke in der Pfeilgasse 33, 1080 Wien. Es wird kurze Lesungen geben und auch viel Zeit für gemeinsame Diskussion. Moderiert wird der Abend von Elke Rauth (dérive).

Mehr Infos über das Buch gibt es hier. Als kleiner Teaser ein kurzer Auszug aus der Buchbeschreibung:

Wie kann Stadt Raum für alle sein und Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in der Praxis ermöglichen?
Neben Interviews mit Personen, die sich mit Leerstandsverwaltung und -Nutzung politisch und praktisch auseinandersetzen, gibt es im Buch Textschwerpunkte, die Leerstand mit anderen Themen wie der Urban Commons Debatte, dem spezifischen Wiener Wohnungsmarkt, Delogierungen in Wien, globalen neoliberalen Umstrukturierungsprozessen oder den Konzepten der partizipativen Architektur verknüpfen. Außerdem findet sich eine Sammlung von Werkzeugen für die proaktive Raumnutzung und ein stadtpolitisches Begriffslexikon.

leerstand

 

Am 15.12. gibt es bereits eine Pressekonferenz der IG Kultur zum Thema Leerstand, auf der auch das Buch vorgestellt wird. Mehr Infos dazu hier.

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