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sexarbeiterInnen haben Lust auf ihre Rechtet auf ihre rechteDie Kampagne “Rotlicht statt Blaulicht” fordert nun das Weltkulturerbe Stuwestrich und eröffnet diese Kampagne mit einer Radiosendung am Samstag auf Orange 94.0 und im Viertel:

Sexarbeit ist ein Beruf, über den einige Mythen bestehen, viele Vorurteile vorherrschen und wenig sachliches Wissen verbreitet ist.

Sexarbeit ist ein Beruf, der gleichermaßen literarisch romantisiert wie auch gesellschaftlich stigmatisiert wird. Die so genannten süßen Mädel und die Praterhuren, die Mutzenbacherinnen und die Grabennymphen kommen wohl in der Wiener Weltliteratur zu Wort, aber nicht in der Wiener Stadtpolitik.

In kaum einem anderen Berufsfeld übergeht die Politik in ähnlich frechem Ausmaß die Anliegen und die Bedürfnisse, das Wissen und die Wünsche derjenigen, die ihn ausüben und mit diesem Beruf ihr Einkommen bestreiten. Das Ergebnis sind absurde und wirklichkeitsfremde, entmündigende und entwürdigende Regelungen, Arbeits- und Lebensbedingungen.

Während wissenschaftliche Untersuchungen deutlich zeigen, dass ein gesetzliches Verbot der Sexarbeit die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Sexarbeiter_innen weiter verschlechtern würde und die Betroffenen noch leichter ausbeutbar machen würde, schreit nun auch in Österreich eine Allianz aus Ahnungslosen – sei es aus religiösem Eifer, politischer Profilierungssucht oder gutgemeintem Feminismus – nach Maßnahmen, die zu mehr Diskriminierung, nach weiterer Verdrängung der Problemlagen und Abdrängung der Betroffenen in Abhängigkeitsverhältnisse führen müssen.

Die Initiative “Lieber Rotlicht statt Blaulicht!” im Leopoldstädter Stuwerviertel hat sioch der Aufgabe verschrieben, der Vernunft und den Betroffenen zu Gehör zu verhelfen. Sie will ihre Stimmen hören. Sie bemüht sich, eine enthysterisierte und solidarische Debatte eröffnen.

Am Sa, 14. April 2014 von 16-16.30 und von 17.30-18.30
auf Radio Orange 94.0 (Livestream) und vor Ort (Treffpunkt 15.30 im Stuwerviertel am Vorgartenmarkt im Big Garten Restaurant)

stuwer.info

Die VeranstalterInnen bitten AnrainerInnen darum die Sendung aus ihrem Fenster auf die Straße zu tragen. Auch wird darum gebeten vorbei zu kommen und mit Ghettoblastern oder Autoradios das Viertel zu beschallen.

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Eine spannende Sendung zu mietwucher gibt’s jetzt auf ORF2 um 21:05:

 

orf.at/stories/2225553/2225558/

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Sozial-räumliche Polarisierung bezeichnet die zunehmende Auseinanderentwicklung unterschiedlicher Viertel in einer Stadt entlang sozioökonomischer Merkmale, wie z.B. Bildung, Stellung im Beruf oder Einkommen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit letzterem, i.e. der Polarisierung nach Einkommen.

Einkommensbezogene sozial-räumliche Polarisierung hat in vielen westlichen Städten seit den 1970er Jahren zugenommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Globalisierung und die Restrukturierung von städtischen Arbeitsmärkten hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit zunehmend auseinanderdriftenden Einkommen spielt eine Rolle. Anders gesagt, veränderte Strukturen des Arbeitsmarkts führen dazu, dass die Einkommen reicherer Haushalte zunehmend schneller wachsen als jene von ärmeren Haushalten. Ein anderer wichtiger Faktor betrifft den Wohnungsmarkt. Deregulierung und Kapitalisierung städtischer Wohnungsmärkte verstärkt sozial-räumliche Polarisierung. Mit dem zunehmenden Rückzug von Mietrechsregulierungen und sozialem Wohnbau einerseits und der steigenden Investition in attraktive Nachbarschaften andererseits, übersetzen sich soziale Polarisierungstendenzen zunehmend in räumliche Strukturen. Vereinfacht gesagt:Es gibt zunehmend attraktive Nachbarschaften mit hohem Wohnwert, die von reicheren Haushalten nachgefragt werden, und ärmere Haushalte, die sich das Wohnen in diesen Nachbarschaften immer weniger leisten können, bzw. aufgrund von Deregulierung weniger gut vor Marktkräften geschützt sind.

Vor einigen Tagen hat Mark Byrnes auf diesem Blog hier einen interessanten Beitrag zur Debatte veröffentlicht. Er zeigt, wie sich in Chicago die Einkommen über die letzten 40 Jahre auf Zählbezirksebene entwickelt haben. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Die reiche Innenstadt in Chicago wird immer reicher, während ärmere Teile der Stadt zurückbleiben.

In diesem Beitrag möchte ich einen kurzen Blick auf die Entwicklung in Wien zwischen 2002 und 2011 werfen. Sozial-räumliche Polarisierung ist in Wien historisch gesehen auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gründe dafür finden sich in der Arbeitsmarktstruktur, aber auch in sozialstaatlichen Maßnahmen, sowie in der interventionistischen Wohnungspolitik, die sozial-räumliche Mischung befördert hat. Doch wie hat sich die sozial-räumliche Struktur in Wien in den letzten Jahren entwickelt? Gibt es ähnliche Tendenzen wie in Chicago zu beobachten? Sind in Wien ebenfalls die reicheren Viertel reicher geworden und die Ärmeren ärmer?

Daten und Methode

Ich verwende für meine Analyse neue Daten aus der Lohnsteuerstatistik. Für die Jahre 2002 bis 2011 enthält das Datenset die durchschnittlichen Jahresnettoeinkommen von Personen nach Wiener Gemeindebezirken. Die Nettoeinkommen haben den Vorteil, dass unterschiedlich hohe Steuerbelastungen bereits herausgerechnet sind. Die Durchschnittswerte bringen Probleme mit sich: Erstens werden sie von Ausreißern nach oben und unten verzerrt. Andererseits, und damit zusammenhängend, geben sie keinen Aufschluss über die Streuung der Werte. Nichtsdestotrotz ermöglichen sie eine erste Annäherung an die gegebene Fragestellung.

In einem ersten Schritt vergleiche ich die Absolutwerte für das Jahr 2002, um herauszufinden, in welchen Bezirken die Einkommen hoch sind und in welchen niedrig. In einem zweiten Schritt berechne ich die relative Position der einzelnen Bezirke zum Wiener Durchschnittswert. Hierfür beziehe ich für jeden Bezirk den gegebenen Wert der durchschnittlichen Jahresnettolohnsumme auf den nach Bevölkerung gewichteten Durchschnittswert der gesamten Stadt. Ein Vergleich dieser relativen Anteile über die Zeit ermöglicht zu erkennen, wie sich die sozialräumliche Struktur nach Einkommen entwickelt hat.

Die Ausgangssituation: die sozial-räumliche Struktur nach Einkommen in Wien im Jahr 2002

Im Jahr 2002 zeigt die Einkommensverteilung nach Bezirken ein diverses Bild. Am meisten verdienen die Bewohner_innen des ersten Bezirks. Hier liegt das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen bei 25.463€. Dicht gefolgt wird der 1. Bezirk vom 13. und 19. Bezirk. Am unteren Ende der Einkommen befinden sich die Bewohner_innen des 15. Bezirks. Das Durschnittseinkommen liegt hier bei 14.999€. Nur knapp höher sind die Einkommen im 20. Bezirk. Die Spannweite zwischen reichstem und ärmstem Bezirk ist beachtlich: Im Schnitt hat eine Person im 15. Bezirk rund 10.000 pro Jahr weniger zur Verfügung als eine Person im 1. Bezirk. Relativ gesehen verdient erstere im Schntt rund 59% des Einkommens einer Person im 1. Bezirk.

 

Einkommen 2002 in Wr. Gemeindebezirken
Bezirk Jahresdurschnittseinkommen in € Rang
1. Bezirk                                                      25.463 1
13. Bezirk                                                      23.914 2
19. Bezirk                                                      22.469 3
23. Bezirk                                                      20.799 4
18. Bezirk                                                      20.413 5
4. Bezirk                                                      20.325 6
8. Bezirk                                                      20.108 7
14. Bezirk                                                      19.511 8
9. Bezirk                                                      19.106 9
22. Bezirk                                                      18.915 10
6. Bezirk                                                      18.724 11
3. Bezirk                                                      18.701 12
7. Bezirk                                                      18.429 13
21. Bezirk                                                      17.977 14
17. Bezirk                                                      17.604 15
12. Bezirk                                                      16.950 16
11. Bezirk                                                      16.742 17
10. Bezirk                                                      16.707 18
2. Bezirk                                                      16.439 19
16. Bezirk                                                      16.330 20
5. Bezirk                                                      16.258 21
20. Bezirk                                                      15.696 22
15. Bezirk                                                      14.999 23

 

 

Die Entwicklung seit 2002

Seit 2002 sind klare Veränderungen erkennbar. Das durchschnittliche Einkommen in der Stadt stieg zwischen 2002 und 2011 von 18.800€ auf 21.700€. Dieses Wachstum ist allerdings nicht gleich auf die Bezirke verteilt.

Zwischen 2002 und 2005 wächst das durschnittliche Einkommen relativ zum gesamtstädtischen Durchschnitt stark im 1., 3., 6., 7. und 13. Vor allem die 2002 bereits reicheren Bezirke innerhalb des Gürtels haben also überdurchschnittliche Zugewinne. Zwischen 2005 und 2011 fallen vor allem die Bezirke 15., 16. und 10. zurück. Vor allem also 2002 bereits ärmere Bezirke außerhalb des Gürtels verlieren relativ gesehen. Im Vergleich von 2002 und 2011 ist eine stärkere sozial-räumliche Polarisierung nach Einkommen verglichen mit 2002 erkennbar. Insbesondere die positive Entwicklung der inneren Bezirke im Gegensatz zur negativen Entwicklung der gürtelnahen äußeren Bezirke ist auffallend. Die untenstehenden Karten verdeutlichen diese Entwicklung zwischen 2002 und 2005 bzw. 2005 und 2011. Die Tabelle unten zeigt die relative Entwicklung der Einkommen über die gesamte Periode 2002 bis 2011.

2002 2005

2011

Auffallend in der untenstehenden Tabelle ist vor allem der starke relative Anstieg der Einkommen im 1. Bezirk. Gemessen am gesamtstädtischen Durchschnitt sind sie zwischen 2002 und 2011 um 28% gestiegen. In absoluten Zahlen verdient eine Person im 1. Bezirk im Jahr 2011 im Schnitt um 8800 € mehr als noch 2002. Das sind – auf Monate umgerechnet – ungefähr 70€ netto mehr jedes Monat. Im Vergleich, im 15. Bezirk, dem ärmsten im Jahr 2002 ist das Durschnittseinkommen lediglich um 1400€ gestiegen – ungefähr 12€ netto mehr jedes Monat. (alle Absolutwerte nicht bereinigt um Inflation)

Veränderung Einkommen 2002 -2011 in Wr. Gemeindebezirken, relativ zum gesamtstädtischen Durchschnitt
Bezirk Veränderung Rang
1 28% 1
7 9% 2
3 5% 3
6 4% 4
13 4% 5
4 3% 6
18 3% 7
22 3% 8
9 3% 9
8 3% 10
2 1% 11
5 1% 12
11 0% 13
21 0% 14
19 0% 15
16 -1% 16
23 -1% 17
14 -2% 18
17 -2% 19
20 -2% 20
15 -3% 21
12 -4% 22
10 -5% 23

 

 

Conclusio und verbleibende Fragen

Die Analyse zeigt, dass auch in Wien sozial-räumliche Polarisierung nach Einkommen beobachtbar ist. In Bezirken mit bereits hohem Einkommen 2002 waren die Anstiege tendenziell höher als in jenen mit niedrigen Einkommen. Hierbei ist vor allem auffallend, dass es eine Entwicklung gibt, dass Bezirke innerhalb des Gürtels relativ gewinnen, während jene außerhalb, die an den Gürtel grenzen, zunehmend verlieren. Die Zugewinne in den Einkommen waren im 1. Bezirk, dem Bezirk mit den mit Abstand höchsten Einkommen bereits 2002, besonders stark.

Auf Basis dieser Analyse kann man keine Schlüsse über das “warum” ziehen in Bezug auf die steigenden Polarisierungstendenzen. Somit bleiben hier offene Fragen. Die Restrukturierung des Arbeitsmarkts, die zunehmende Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben insbesondere im Finanzsektor in der Stadt, spielen mit Sicherheit eine gewichtige Rolle (Stichwort Manager- vs. Angestelltengehälter). Anders gesagt, reichere Personen haben zunehmend mehr verdient als ärmere und da diese beiden Gruppen auch traditionell in verschiedenen Teilen der Stadt wohnen, zeigt sich die Einkommenspolarisierung auch zunehmend im räumlichen Muster. Diese Erklärung hat allerdings Grenzen. Mitzudenken ist, dass es auch Mobilität am Wohnungsmarkt gibt. Die starken durchschnittlichen Einkommenszuwächse in den inneren Bezirken lassen auch den Schluss zu, dass es hier einen steigenden Zuzug von reicheren Haushalten gibt, während ärmere Haushalte zunehmend ausziehen (müssen). Diese Hypothese deckt sich mit Sicherheit mit den kürzlichen Entwicklungen am Wohnungsmarkt. Hier gibt es, vor allem in der Innenstadt, eine steigende Dichte an “Luxuswohnungen” und Zuzug reicherer Haushalte. Gleichzeitig gewinnen lagebezogene Kriterien in der Mietpreisfestsetzung im Kontext einer Deregulierung des privaten Mietwohnungsmarkts kontinuierlich an Bedeutung. Die hohen Preise für Luxuswohnungen bringen damit, über den Umweg des Bodenpreises,  zunehmend auch ärmere MieterInnen unter Druck (z.B. über das 1994 eingeführte System der Lagezuschläge, siehe hier).

Justin Kadi

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Ein neuer Tag, ein neuer Zeitungsartikel zu Wohnen in Österreich. Heute stammt er aus der Zeitung Die Presse und lässt mit der folgenden Überschrift aufhorchen: “Freier Wohnungsmarkt würde Mieten senken“. Der Kern des Artikels: Eine neue Studie belege, dass es eine optimale Lösung für die derzeitigen Wohnungsprobleme in Österreich gäbe. Der Schlüssel dazu? Eine Deregulierung des Wohnungsmarkts. Sie würde dazu führen, dass Investitionen steigen und damit auf die lange Dauer  auch die Mieten sinken, da sich Angebot und Nachfrage einpendeln. Anders formuliert: Investitionen sähen – soziale Gerechtigkeit ernten. Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut.

Bei genauerem Nachdenken überrascht der Artikel doppelt. Er überrascht zuerst einmal empirisch. Neu bereitgestellte private Mietwohnungen in Österreich (nach 1953) obliegen de jure als auch de facto keinen Mietzinsbeschränkungen. Private Investoren können also schon lange neue Wohnungen zur Verfügung stellen, ohne dass diese mietrechtlich beschränkt wären. Der Mietzins ist hier “frei vereinbar”. Dem Gedankengang der Studie folgend könnte man erwarten, dass Investoren in diesem Segment über die letzten 60 Jahre ausreichend Wohnraum zur Verfügung gestellt haben. Sodass sich Angebot und Nachfrage eingependelt haben. Aber wieso haben wir dann überhaupt noch Diskussionen über zu hohe Mieten bzw. über Mieten, die sich eine steigende Zahl von “Nachfragern” nicht leisten können?

Die schrittweise stattgefundene Deregulierung des Mietrechts für Altbaubestände (vor 1953 gebaut) seit den 1980ern scheint die These der Studie ebenfalls zu widerlegen. Die Einführung von Richtwertmietzins und von Vertragsbefristungen – zwei zentrale Zugeständnisse an VermieterInnen – haben in der Tat zu einem Ansturm an Investitionen in den österreichischen und vor allem den Wiener Wohnungsmarkt geführt. Diese Ertragslücken haben Wohnungssanierung zu einem lukrativen Geschäft gemacht und viele Anleger aus anderen Wirtschaftsbereichen in den Wohnungsmarkt gelockt. Doch ohne steigende Mieten keine hohen Renditen. Die von der Studie prophezeiten Mietsenkungen sind ausgeblieben. Ganz Im Gegenteil zeigt sich: Seit den Deregulierungsmaßnahmen sind Mieten drastisch gestiegen. In Wien sind sie in den letzten 10 Jahren in keinem Segment so stark gestiegen wie im privaten, deregulierten Altbaubestand. Hier stiegen die Mieten um 67 % in den 2000ern – weit mehr als der allgemeine Anstieg in der Stadt um knapp über 35 %. Weit mehr auch als die durchschnittlichen Einkommen. Hätte die Stadt Wien nicht seit 2008 die Wohnbeihilfe auch für private Mietwohnungen ermöglicht, wären die Wohnungsprobleme in der Stadt noch umfassender. Was in Österreich bzw. Wien passiert ist im Rahmen der Deregulierung, folgt nahtlos internationalen Referenzbeispielen. Deregulierung, vor allem in vormals stark regulierten Segmenten, ermöglicht lukrative Möglichkeiten zur Kapitalakkumulation durch die Abschöpfung von Deregulierungsmieten. Ein langfristiges “Einpendeln” von Angebot und Nachfrage? Empirisch bisher nicht nachgewiesen.

Während also die zitierte Studie in Der Presse aus empirischer Sicht aufhorchen lässt, tut sie das auch theoretisch. Der Annahme eines langfristigen Gleichgewichtszustands auf Wohnungsmärkten liegt die Annahme eines perfekt funktionierenden Markts zugrunde. Hier treffen sich Anbieter und Nachfrager und beide stimmen sich aufeinander ab – zumindest langfristig – und es herrscht perfekte Allokation.  Daher, so auch die zitierte Studie, führen niedrigere Baustandards auch nicht zu schlechteren Wohnungen. Denn die Nachfrager würden diese nicht akzeptieren. Grotesk ignoriert wird hier jegliche wissenschaftliche Erkenntnis über die Imperfektion von Wohnungsmärkten. Immobilität des Gutes, fehlende Austauschbarkeit, fehlende Transparenz, die Wichtigkeit von Präferenzen, Diskriminierung bei der Wohnungssuche: all diese Charakteristka von Wohnungsmärkten führen dazu, dass der theoretische Gleichgewichtszustand nicht mehr als eine Illusion ist. Das Wohnungsangebot richtet sich nicht nach dem Bedarf bzw. den Bedürfnissen, sondern nach den Möglichkeiten für Erträge bzw. Rendite. Am sozialen Auge ist der Wohnungsmarkt blind. Auch aus theoretischer Perspektive überrascht daher die Studie umfassend.

Nicht überraschend ist die zitierte Studie allerdings, wenn man sieht wer dahinter steht. Die Agenda Austria, ein in der Selbstbeschreibung “unabhängiger, aber nicht neutraler” Think Tank, will “Lösungen im Sinne der Marktwirtschaft aufzeigen”. Ex-Presse Wirtschaftsredakteur Schellhorn hat sich mit Gleichgesinnten zusammengetan um mit “wissenschaftlich fundierten Studien” zu einem “Kulturwandel” beizutragen  (lies Lobbyismus für Kapitalinteressen). Der erste Beitrag zum Wohnungsmarkt aus dieser Denkfabrik lässt Böses erahnen. Versteckt hinter dem Label der “wissenschaftlichen Studie” handelt es sich hier um einen perfiden Angriff auf jahrzehntelang erkämpfte Rechte für soziale Gerechtigkeit am österreichischen Wohnungsmarkt. Das sollte hier klar gesagt werden.

 

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Wohnen als Ware? Die Ideologie eines neo-liberalen Wohnungsmarkts verbreitet sich schrittweise, auch in Wien. Zum Beispiel, wenn einem das UBahn-Magazin suggeriert, heute sollte sich jeder auskennen darin, wie man am besten seine Rechte als Wohnungseigentümer gegenüber MieterInnen durchsetzt.

 

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Die Planung und der Betrieb des Schubhaftszentrums Vordernberg hat eine Kontroverse ausgelöst. So waren im Dezember von Seiten der Gebäudelehre an der Architekturfalkultät der TU Wien die Architekten des Projekts zu einer Projektvorstellung geladen.

Die Aussagen der Architekten sind wohl eher von eigenwilliger Naivität gekennzeichnet. So meinten sie etwa in einem Standard Interview sie wollten Ihr Projekt nicht mit einem Gefängnis verglichen sehen. Der Kreativität sind da scheinbar keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht sich seine Welt schönzureden.

Diesen Freitag finde nun im Mobilen Stadraumlabor ein Workshop zum Thema mit Dokumentarfilm, Plänen und weiteren Unterlagen statt.

Fr 17.1.2014 – ab 18.00
Mobiles Stadtraumlabor aus.büxen – Resselpark – 1040 Wien

www.facebook.com/events/413634198739881/?ref_newsfeed_story_type=regular

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Samstag, 16. November 2013, Treffpunkt 12.30 Uhr mit Fahrrad beim Fluc/ Praterstern, 1020 Wien, oder 14.30 Uhr ohne Rad Endstation U2 Seestadt.

Stadterforschung per Fahrrad und zu Fuß zur neuen WU, ins Viertel Zwei und zu Fuß und per Rad in den 22. Bezirk, Stadtentwicklungsgebiet Aspern “Seestadt”.

 

Treffpunkt mit Fahrrad um 12.30 beim Fluc/Praterstern. Weil alles am Weg liegt wird die Route der Stadterforschung (mit Fahrrad) ausgehend vom Praterstern zum Campus der neuen Wirtschaftsuniversität Wien, zum Viertel Zwei, vorbei am Sportclub Hakoah, dem neu geplanten Projekte „Marina City“ und der ÖGB-Zentrale führen. Ab der U2-Station Donaumarina geht’s per U-Bahn bis zur Endstation Seestadt. Um etwa 14.30 sollten die Radler_innen in der Seestadt ankommen, für Leute, die zu Fuß unterwegs sein wollen, ist dies der allgemeine Treffpunkt

Einige Infos zur “Seestadt” Aspern

2008 wurde das Stadtentwicklungsgebiet Flugfeld Aspern “gebrandet” und heißt seitdem “Die Seestadt”. Ein neuer “lebenswerter, attraktiver, multifunktionaler, moderner, innovativer Stadtteil mit überregionaler Bedeutung” soll dort in den nächsten Jahren entstehen. Die Linie U2 wurde im Oktober 2013 dorthin verlängert, ein innovatives Konzept für die Stadterweiterung Wiens soll umgesetzt werden. Die “Wien 3420 Aspern Development AG” versucht über diverse Veranstaltungen symbolisches und kulturelles Kapital auf die Brache zu holen. Damit wird bezweckt, keinen leblosen Stadtteil am Rande von Wien zu schaffen, sondern Menschen von Beginn an in die Entwicklung und Gestaltung einzubeziehen. Ob das gelingen wird, wird sich zeigen.

Mittlerweile sind einige Bauprojekte voll im Gang. Ein Infopoint in Form eines Containerdorfes und das sogenannte Flederhaus stehen am ehemaligen Flugfeld und sollen die Bürger_innen über die Baumaßnahmen informieren. Als erstes Gebäude wurde im Oktober 2012 das Technologiezentrum “Aspern IQ” eröffnet. Ansonsten: eine großteils weite, freie Fläche, auf der noch die Reste des früheren Flughafen Aspern zu erkennen sind. Und ein interessanter Ort, wenn man bedenkt, welche stadtplanerischen, verkehrstechnischen, umweltpolitischen und sozialen Folgen dieses Projekt haben wird.

Am süd-östlichen Ende der „Seestadt“ steht der Wagenplatz Gänseblümchen. Nachdem bis September 2013 nicht klar war, ob der Wagenplatz weiter dort stehen kann, ist der Aufenthalt mittlerweile mittelfristig gesichert.

Zur Geschichte von Aspern:

In Aspern wurde nach österreichischer Geschichtsschreibung dem Heer Napoleons im Mai 1809 die erste Niederlage zugefügt, in französischer Geschichtsschreibung wird dieser vermeintliche österreichische Sieg jedoch negiert. Zeug_innen dieser Schlacht sind heute noch der “Löwe von Aspern”, ein Steinmonument am Asperner “Siegesplatz”, unweit des Asperner “Heldenplatzes”.

Der Flughafen Aspern wurde 1912 eröffnet und war zu dieser Zeit der größte und modernste Europas. Im II. Weltkrieg war das Flugfeld Aspern Luftwaffenstützpunkt für die Nazi-Flieger. 1945 wurde der Flugplatz von der Roten Armee besetzt und die sowjetische Kommandatur in Aspern eingerichtet. In den 60er und 70er Jahren wurde das Flugfeld auch als Autorennplatz benutzt. 1977 wurde der Flughafen Aspern aufgelassen da Schwechat wichtiger wurde. Seit 1982 befindet sich dort das Werk von General Motors Austria.

Im Südosten des ehemaligen Flugfeldes befindet sich der sogenannte Holocaust-Gedächtniswald. 1987 wurde dort zum Gedenken an die während der Nazi-Diktatur ermordeten jüdischen Wienerinnen und Wiener für jedes Opfer ein Baum gepflanzt.

In Aspern befand sich von September 1944 bis April 1945 ein Zwangsarbeitslager für ungarische Jüd_innen. Es ist jedoch bis heute nicht klar, wo genau sich dieses Lager befand.

Stadterforschungen in Wien und darüber hinaus sollen zur Selbstaneignung von (Stadt-)Geschichte dienen, zur Entwicklung eines kritischen Blicks auf Stadt(-entwicklungen, -planungen) beitragen. Aus verschiedenen Gründen interessante Orte gibt es ja genug. Also: bei Interesse kommen, und wenn wer was über die jeweiligen Orte weiß einfach erzählen.

Kontakt: stadterforschung (at) gmx.at

links:

Stadterforschungen: no-racism.net/thema/113

Wagenplatz Gänseblümchen: gaensebluemchen.wagenplatz.at

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  1. Klara says: 20.12.201311.21

    Ich finde es sehr spannend zu lesen, was war, wo etwas entsteht, welche Geschichte dahinter steckt! Ich bin etwas zwiespältig was Aspern betrifft, ich habe kurz überlegt, ob ich mich dort um eine Wohnung umschauen soll, habe auch von diese Studentenwohnungen/Containern aus Holz erfahren. Einerseits finde ich es recht spannend, ich glaube es hat dort auch einige provisionsfreie Immobilien gegeben, um es schmackhafter wird dorthinzu ziehen. Ich bin gespannt, wie sich dieser Stadtteil entwickelt!
    Lg Klara

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Die Serie “Wohnen in Wien – Einblick ins Verborgene” wirft einen genaueren Blick auf unterschiedliche Dimensionen der derzeitigen Wohnungsprobleme in Österreichs Haupstadt. Während sich Teil 1 der Serie, den es hier, nachzulesen gibt, mit dem Thema Delogierungen beschäftigt hat, geht es heute in Teil 2 um das Thema Obdachlosigkeit.

Johannes Puchleitner hat sich mit Mag. Markus Reiter, Leiter des ‘neunerhaus’ getroffen. Das neunerhaus ist eine Sozialorgansiation mit Sitz in Margareten, die obdachlosen Menschen unkompliziert Zugang zu Unterkunft verschafft, um damit ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen.

Im Interview spricht Reiter über die Ausbreitung der Obdachlosigkeit in Wien, die heute zunehmend auch Leute aus mittleren Schichten betrifft. Seit 2006, ist die Zahl der Personen, die jährlich von der Wohnungslosenhilfe betreut werden von 5.000 auf 10.000 angestiegen. Reiter erzählt auch über neue Ansätze, wie soziale Organisationen in der Stadt versuchen, mit dieser Situation umzugehen und gibt Einblicke in die Zusammenarbeit mit der Politik.

„Obdachlosigkeit ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.“

Wenn wir über stadtpolitische Prozesse in Wien sprechen, kommt man kaum umhin die ambivalente Rolle der Stadt hervorzuheben. Zum einen herrscht ja noch immer ein starkes Bild von sozialer Inklusion vor; gerade im Vergleich zu anderen Städten, in denen der Wohnungsbestand schon längst privatisiert wurde, steht Wien noch relativ gut da. Zum Anderen gab es auch hier Veränderungen. Meine Frage nun, wie wirken sich diese Veränderungen auf eure Arbeit im neunerhaus aus?

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich schon den starken Eindruck habe, dass es eine gemeinsame Anstrengung seitens der Stadtpolitik sowie auch der NGO´s gibt, Wohnen bzw. Wohnpolitik wieder verstärkt als Sozialpolitik zu verstehen. Das macht Wien aus und deswegen ist es auch wieder im Fokus der politischen Debatte. Ausgehend von einer Phase des neoliberalen Mainstreams der letzten 20-30 Jahre, die auch die Wohnpolitik nicht ausgelassen hat, versucht man wieder davon weg zu kommen, Wohnpolitik als Ware zu sehen. Ich glaube das begreift Rot-Grün in Wien jetzt und das ist auch spürbar. Aber es spießt sich noch in mehreren Punkten, u.a. im Mietrecht. Aber das ist nicht der einzige Punkt. Das andere sind die Budgetmittel, denn seit der Wirtschaftskrise sind die Kassen knapp. Wobei man sagen muß, dass seitens der Stadt in den letzten Jahren mehr investiert wurde als an Wohnbaufördergeldern vom Bund reingekommen ist.

Das heißt die Stadt investiert eh…

 Der soziale Wohnbau wurde in den letzten 10-20 Jahren stark von den Genossenschaften und den Gemeinnützigen geprägt, nachdem es ja seit 2004 keinen Neubau im Gemeindebau mehr gibt. Und hier wurde lange Zeit nur für die Mittelschicht gebaut. Auch die Gemeinnützigen sehen das jetzt.

Es gibt derzeit ca. 30.000 Vormerkscheine für den Gemeindebau. Das heißt es haben sich 30.000 Menschen für jährlich 8.000 günstige Gemeindewohnungen beworben. Da passt was nicht.

Inwiefern hängt die Einkommensentwicklung mit den derzeitigen Verhältnissen zusammen?

 Eine globale Entwicklung ist für mich der Rückgang der Einkommen. Wenn ich in den untersten Einkommensdezilen in den letzten 10 Jahren reale Einkommensverluste habe, männliche Arbeiter sogar bis zu minus 40% ihres Einkommens verlieren, wie sollen sich dann aufgrund der immer geringer werdenden Einkommen die Menschen ihre Wohnungen leisten können?

Was  bedeutet denn für dich leistbarer Wohnraum, was heißt das allgmein für euch als neunerhaus? Ihr seit ja auch stark von der Politik bzw. von den poltischen Rahmenbedingungen abhängig, oder?

Nein, wir sind nicht von der Politik abhängig. Wir sind davon abhängig, dass der Wohnungsmarkt funktioniert, im Sinne von, dass es genügend leistbare, kleine, kompakte Wohnungen gibt. Natürlich können wir sagen, all unser Tun ist von der Politik abhängig, aber es ist eher Sozialpolitik als Wohnpolitik. Strukturell gesehen geb ich dir aber recht. Andererseits streben wir auch eine fachliche Veränderung an. Für „Housing First“ stellt sich nämlich nicht nur die Frage, ob es genügend Wohnungen gibt.

Du hast gerade von „Housing First“ geredet. Kannst du uns bitte kurz erkären, was das ist? Welche Strategien wendet ihr da an?

„Housing First“ ist ein international erfolgreicher Ansatz den wir gerade nach Wien bringen. Housing First heißt, Menschen, die wohnungslos werden, sofort wieder in eine eigenständige Wohnung zu vermitteln wo der Mietvertrag auf sie läuft. Wir versuchen so rasch als möglich eine normalisierte Wohn- bzw. Lebensumwelt wiederherzustellen. Wohnen kann nämlich jeder Mensch, das verlernt man eigentlich nicht. Es ist ein Irrglaube die Menschen zuallererst wieder zum wohnen befähigen zu müssen. Vielmehr muß man sie dazu befähigen all ihre vorhandenen Probleme zu bearbeiten. Unsere Betreuer_innen und Sozialarbeiter_innen kommen dann zu Besuch und arbeiten mit den Menschen solange wie notwendig und so kurz wie möglich. Dann ziehen wir uns wieder aus der Betreuung zurück, aber der Mensch bleibt in der eigenen Wohnung.

Kurz zum Mietrechtsgesetz und der Einführung von befristeten Mietverträgen: Gibt es von deiner Seite Forderungen an die Politik, diese Veränderungen wieder rückgängig zu machen, z.B. die Befristungen wieder aufzuheben…

Ich glaube nicht, dass es Sinn macht zu sagen, machen wir alles wieder so, wie es früher war. Ich versteh auch Inverstoren die sagen, wenn ich ein Zinshaus bzw. ein Haus saniere und Geld ausgebe, muß ich das auch wieder rein bekommen. Ich sehe, dass wir eine Ungleichverteilung im Mietrecht haben, ich bin auch für eine Mietzinsregulierung und für eine Abschaffung der befristeten Mietverträge bzw. eine finanzielle Schlechterstellung von befristeten Mietverträgen. Aber eigentlich bin ich dafür, dass wir ein neues Mietrecht schreiben, nur traut sich das keiner zu, aus Angst, er könnte was verlieren. Das gilt es eigentlich zu überwinden.

Du hast einmal gesagt, dass ein Großteil eurer Klient_innen auf den Gemeindebau angewiesen sind. Warum ist das so?

Knapp 90% der Menschen, die aus der Wohnungslosenhilfe in eine eigenständige Wohnung ziehen, sind auf Gemeindewohnungen angewiesen. Und die Fallzahlen steigen, allein 50% in den letzten fünf Jahren in der gesamten Wohnungslosenhilfe. Wir sind jetzt in Wien bei knapp 10.000 Menschen die im Jahr betreut werden und die Zahl wächst weiter. Das Problem ist, dass wir derzeit einfach nicht mehr Wohnungen bekommen. Wir sind in etwa bei 700 Wohnungen die wir jährlich vermitteln können, von denen ein Großteil Gemeindewohnungen sind. Keine Alternative sind die ansonsten günstigen Genossenschaftswohnungen, da sich niemand Eigenmittel von 40.000-50.000€ leisten kann.

Inwiefern ist die Architektur, und damit mein ich im speziellen die Wohnungsgrößen und auch die gestiegenen Standards der Wohnungen ein Thema?

Man darf nicht vergessen, dass sich in den letzten 20 Jahren die durchschnittliche Wohnungsgröße verdoppelt hat, d.h. Wohnungen, die in den 90er Jahren oder im letzten Jahrzehnt gebaut wurden, sind für unsere Leute unerschwinglich, eben auch auf Grund der Wohnungsgrößen und nicht nur aufgrund der Standards. Beim Neubau ist uns eine optimale Flächenutzung durch intelligente, kompakte Grundrisse wichtig, nicht zu klein, aber auch nicht zu groß. Die Gesamtkosten sind für uns natürlich auch wichtig, da kommt dann auch die ökologische Komponente mitrein. Am Ende ist aber eine gute Durchmischung unterschiedlicher Wohnungstypen das, was zählt.

Stichwort Obdachlosigkeit. Ist eine Veränderung von deiner Seite feststellbar? Gibt es neue Zielgruppen? Hast du Gründe für die zuletzt steigenden Zahlen?

Wohnungslosigkeit ist ein Problem, dass mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist. Das Bild hat sich gewandelt, als dass wir nicht mehr von dem Obdachlosen, als dem verwahrlosten, betrunkenen, langbärtigen Mann, der in der Mariahilferstraße sitzt, reden. Vielmehr sind das Menschen wie du und ich, Familien, Alleinerziehende usw., die kommen und sagen, wir haben uns die Wohnung nicht mehr leisten können und wir schaffen es nicht, am Markt eine neue Wohnung zu finden. Weil wenn du Mindestsicherungsempfänger bist, bist du beim Makler der Letzte. Auch hat sich das System der Wiener Wohnungslosenhilfe in den letzten 10-15 Jahren so gut entwickelt, dass wir die Menschen rascher erreichen und damit auch jenen begegnen, denen man Obdachlosigkeit eben nicht ansieht.

Weiters stellen wir in der Wohnungslosenhilfe ein massives Ansteigen der Hilfesuchenden fest. Wir waren 2006 bei knapp 5000 Fällen in Wien und sind jetzt bei 10.000. Das ist eine enorme Entwicklung. Wenn dann der Wohnungsmarkt eben nicht die Angebote hat, den Menschen, die kurzfristig eine kleine, billige, einfache Wohnung brauchen, weil sie ausziehen haben müssen, aus welchen Gründen auch immer, dann landen sie bei uns. In einer Krisensituationen, wo sie nicht mehr ein und aus wissen.

Kannst du uns vielleicht Beispiele nennen?

Wir haben Schicksale von Einzelunternehmern die in Konkurs gegangen sind, die teilweise monatelang in ihrem Geschäftslokal in einem Hinterzimmer auf der Couch gewohnt haben. Wir haben immer mehr junge Menschen, die sich bei Freunden oder Bekannten finanziell durchschlagen. Oder auch Frauen, die Zweckbeziehungen mit Männern eingehen, um den Schein zu wahren. Bis es dann halt irgendwann nicht mehr geht.

Inwiefern gibt es noch Kapazitäten bei euch? Oder sind die Grenzen schon erreicht?

Eine Kollegin von mir, von einem anderen großen Träger hat gerade gemeint, dass es notwendig wird, eine gemeinsame Kraftanstrengung mit der Stadt in Richtung mehr leistbaren Wohnraum zu forcieren, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass das System kollabiert. Wir kriegen immer mehr Leute rein, aber wir haben einfach nicht mehr Plätze.

Welche Lösungsansätze, Optimierungsvorschläge und Forderungen habt ihr an die Stadt? Wie soll die Zusammenarbeit in Zukunft ausschauen, wie soll man die Stadt in die Verantwortung holen?

Die Stadt ist in der Verantwortung. Und die Stadt ist auch schon mittendrinnen. Unser Positionspapier des Dachverbandes der Wiener Sozialeinrichtungen wurde von Rot-Grün angenommen. Die Stadträtin Wessely sagt, dass sie unsere Anliegen voll und ganz unterstützt. Es werden jetzt erstmal Gespräche anlaufen und wir werden schauen, was wir im Sozialressort tun können, was kann im Bereich Fonds Soziales Wien und der Sozialämter getan werden, um unsere Klient_innen bei den Anmietungskosten zu unterstützen. Wie können wir ein Modell finden, um Kautionen oder Eigenmittel zu finanzieren. Wie können wir sicherstellen, dass es überhaupt eine Zugang zu leistbaren, günstigen Wohnungen gibt.

Ihr seit auch gerade dabei eine Plattform für eine Wohnungsvermittlung einzurichten, oder?

Wir basteln auf Initiative vom neunerhaus gemeinsam mit anderen Trägern, den Stadtabteilungen und den gemeinnützigen Bauträgern an einer Plattform um entsprechenden Wohnraum zu schaffen und Barrieren beim Zugang abzubauen. Speziell für soziale Notfälle, für Menschen die delogiert worden sind, versuchen wir rasch und unbürokratisch, mit der entsprechenden Betreuung  unsererseits, Wohnungen zu vermitteln. Das hat gerade erst begonnen und das ist die Zukunft, auf das bauen wir. Wir hoffen auch, dass die Wohnungswirtschaft unsere Anliegen hört, dass man auch versucht, die Privatwirtschaft in die Verantwortung zu holen. Und nicht nur als Sponsor. Die Zukunft ist, dass wir alle zusammenarbeiten müssen, das Kooperationen und Netzwerke entstehen. Das betrifft Ressorts, Verwaltungen, Abteilungen und auch die NGO´s. Wir sitzen in einem Boot.

 

Markus Reiter ist Gründer und Geschäftsführer des Vereins neunerhaus. Eine Kurzversion des Interviews erschien in einem Schwerpunkt zur Wiener Wohnpolitik in der Printausgabe 64 der Zeitschrift malmoe.

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© Cathrine Stukhard

© Cathrine Stukhard

Die Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien (Fachbereich Örtliche Raumplanung und Institut für Kunst und Gestaltung 1) veranstltet gemeinsam mit der Universität Wien und dem BMI eine Vortragsreihe unter dem Titel „Erinnerungsorte in Bewegung“:

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen befindet sich in einer Phase der Neugestaltung. 2013 konnten zwei neue Dauerausstellungen sowie der „Raum der Namen“- ein neuer Gedenkort- in dem neu sanierten Museumsgebäude eröffnet werden.

Für das Gelände der KZ-Gedenkstätte sowie für die Bewusstmachung der geschichtlichen Ausdehnung der Lagerbereiche, der damit verbundenen Bedeutung für die nähere Umgebung und die umliegende Region verbleiben räumliche und gestalterische Aufgaben, die von (Un)Sichtbarkeiten, Grenzen, Zugängen, Bewegungen und Verbindungen im Bereich einer öffentlichen Erinnerungskultur handeln. Diese Themenfelder stehen im Fokus der Annäherungen an das Gedenken vor Ort und sind Ausgangspunkt für die Vorträge und Diskussionen.

s. www.ifoer.tuwien.ac.at/download/Folder_Erinnerungsorte_web.pdf

Mo, 21. Oktober 2013, 18.00
T. Scarlett Epstein (Hove/UK): Es gibt einen Weg. Eine Jüdin aus Wien.
Ein Zeitzeuginnengespräch.

Mo, 28. Oktober 2013, 19.00
Erwin K. Bauer (Wien): Den Ort zum Sprechen bringen.
Überlegungen und Strategien im Orientierungs- und Informationsdesign.

Mo, 4. November 2013, 19 Uhr
Suzana Milevska (Skopje): The Invisible Borderlines of Racism.
From Amnesia to Racism in Visual Representation.

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sexarbeiterInnen-haben-lust-auf-ihre-rechteIm Stuwerviertel gibt es einen Straßenstrich – seit wohl über 100 Jahren. Dieser wurde in den letzten Jahren zunehmend zurückgedrängt und illegalisiert. Nunmehr soll auch der letzte legale Teil im Prater verschwinden. Unter dem Titel “Rotlicht statt Blaulicht” tritt das Sutwerkomitee – eine Gruppe von AnrainerInnen – gegen diese und andere Formen von Verdrängung auf:

Wir als Anrainer_innen verwehren uns dagegen als Vorwand und Rechtfertigung dafür zu dienen, dass im Dienste einer Aufwertung und Gentrifizierung unseres Viertels die Sexarbeiter_innen noch weiter schikaniert, diskriminiert und kriminalisiert werden.

Wir wollen der Debatte die Doppelmoral aus den Segeln nehmen und uns für die Menschenrechte der Betroffenen, meist Frauen, einsetzen.

Wir sind der Meinung, dass die momentan noch erlaubte Strichzone im Prater weiterhin Erlaubniszone bleiben soll, solange keine gleichwertige oder bessere Lösung für die Sexarbeiter_innen durchgesetzt ist, ihrer Arbeit unter möglichst menschenwürdigen Bedingungen nachgehen zu können. Im Vergleich zu allen anderen in Wien erlaubten Zonen (Auhof, Brunnerstrasse) ist der Prater noch ein stadtnahes und für die Arbeitenden halbwegs sicheres Gebiet.
(Presseaussendung des Stuwerkomitees)

Dazu findet eine Podiumsdiskussion mit betroffenen und Vertreterinnen von Sexarbeiterinnen statt:

Heute, Mi, 25.92013 – 19.00
Lokativ – Arnetzhoferstraße 12 – 1020 Wien

www.stuwer.info/www.facebook.com/pages/Rotlicht-statt-Blaulicht/1388015998094603

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