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lidovienna: Die Transformation Transdanubiens

Kein anderer Teil der Stadt hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark verändert wie Wien links der Donau. Ein guter Grund also, sich die Dimension dieses Wandels aus der Vogelperspektive anzuschauen. Das Projekt lidovienna macht genau das. Mithilfe historischer Orthofotos von 1938 bis heute wird die bauliche Veränderung Transdanubiens eindrucksvoll illustriert. Darüber hinaus werden die lange Geschichte der Wiener Planung und der Einfluss von Zeitgeist und Entwicklungskontext auf Wien links der Donau nachvollziehbar gemacht.

Wer hat den Kaisermühlen Blues?

Transdanubien, das ist noch heute die abschätzige Zuschreibung für den Nordosten Wiens – für jenen Teil der Stadt, der sich hinter dem rechten Donauufer erstreckt. Cisdanubier*innen heben damit gern hervor, auf welcher Donauseite das „echte“ Wien liegt. Dieses Othering – hier wir, dort drüben die anderen – hat vornehmlich historische Gründe. Denn erst 1904/05 werden weite Teile des Nordostens eingemeindet. Die funktionale Integration beider Stadtteile ist jedoch noch immer nicht abgeschlossen, die Donau weiterhin eine Trennlinie – zumindest in den Köpfen gelernter Wiener*innen. Immer wieder genügt der Verweis auf den Fluss, beispielsweise als Erklärung für das unterschiedliche Wahlverhalten oder die auffällig andere Sozioökonomie.

Transdanubien, das ist aber auch Ausdruck der dynamischen Urbanisierung Wiens – einer Stadt, die jährlich um mehrere Zehntausend Einwohner*innen wächst. Ein Gutteil dieser Bewohner*innen findet seinen Platz „drüber der Donau“, wie Otto Wagner es dereinst formuliert hat. Nicht mehr lange, dann kommt jede*r fünfte Wiener*in aus Floridsdorf oder Donaustadt. Das zeigt, wie wichtig der Nordosten für die Stadtentwicklung geworden ist. Mit der Seestadt Aspern, dem Donaufeld und dem neuen Zentrum Kagran entstehen aktuell auch einige der prestigeträchtigen Planungsprojekte links der Donau. Kein Grund mehr also für den Kaisermühlen Blues.

Trau Dich über die Donau!

Über Jahre scheint die Stadtforschung aber ähnliche Ressentiments gehabt zu haben wie die gelernten Wiener*innen. Viel zu wenig wurde der Nordosten der Stadt bislang in den Blick genommen. Das Forschungsprojekt TRANS[form]DANUBIEN hat diese Kritik aufgegriffen und sich der Wiener Stadtentwicklung links der Donau gewidmet. Im Fokus stand die Frage nach dem Einfluss der Stadtplanung auf den sichtbaren baulichen Wandel. Die Website www.lidovienna.at liefert jetzt erste Ergebnisse aus dem Projekt und macht aus der historischen Aufarbeitung eine interaktive Exkursion durch die Stadtentwicklungsgeschichte von Floridsdorf und Donaustadt. Historische Zeitleisten, interaktive Karten und Luftbildvergleiche veranschaulichen, was sich gerade tut im Nordosten Wiens und erlauben den einen oder anderen spannenden Blick in die Geschichte der Stadt. Was war vor der Donauinsel? Wie hat Kaisermühlen vor dem Krieg ausgesehen und was passiert gerade in der Seestadt? Dazu gibt es manch interessantes Detail: In sieben „Planungsgeschichten“ beschreiben die Forscher*innen ausgewählte Gebiete im ganz spezifischen historischen Kontext. So stehen einzelne Bauprojekte für das Spannungsverhältnis zwischen planerischen Zielen und politischem Rahmen, zwischen Wirtschaft und Gesellschaft und werden so zu Symbolen transdanubischer Stadtentwicklungsgeschichte. „Es ist interessant zu sehen, wie sich der planerische Zeitgeist und die damit verbundenen, unterschiedlichen Idealvorstellungen von der Stadt in den Gebieten links der Donau nebeneinander manifestieren konnten.“, so Stadtforscher Johannes Suitner, Projektleiter von TRANS[form]DANUBIEN. Einen Klick wert, wie wir finden!

Website: www.lidovienna.at

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