urbaniZm

Archive

Wer Informationen über Wohnen in Wien aus erster Hand der Entscheidungsträger erhalten will, hat heute die Möglichkeit u.a. Stadtrat Michael Ludwig in einem Speeddating in der GB*3/11 zu treffen. Die Einladung liest sich wie folgt:

Technische Neuerungen wie Niedrigenergie- und Passivbauweise, der Wunsch nach Mitbestimmung beim Bau, die Nachfrage nach Wohnungen, die sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen adaptieren lassen, gemeinschaftliche Wohnformen, die Entwicklung von neuen Stadtteilen in teils dicht bebautem Stadtgebiet sind nur einige Aspekte, die das Wohnen in Zukunft prägen werden. Im Rahmen eines Speed-Datings beantworten Expertinnen und Experten aus Politik, Planung, Verwaltung und Forschung Fragen zum Thema.

In jeweils 5-minütigen 4-Augen-Gesprächen haben die BesucherInnen so Gelegenheit, mit verschiedenen ExpertInnen zu sprechen.

Also, für alle, die noch keinen Diskussionspartner über Wohnthemen für heute Nachmittag gefunden haben – auf nach Erdberg, Fiakerplatz 1, 1030 Wien. Folgende ExpertInnen bitten zum Dating:

Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat – Kostengünstiges Wohnen
Rudolf Zabrana, Stv. Bezirksvorsteher Landstraße – Entwicklungen im Bezirk
Katharina Bayer, EINSZUEINS Architektur – Baugruppen
Ingrid Farag – Frauenwohnprojekt ro*sa KalYpso
Christiane Feuerstein, Architektin – Generationen-Wohnen
Georg Kogler, trans_city – Smart Wohnen
Maja Lorbek, TU Wien, Abteilung für Wohnbau –Trends im Wohnbau
Gabriele Aigner-Tax, Wohnservice Wien – Wohnberatung und Wohnungsvergabe
Christoph Reinprecht, Universität Wien, Institut für Soziologie – Zukunft des sozialen Wohnbaus
Rudolf Szedenik, s+s Architekten – Passivhaus

0 comments add comment...

Das IFK veranstaltet in Kooperation mit dem Department für Kulur- und Sozialanthropologie der Universität Wien eine Konferenz zum Thema Krise, Verdrängung, Städte und Migranten. In der Ankündigung heißt es:

The conference will address questions of diversity (including, but not limited to, cultural diversity), as well as social and spatial displacements (including processes of gentrification) that mark contemporary urban life in a variety of cities.

Genauere Informationen gibt es hier, das genaue Programm findet sich hier.

Die Veranstaltung wird auf Englisch abgehalten.

0 comments add comment...

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht dieser Tage eine Serie von Karten zum Thema “Gespaltene Stadt” und fragt sich, ob die Spaltung deutscher Großstädte zwischen 1991 und 2005 zugenommen hat. Vor diesem Hintergrunf werden sechs Großstädte betrachtet: Essen, Frankfurt, Berlin, Köln, Leipzig und Stuttgart.

Die interaktiven Karten zeigen in ihrer Färbung, dass die Spaltung in den untersuchten Städten durchwegs zugenommen hat. Besonders stark sind die Veränderungen laut farblicher Skalierung in Stuttgart und Berlin.

Die Operationalisierung des Konzepts “Spaltung der Stadt” wirft allerdings einige Fragen auf. Die Artikelunterschrift suggeriert, dass es in den Karten um die Veränderung von einkommensbedingter Segregation in deutschen Städten geht, wenn es heißt: “Großstädte teilen sich immer heftiger in arme und reiche Wohnviertel. Unsere interaktive Grafik zeigt an sechs Städten, wie es früher war und wie es heute ist.”

Simpel ließe sich dies zum Beispiel darstellen durch eine Karte mit positiver / negativer Veränderung im Medianeinkommen eines Viertels im Vergleich zum Medianeinkommen in der gesamten Stadt. Verändern sich einige Viertel positiv in ihrer Abweichung und andere negativ, könnte das als ein Indikator für zunehmende Einkommensegregation herangezogen werden. Eine andere Möglichkeit wäre eine Indizierung der Viertel gemessen am reichsten Viertel. Nimmt der Unterschied des Medianeinkommens in ärmeren Vierteln gemessen zum Medianeinkommen im reichsten Viertel ab, kann das als Indikator für eine Abnahme in der Einkommenssegregation herangezogen werden, und vice versa.

Die in der FAZ dargestellten Karten wählen allerdings einen wesentlich simplifizierteren Weg. Die “Spaltung der Stadt” wird operationalisiert durch den Anteil an Sozialhilfeempfängern in einem Viertel. Weisen also im Jahr 1991 zum Beispiel drei Viertel in der Stadt einen Sozialhilfeempfängeranteil > 15 % auf und im Jahr 2005 zum Beispiel fünf wird das – so suggerieren jedenfalls die Karten – als eine zunehmende Spaltung der Stadt interpretiert.

Dieser Schluss scheint allerdings problematisch.  Unklar bleibt beim Heranziehen des Sozialhilfeempfängeranteils, wie sich die Einkommen von denen mit hohem Einkommen verändert haben. Auf Ebene eines Viertels mit steigendem Sozialhilfeempfängeranteil wäre es durchaus möglich, dass auch die Einkommen von jenen mit höherem Einkommen gesunken sind, und daher der steigende Anteil derer mit Sozialhilfe nicht zu einer Spaltung des Viertels geführt hat. Auf Ebene der Stadt ist es ebenso möglich, dass auch in jenen Vierteln in denen sich der Anteil der Sozialhilfeempfänger nicht verändert hat – oder sogar zurückgegangen ist – die Einkommen von höherverdienenden verringert haben – und damit gesamtstädtisch die Einkommenssegregation nicht zugenommen hat. Veränderung von höheren Einkommen sind allerdings mit dem Indikator “Anteil an Sozialhilfeempfängern” nicht abzubilden, schon allein deshalb, weil geringe Veränderungen in hohen Einkommen nicht dazu führen, dass Haushalte unmittelbar zu Sozialhilfeempfängern werden. Die gezogenen Schlüsse erscheinen daher äußerst fragwürdig.

Noch fragwürdiger ist allerdings die auf der problematischen Operationalisierung beruhenden Legendenbeschriftung der Karten. Der Anteil der Sozialhilfeempfänger wird hier abgestuft von niedrig nach hoch wie folgt:

  • Armes Viertel (15 und mehr)
  • Gefährdetes Viertel (10 bis 15)
  • Gutes Viertel (5 bis 10)
  • Reiches Viertel (0 bis 5)

Zwei Problem hierbei: Erstens kann, analog zum oben beschriebenen Beispiel, auf Basis des Indikators “Anteil Sozialhilfeempfänger” kein Schluss gezogen werden über die Einkommenssituation in einem gesamten Viertel. Es ist durchaus möglich, dass in einem Viertel der Anteil der Sozialhilfeempfänger steigt, die Einkommen der reicheren Haushalte allerdings ebenso steigt, und damit das Viertel – im Durchschnitt – reicher (!) wird. Das würde zwar auf eine zunehmden Spaltung des Viertels hinweisen – da aber die Einkommenssituation der reichen Haushalte unbekannt ist, kann nicht der Schluss gezogen werden, dass das Viertel insgesamt ärmer geworden ist.

Das zweite Problem ist ein politisches, nämlich die normative Beschriftung. Die Skala “arm – gefährdet – gut – reich” suggeriert recht eindeutig, dass reiche Viertel gut, arme Viertel schlecht sind. Dieser Kategorisierung fehlt nicht nur der Bezug zur Ausgangsfragestellung, i.e. die Spaltung der Stadt, sondern deutet sie auch darauf hin, dass die Politik danach streben sollte, arme Viertel zu bekämpfen und reiche Viertel zu fördern.

Aus dem amerikanischen Kontext sind Programme bekannt, in denen arme Haushalte in reichere Viertel umgesiedelt werden im Rahmen von Sozialwohnungsbaureduktionsmaßnahmen. Die wissenschaftliche Erkenntnis darüber, dass arme Haushalte besser dran sind, wenn sie nahe bei reichen Haushalten wohnen, als wenn sie nahe bei armen Haushalten wohnen ist allerdings bis jetzt sehr unklar. Im Gegenteil gibt es einige Studien, die die positiven Aspekte von Segregation aufzeigen. Eine andere Variante die Einkommenssegregation zu verringern wird in den Niederlanden seit Jahren versucht. Dort werden systematisch reichere Haushalte in ärmere Viertel gelockt, vor dem Argument dass sie “das Viertel” aufwerten. In der Realität führt die steigende Kaufkraft allerdings nicht nur zu einer Verbesserung der Einkaufs- und Wohnangebote in den Vierteln, sondern macht sie auch zunehmen unleistbar für ursprünglich ansässige, ärmere Haushalte. Eine dritte Variante, “schlechte”, arme Viertel zu verringern, wäre eine Stadt zu fördern, in der nur reiche Haushalte wohnen, arme Haushalte allerdings außerhalb, da sie ja Viertel zu “schlechten” Vierteln machen. Das, allerdings, würde wohl gänzlich der Idee einer ungespaltenen Stadt zuwiderlaufen.

Ein Ergebnis der Untersuchung scheint allerdings klar: die Armut in deutschen Städten nimmt zu. Die räumliche Manifestierung dieser Armut ist ein wichtiges Element. Der Kern ist allerdings die Frage, wie sozialpolitische Maßnahmen ausschauen können um Armut zu verringern. Ein rein räumlicher Fokus greift hier – wie mittlerweile aus unzähligen Studien bekannt – eindeutig zu kurz. Mit geeigneten Maßnahmen zur Verringerung von Armut löst sich auch die Frage von räumlicher Polarisierung – wenn sie denn existiert – und wenn sie denn tatsächlich ein Problem darstellt.

Der Link zu den Karten übrigens nochmal hier.

0 comments add comment...

Im Rahmen des Rigorosums von Katharina Söpper zum Dissertationsthema “Mobilizing more than Governmental Support for Distressed Neighborhoods”, verfasst an der TU Wien und der San Diego State University findet am Dienstag, 8.1.2012 ein Gastvortrag von Prof. Roger Caves an der TU Wien statt.

Current Issues in City Planning in the US

Dienstag, 8.1.2012, 18:00, HS 7 Schütte-Lihotzky

Roger Caves ist Professor für Stadtplanung an der San Diego State University und ausgewiesener Spezialist für Stadtplanung in den Vereinigten Staaten. Kürzlich von ihm erschienen sind Planning in the USA, 2d and 3rd editions (2003, 2008) und Encyclopedia of the City (2005).

0 comments add comment...

Wohin geht die Stadtforschung im 21. Jahrhundert? Was sind die Themen mit denen sich Stadtforschung auseinandersetzen wird? Was sind neue Perspektiven und mögliche neue Forschungsstränge? Die Universität Manchester hat vor einigen Wochen ein interessantes Symposium mit drei führenden Stadtforscher_innen zu diesem Thema veranstaltet : Andrew Merrifield, Edward Soja und Maria Kaika. Erik Swyngedouw gibt eine Einführung.

Der theurbanfix-Blog hat jetzt einen Videomitschnitt des Symposiums hier online gestellt.

Ebenfalls in diesem Post findet sich ein Video der Antrittsvorlesung von Neil Brenner in Harvard vor knapp einem Jahr, in der er seine Perspektive auf die Zukunft der Stadtforschung darstellt.

Und schließlich auch zum Thema gibt es eine neue Sammlung von Podcasts der UCL Bartlett School of Planning mit Mitschnitten von Urban Studies Vorträgen des Jahres 2012, unter anderem mit Vorträgen von Peter Marcuse, Patrick LeGales, Jennifer Robinson und Michael Edwards. Der Link ist hier.

0 comments add comment...

Wie bereits im letzten Post “Albtraum Wohnungsmarkt” suggeriert, hat die städtische Wohnungskrise unterschiedliche Dimensionen, die sich nur bedingt lediglich auf Basis der Dimension Einkommen verstehen lassen. Schwangere, alleinstehende Frauen haben vor allem Probleme in Wien eine leistbare Wohnung zu finden, wie im besprochenen Zeitungsartikel dargelegt. Die FAZ beleuchtet heute die Dimension Alter als eine weitere Wichtige. In diesem Video-Kurzbeitrag wird dargelegt, dass es vor allem jüngere Leute sind, die zunehmend unter der städtischen Wohnungsknappheit leiden. Studenten in Hamburg, wie der Beitrag berichtet, haben oft nur die Möglichkeit illegal ein Zimmer unterzumieten um eine Bleibe in der Stadt zu finden.

Der Beitrag thematisiert zwar die Situation in Hamburg, die Debatte ist allerdings nicht nur eine deutsche. Was im akademischen Diskurs als “inter-generationelle Wohnungskrise” diskutiert wird – also dass sich vor allem jüngere Leute Wohnen nicht mehr leisten können – thematisiert zum Beispiel der Guardian hier für Großbritannien vor einigen Wochen. Eine interessante Arte-Doku findet sich hier über die Situation in Frankreich, mit besonderem Bezug auf die Wohnsituation von Kindern. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik mit Bezug auf die Hintergründe der vor allem junge Leute betreffenden Wohnungsprobleme findet sich hier.

0 comments add comment...

Im Namen des Departments für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung, TU Wien, laden wir herzlich zum untenstehenden Vortrag von Andrej Holm ein.

Neuordnung des Städtischen – Wohnungsfragen im 21. Jahrhundert

Unternehmerische Orientierungen der Stadtpolitik, eine Internationalisierung ortgebundener Investitionen und eine wachsende Fragmentierung von Interessen unterwerfen nicht nur die Stadtentwicklung einem ständigen Anpassungsdruck sondern haben auch das Verständnis von Stadt als Integrationsmaschine und Ort der kollektiven Konsumption verändert. Die Neuordnungen des Städtischen sind vielfach mit dem Trend von sozialen und sozialräumlichen Polarisierungen verbunden und bilden den Hintergrund von vielfältigen gesellschaftlichen Konfliktlinien. Am Beispiel der Wohnungsversorgungssysteme sollen die aktuellen Entwicklungswege und Folgen der kapitalistischen Urbanisierung exemplarisch dargestellt werden. 

Zur Person: Andrej Holm ist Stadtsoziologe und forscht an der Humboldt Universität Berlin zu den Themen Gentrification, Wohnungspolitik im internationalen Vergleich und Europäische Stadtpolitik.

Gerade vor dem Hintergrund der hohen Aktualität städtischer Wohnungsfragen, die sich auch an der gestiegenen öffentlichen Aufmerksamkeit rund um das Thema in den letzten Monaten zeigt, freuen wir uns, dass wir mit Andrej Holm einen ausgewiesenen Experten für die Thematik für einen Vortrag gewinnen konnten.

Donnerstag, 6.12. 18.00h –  TU Wien – Hauptgebäude, Hörsaal 7 Schütte Lihotzky

2 comments
  1. @AndrejHolm says: 06.12.201217.47

    Wien: gleich gehts los: “Neuordnung des Städtischen – Wohnungsfragen im 21. Jahrhundert” Veranstaltung an der TU http://t.co/o6DAuPA0

  2. […] 06. Dezember 2012 | 18:00 | TU-Wien | Hauptgebäude | Hörsaal 7 | Konferenz: Neuordnung des Städtischen – Wohnungsfragen im 21. Jahrhundert […]

add comment...

Das Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien läd im Rahmen des “Kolloquiums aus Geographie und Regionalforschung” zu einem Vortrag von Prof. Dr. Axel Borsdorf, Institut für Geographie, Universität Innsbruck, unter dem Titel:

Veränderungen der Stadtstruktur von Santiago de Chile als Folge der Globalisierung

am Mi, 31. Oktober 2012, 18.15 Hörsaal 5A – Institut für Geographie und Regionalfoschung – Universität Wien
Universitätsstr. 7/5 1010 Wien

Chile verfolgt seit 1974 als erstes Land Lateinamerikas eine neoliberale Wirtschaftsstrategie. Die seither verstrIchenen knappen 40 Jahre haben zahlreiche Veränderungen in der Sozial-, Wirtschafts-, Raum- und Bevölkerungsstruktur hervorgerufen. Sie zeigen sich in besonderer Weise in der Hauptstadt des Landes, in der 40 % der Chilenen leben. Die Globalisierung führt, wie Scholz (2002) darstellte, zu fragmentierender Raumentwicklung. Am Beispiel Santiagos lässt sich zeigen, dass seine Modellvorstellung verfeinert
werden muss. Anhand der Verteilung von Gated Communities und der Verteilung von Hotels und Geschäften der Luxuskategorie, der Entstehung neuer ummauerter Städte im Umland und Gentrizierungstendenzen im Zentrum
sowie der internationalen Einwanderung soll ein tieferes Verständnis des Globalen Wandels in der Stadt Lateinamerikas vermittelt werden, die den globalen Marktkräften am längsten unterliegt.
Axel Borsdorf, geb. 1948, studierte Geographie, Germanistik, Geologie sowie Vor- und Frühgeschichte an den Universitäten Göttingen, Valdivia/Chile und Tübingen, wo er 1976 promoviert wurde und sich 1985 habilitierte. Gastprofessuren führten ihn nach Eugene/OR, Bangkok, Santiago de Chile, Tamaulipas/Mexiko und Bern. Seit 1991 lehrt und forscht er an der Universität Innsbruck, war 1999-2006 Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung und ist seither Direktor des Instituts für Gebirgsforschung der ÖAW. Er ist Herausgeber bzw. Mitherausgeber verschiedener Zeitschriften, darunter sind 5 im Web of Science referenziert. Seine Interessen liegen thematisch in der Siedlungsgeographie und der Gebirgsforschung, regional in den Alpen, Europa und Lateinamerika.

Organisiert von Franz Holawe und Aleksandra Tyjan Institut für Geographie und Regionalforschung
Universität Wien

 

0 comments add comment...

Gestern wurde von JP Immobilien der erste so genannte “Wiener Grätzelbericht” vorgestellt. Der im Rahmen einer Veranstaltung am Yppenplatz präsentierte Bericht, versteht sich selbst als Guide für rentable zukünftige Anlagemöglichkeiten am Wiener Immobilienmarkt. In den Worten von JP Immobilien liest sich das so:

“Der vorliegende Bericht zeigt vier Grätzel mit langer guter Tradition, für die sich, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, ein Aufschwung voraussagen lässt. Stadteile also, wo es sich lohnt zu investieren oder sich anzusiedeln, sei es als Unternehmen, sei es als Privatperson.”

Vorgestellt werden in dem Bericht das Gebiet rund um den Hauptbahnhof – sowohl 1) Arsenal als auch innere Favoritenstraße bzw. Sonnwendviertel -, 3) das mittlerweile wohl bereits kräftig aufgewertete Gebiet rund um den Yppenplatz (in dem JP Immobilien anscheinend aber immer noch schlummerndes Investitionspotenzial vermutet), sowie 4) das Gebiet rund um den Westbahnhof. Interessanterweise liegen drei der vier Gebiete rund um ein Bahnhofsgroßprojekt. Diese dienen laut JP Immobilien Chef Müller als Impulsgeber. Des weiteren teilen alle vier Gebiete ein Charakteristikum: “eine heruntergekommene Gegend, die mit billigen Mieten Studenten und Kreative lockt”, wie diePresse Müller von der Berichtspräsentation zitiert. Man könnte wohl denselben Satz auch aus einem Gentrification-Lehrbuch zitieren.

Es sind diese vier Gebiete in Wien, für die also JP Immobilien das größte Renditepotenzial für die nächsten Jahre (aus)lobt. Interessant ist vor allem, mit welchen Charakteristika der Bericht Investoren in die vier Gebiete anlocken will. Der Brunnenmarkt zum Beispiel wird als “kulturell, künstlerisch und kulinarisch” beworben. Die türkische Prägung des Viertels wird dabei aus heutiger Sicht durchaus als ein “Asset” gesehen. Allerdings ist sie das anscheinend erst im Rahmen der Aufwertungsprozesse der letzten Jahre geworden. Denn:

“War das Eck bis vor zehn Jahren noch vorwiegend von Wienern türkischer Abstammung bewohnt, hat die Aufwertung von Brunnen und Yppenmarkt durch kreative Köpfe aller Nationen und ihre originellen Ideen innerhalb kürzester Zeit für eine frische Völkervielfalt gesorgt – ohne den Charme türkischer Geselligkeit und Lebenslust zu verlieren.”

Die ironischerweise auch in dieser Formulierung implizite Tatsache, dass die Aufwertungsprozesse der letzten Jahre zu einer Verdrängung türkischer Haushalte aus dem Viertel geführt haben, wird – nicht überraschend – in dem Bericht mit keinem Wort erwähnt. Vielmehr wimmelt es von Metaphern und Formulierungen, die Stadtentwicklung als natürlichen Prozess darstellen – eine Perspektive auf Stadtentwicklung, in der Verdrängung per se nicht existiert. Ein Beispiel findet sich gleich auf Seite 2:

“Weil aber Städte sich fortentwickeln wie lebendige Organismen, verändern sich auch die Lebensbedingungen in den Grätzeln.”

Interessanterweise hat der Bericht auch in den Tageszeitungen seinen Widerhall gefunden. Derstandard.at als auch diePresse berichten heute. Während derstandard.at lediglich eine Analyse bietet hat die Presse auch einen zweiten Artikel mit einem überraschenden Titel: “Beispiel Brunnenmarkt: Die Schattenseiten des Hypes”. Noch interessanter liest sich der Artikel, in dem Johannes Gilge, seinesgleichen Chef der Stadtforschungsabteilung in der MA18, befürchtet, dass es im Rahmen der Aufwertungsprozesse der genannten Viertel in den nächsten Jahren zu Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten kommen könnte. Der Artikel deutet darauf hin, dass auch im Rathaus ein Umdenken über die Problematik der Verdrängung stattfindet. Bisher gab es dazu eine klare Haltung der Stadt: Verdrängung bzw. Gentrifizierung gibt es in Wien aufgrund des starken Mietrechts nicht.

Währenddessen dreht sich im übrigen die öffentliche Debatte rund um das Thema steigender Mieten in Städten weiter. In Deutschland findet man mittlerweile beinahe wöchentlich sogar einen dazugehörigen Tagesschau Beitrag. Der heutige findet sich hier.

0 comments add comment...

Am Samstag hat Radio Orange 94.0 die Sendung “Widerhall” der aktuellen städtischen Wohnungskrise gewidmet. Zu hören gibt es ein Studiogespräch mit Justin Kadi über aktuelle Trends in der Wohnungspolitik in Städten wie Wien, Amsterdam und New York, Gentrifizierungsprozesse und die Ursachen für die Transformation städtischer Wohnungsmärkte über die letzten 30 Jahre.

http://cba.fro.at/64409

0 comments add comment...