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Werbefahrt mit Präsentationen!

Stadterforschung per Rad und zu Fuß zu selbstorganisierten und unabhängigen Archiven und Bibliotheken in Wien. Treffpunkt: Samstag, 22.06.2013, 13.30 Uhr bibliothEKH, Wielandgasse 2 – 4, 1100 Wien.

Folgende Archive und Bibliotheken werden im Rahmen der Stadterforschung besucht (Einstieg bei jeder Zwischenstation möglich, es wird eine Fahrrad- und eine FußgängerInnen-Gruppe geben):

Bring your own Bike/Heizdecke/Wanderschuhe!

 

13.30 Uhr

bibliothEKH

Wielandgasse 2 – 4, 1100 Wien

15 Uhr

Bibliothek von unten, Archiv der sozialen Bewegungen

Wipplingerstrasse 23, 1010 Wien

16.30 Uhr

Anarchistische Bibliothek & Archiv

Lerchenfelderstraße 124 – 126/3/1A, 1080 Wien

18 Uhr

Archiv der Wiener Punkbewegung

Johnstrasse 45, 1150 Wien

 Über die Initiative Radikal hat Bestand

„Wir verstehen uns als Kooperation selbstorganisierter, unabhängiger Archive und Bibliotheken in Wien – hervorgegangen aus privaten beziehungsweise projektbezogenen Sammlungen und dem Wunsch nach Kollektivierung, sowie der Notwendigkeit, die eigene Geschichte zu dokumentieren und zugänglich zu machen.

Utopien einer befreiten Gesellschaft, die Versuche ihrer Umsetzung und vielfältige Formen des Protestes und Widerstands sollen verbreitet und reflektiert werden statt in Vergessenheit zu geraten. Ihre Darstellung und Aufarbeitung darf nicht den Herrschenden überlassen werden. Denn eine kritische Erinnerung sowie die Verbindung von Gewesenem und Aktuellem vermag anzuregen, Perspektiven zu vermitteln und Kraft für soziale und politische Kämpfe zu geben.

Archive und Bibliotheken sind mehr als Räume reinen Wissenserwerbs. Für uns sind sie genauso Orte, um zu kommunizieren und zu diskutieren, Infos auszutauschen, zu schmökern, neue Zusammenhänge zu entdecken, Zeit miteinander zu verbringen…
Die Freihandaufstellung macht die Bücher unmittelbar zugänglich, aber auch Flugblätter, Plakate und Zeitschriftenartikel, die sonst nirgendwo erhältlich sind, lassen sich mit persönlicher Beratung in den Archiven aufstöbern.

Auf der Website http://radikalhatbestand.noblogs.org findet ihr Beschreibungen der einzelnen Projekte, Öffnungszeiten und Adressen: Kommt vorbei!“

Stadterforschungen in Wien und darüber hinaus sollen zur Selbstaneignung von (Stadt-)Geschichte dienen, zur Entwicklung eines kritischen Blicks auf Stadt(-entwicklungen, -planungen) beitragen. Aus verschiedenen Gründen interessante Orte gibt es ja genug. Also: bei Interesse kommen, und wenn wer was über die jeweiligen Orte weiß einfach erzählen.
Kontakt: stadterforschung (at) gmx.at

Recht auf Stadt!

Links und Kontakt:

BibliothEKH: bibliothEKH@riseup.net

Bibliothek von unten: info@bibliothek-vonunten.org, www.biblioweb.at/bibliothekvonunten

Archiv der sozialen Bewegungen: archiv.wien@gmx.at

Anarchistische Bibliothek & Archiv: info@a-bibiothek.org, www.a-bibliothek.org

Archiv der Wiener Punkbewegung: archivderwienerpunkbewegung@riseup.net

Stadterforschungen: http://no-racism.net/thema/113/

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Stadterforschung per Fahrrad gemeinsam mit dem Cit-Collecitve zum ehemaligen Gaswerk Leopoldau. Treffpunkt: Samstag, 01.06.2013, 13 Uhr, U1 Endstation Leopoldau. Das Gaswerk ist per Fahrrad 10 min entfernt.

Das Gaswerk Leopoldau wurde in den Jahren 1909 – 1912 errichtet. Seit Ende der 1980er Jahre ist das Werk stillgelegt. „Erhalten blieb hingegen ein (…) bemerkenswertes Ensemble aus Wohn- und Verwaltungsgebäuden, welche durch zwei Alleen erschlossen sind. Erbaut wurden diese ein und zweigeschossigen Gebäude mit hohen Walm- beziehungsweise Mansardwalmdächern in einer Villen- und Schlosstypologie mit Anleihen beim Heimatstil.“ (laut Wikipedia) Auf dem Gelände befinden sich heute 17 denkmalgeschützte Gebäude und einige leerstehende Industriehallen.

Auf einem weiteren Teil des Areals wurde im Juli 2007 die Betriebsgarage Leopoldau der Wiener Linien eröffnet. Hier werden rund 200 Busse für insgesamt 27 Buslinien – darunter sieben der NightLine Wien – abgestellt.

Das Areal des Gaswerk Leopoldau ist Teil des Zielgebiets „Siemens – Allissen“ der Wiener Stadtentwicklung. Die Stadt Wien rief im Jahr 2012 einen Wettbewerb zur Nutzung des Gaswerk-Geländes aus – benannt als „offener und kooperativer Planungsprozess“. Von einem offenen Prozess kann aber keine Rede sein, das Verfahren wurde so angekündigt, dass nur Eingeweihte davon überhaupt mitbekamen. Die Bevölkerung wurde nicht informiert und auch das Cit-Collecitve, das seit 2011 mehrere Male versuchte, bei den Zuständigen der Stadt Wien bezüglich des Gaswerks vorzusprechen, wurde davon nicht informiert. Im Oktober 2012 führte die Entwicklungsgesellschaft eine öffentliche Veranstaltung zur Nutzung des Geländes statt, eine wirkliche Diskussion fand jedoch nicht statt.

Das Cit-Collective setzt sich für eine Nach-Nutzung des Geländes ein, die nicht Profitinteressen unterworfen wird sondern den Bedürfnissen der Stadtbewohner_innen entspricht.

Aus einer Presseaussendung des Cit-Collective vom 11. Oktober 2012:

„So nicht: Das leerstehende städtische Wiener Gaswerk Leopoldau soll durch eine Verwertungsgesellschaft meistbietend verscherbelt werden!

Wir denken, dass das freigewordene Areal mit wunderschönen Jugenstilgebäuden aus den 1910er Jahren der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden soll, anstatt es der Immobilienspekulation auszuliefern. Nachdem das Areal über Jahre ungenutzt war und einem teilweisen Verfall preisgegeben wurde, wird es nun plötzlich in einem sehr fragwürdigen Eilverfahren an Planungsbüros zur ‘Entwicklung’ und Verwertungsvorbereitung weitergeben. Dieses Eilverfahren endet nach nur drei Wochen am 15. Oktober (kommenden Montag). Zur Einreichung zugelassen sind dabei nur staatlich geprüfte Ziviltechniker_innen mit Kammermitgliedschaft.

Diese strategisch gesetzte Zugangsbeschränkung widerspricht nicht nur sehr augenscheinlich der angeblichen ‘Offenheit’ dieser ersten Planungsphase, sondern stampft auch gleichzeitig den vollmundigen Anspruch eines generell ‘kooperativen’ Planungsprozesses in den Boden.

Es ist wie immer: Die Stadt hat durch äußerst eng gesteckte Rahmenbedingungen jedwede mögliche kreative Teilhabe durch die Bevölkerung an der Ideenfindung im Keim erstickt. Diese Situation muss verhindert werden! Es kann nicht sein, dass ein historisches und einzigartiges Objekt in der Größe eines ganzen Stadtteiles (23,5 ha) in einem üblichen Schnellverfahren ohne die breite Beteiligung der Bevölkerung einer neuen Nutzung zugeführt wird. Deswegen fordert das CIT-Collective:

1) Stoppt die derzeitige Einreichfrist für die erste Phase des Planungsverfahrens! – Ideen, Diskussion und echte Teilhabe brauchen viel Zeit!

2) Öffnet den Zugang für alle Interessensgruppen und Individuen – auch ohne explizit ziviltechnische Ausbildung! – Echte Partizipation sortiert nicht aus, sondern bindet unterschiedliche Positionen ein!

3) Veröffentlicht umgehend die bisher unter Verschluss gehaltenen aktuellsten Kontaminations-Berichte über das Gaswerk Leopoldau! Denn die dortige Schadstoffbelastung des Bodens stellt nachweislich noch immer eine weitreichende Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung dar! – Offene Prozesse geben Informationen frei, statt sie zu verstecken!“

—-

Also: kommt zur Stadterforschung zum Gaswerk Leopoldau am 01.06.2013. Ein interessantes Gelände, sicher einen Besuch wert.

Stadterforschungen in Wien und darüber hinaus sollen zur Selbstaneignung von (Stadt-)Geschichte dienen, zur Entwicklung eines kritischen Blicks auf Stadt(-entwicklungen, -planungen) beitragen. Aus verschiedenen Gründen interessante Orte gibt es ja genug. Also: bei Interesse kommen, und wenn wer was über die jeweiligen Orte weiß einfach erzählen.
Kontakt: stadterforschung (at) gmx.at

Recht auf Stadt!

links:

Cit-Collective: http://citcollective.wordpress.com/

Stadterforschungen: http://no-racism.net/thema/113/

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Für alle, die sich für Themen wie Gentrifizierung, Immobilienkrise und Stadtentwicklung interessieren strahlt ARTE am Donnerstag, 30.5. um 23:30 eine interessante Doku aus. Die Beschreibung von “Betongold – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam” liest sich wie folgt:

Das Haus in Berlin-Mitte, in dem Regisseurin Katrin Rothe lebt, bekommt wechselt eines Tages den Besitzer. Dieser Investor erscheint zunehmend als übermächtiger Feind, dem die Mieter hilflos gegenüber stehen – trotz ihrer Mietverträge. Eine Dokumentation über den europäischen Immobilienboom, Angst und die Unsicherheit der Betroffenen.

Vor sechs Jahren wurde die globale Finanzkrise durch amerikanische Immobilienkrediten ausgelöst. Jetzt droht die nächste Immobilienblase: In Europa investieren Anleger nicht mehr in Aktienfonds, sondern in sogenanntes Beton-Gold. Vor allem in den Großstädten ist die Nachfrage riesig, die Quadratmeterpreise für Wohnraum explodieren. Wenn ein Haus in die Hände eines Investors fällt, heißt das für die Mieter Angst und Unsicherheit. Im Briefkasten landen Abmahnungen, Kündigungen, Räumungsklagen. Nur ohne die Altmieter lassen sich aus den Wohnungen lukrative Anlageobjekte machen. Zwar schützt das deutsche Recht die Mieter, aber das wird in der Realität immer weiter ausgehöhlt. Auch das Haus in Berlin-Mitte, in dem die Regisseurin Katrin Rothe lebt, bekommt eines Tages einen neuen Besitzer. Es ist ein Investor, spezialisiert auf “einzigartige Wohnungsbauten in Toplagen” und “Wohnhäuser mit Entwicklungspotenzial”. Bei ihren Recherchen stößt sie auf Firmen, die mit dubiosen Mitteln arbeiten. Es ist eine neue Welt, mit der sie da konfrontiert wird. Der Investor erscheint zunehmend als übermächtiger Feind, dem die einzelnen Mieter hilflos gegenüber stehen – trotz gültiger Mietverträge. Der Dokumentarfilm erzählt emotional und berührend die Geschichte einer Hausgemeinschaft, die plötzlich in den Strudel des Immobilienhypes gerät. Mit ihrer Kamera hält die Ich-Erzählerin den monatelangen Kampf der Mieter gegen Einschüchterungen und Schikanen fest. Was sie nicht filmen darf, zeichnet sie. Bei den Besichtigungsterminen unterscheiden sich die Kaufinteressenten kaum von den bisherigen Mietern. Auch sie gehören zur Mittelschicht, auch sie sind Getriebene der Finanzkrise, auch sie versuchen nur, ihr Geld existenzsichernd anzulegen. Für Solidarität mit den Mietern bleibt da kein Platz. Die Filmemacherin thematisiert den schleichenden städtischen Umbau der Eigentumsverhältnisse und zeigt dabei auch die innere Zerrissenheit der Betroffenen, denen – wenn sie nur schnellstmöglich ausziehen – immer höhere Abfindungen angeboten werden. Doch was tun mit all dem Geld? Eine Wohnung anzahlen, Schulden machen? Selbst in Beton-Gold investieren? (ARTE.tv)

 

 

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Heute war es also soweit. Es gab den ersten BürgerInnendialog  zum neuen Stadtentwicklungsplan in Wien. Eine Veranstaltung der Stadt Wien, unter Federführung von Maria Vassilakou, in dem BürgerInnen aktiv an der Gestaltung des STEP 2025 teilnehmen sollen. Gelebte Demokratie, also. Zumindest auf dem Papier. Aber dazu später ein bisschen mehr. Hier erst einmal ein paar generelle – persönliche – Eindrücke der Veranstaltung.

Die Location

Statt findet der Dialog “Wien wohin? Stadt entwickeln” im Wiener Odeon. Als ich reinkomme ist der Saal gesteckt voll. Später erfahre ich, dass es mehr als 350 Leute sind, die gekommen sind. Sitzplätze gibt es keine mehr. Die Moderatorin weist freundlich darauf hin, dass man sich auch vorne auf den Boden oder auf die Sessel hinter ihr auf der Bühne setzen kann – macht keiner. Nach kurzem Begrüßungsstatement der Vizebürgermeisterin, gefüllt mit grünen Wahlkampfforderungen wie etwa leistbarem Wohnraum, einer autofreien Stadt und – keine Überraschung – BürgerInnenbeteiligung, wird kurz das Format erklärt. Und dann kann es schon los gehen. Erster Programmpunkt: ExpertInneninputs.

Die Inputs

Die vier Inputs sind angelegt auf jeweils sieben Minuten. Halten daran werden sich schlussendlich nur zwei der vier RednerInnen. Drei der vier Inputs bleiben reichlich allgemein, einer wird sehr – wohl fast zu – spezifisch. Die drei allgemeinen drehen sich um die “soziale Dimension der Stadt” (es sollte schlussendlich lediglich um eine kurze Erläuterung von demographischen und segregationsbezogenen Trends in Wien gehen), um Freiraum (ein akademisch angehauchter Input über den Zusammenhang von gesellschaftlichen Werten und Freiräumen), und schließlich um irgendetwas mit Nachverdichtung, Grünraum, Asphalt und Hochhäusern – es bleibt mir bis zum Schluss unklar. Der vierte Beitrag schließlich – der etwas zu spezielle – behandelt den Zusammenhang von Architektur und Bildung. Da war wohl noch ein Vortrag in der Schublade…

Schön ist zu hören, dass – wenn auch zaghaft – ein paar kritische Töne anklingen. Einmal fällt sogar das Wort Gerechtigkeit. Die Rednerin druckst ein bisschen herum und entschuldigt sich fast es aufs Tapet zu bringen. Sie meint, dass sie sich jetzt einfach traue dieses große Wort auszusprechen. Sie erwähnt kurz die Frage nach Verlierern in der Stadtentwicklung. Mir kommt es fast kritisch vor. Ist ja durchaus was besonderes bei Veranstaltungen der Stadt Wien zum Thema Stadtentwicklung was Kritisches von offiziellen RednerInnen zu hören. Bei einer der letzten Veranstaltungen, die das Europaforum für die Stadt organisierte – Visionen fürs Wohnen oder so – musste ich sehr grinsen diesbezüglich. Da war der Herr Wurm eingeladen, der Sprecher der gemeinnützigen Bauträger. Alle RednerInnen sollten nur 4-5 Minuten reden. Herr Wurm wollte seine kurze Präsentation ein bisschen rechtfertigen, weil er doch viel auslassen würde. Er meinte, er habe, ganz nach den Vorgaben der VeranstalterInnen alles kritische aus der Präsentation rausgelassen. Hihi. Ein Schelm. Alles verraten. Heute hat eine Gerechtigkeit gesagt. Aber da waren wir schon. Nächster Programmpunkt: der BürgerInnendialog.

Der BürgerInnendialog 1

Nach den Inputs geht der Dialog so richtig los. Es soll abgestimmt werden mit elektronischen Geräten aus dem Publikum. Die Fragen werden vorne eingeblendet. Nicht alle haben Geräte. Ich auch nicht. Der Moderatorin versucht ein bisschen zu witzeln um zu überspielen, dass anscheinend viele garnicht mitstimmen können. Fragen gibts dann drei. Nachverdichtung oder Bauen auf der grünen Wiese? Ist Wachstum gut für die Lebensqualität oder nicht? Und dann mein Highlight: Soll die Stadt Wien in den nächsten Jahren massiv in Bildungs, Freizeit- und Sozialinfrastruktur investieren? Ich fühl mich ein bisschen wie bei der Volksbefragung. Ein wenig suggestiv die Frage. Die Moderatorin merkts auch. Lacht ein bisschen. Die Leute murmeln. Ein paar lachen. Aber es wird abgestimmt. Das Ergebnis ist uninteressant. Wie auch die Fragen. Neben mir sitzen ein paar jüngere Leute, die auch lachen. Weiter gehts. Nächster Programmpunkt: der BürgerInnendialog 2.

Der BürgerInnendialog 2

Jetzt gibt es zwei Fragerunden vom Publikum an die ExpertInnen. Immerhin. Bei der Wohnvisionveranstaltung waren Fragen explizit untersagt – “nicht Teil des Formats”. Es sollen aber trotzdem Fragen bleiben, keine Statements. “Keine Referate”, warnt die Moderatorin.

Die Fragerunde kommt langsam in Gang. Es dreht sich ein bissl was um einen BürgerInnenrat – wohl ein anderes Beteiligungsgremium von dem ein paar Leute da sind. Dann ein bissl was zu Widmungen und fehlender Beteiligung bei Projekten “auf der Wiesen”. Die Thematik ist total breit. So auch die Fragen. Der junge Mann neben mir rutscht herum. Er will unbedingt was sagen. Berät sich kurz mit seinem Nachbarn. “Sollen wir?”. “Ja, sicher.” Es wird noch ein bisschen dauern bis er was sagen kann. Je länger die Fragerunde dauert, desto kritischer werden die Meldungen. Am meisten Applaus bekommt ein Mann, der auf die Dummheit der gestellten Abstimmungsfragen hinweist. “Bitte intelligente Fragen”. Dann die etwas kritischeren Wortmeldungen: Versiegelung von Flächen, Verdrängung aus Gründerzeitvierteln, und mein Nachbar mit einer Frage zu Freiflächen für Landwirtschaftsinitiativen. Ein Herr, der ansetzt eine – fast schon radikale – Frage nach der Arbeitslosigkeit anzusprechen wird unterbrochen von der Moderatorin. “Ihre Minute ist um”. Dann die Antworten der ExpertInnen.

 Der Bürgerinnendialog 3

Die Antworten der ExpertInnen – die vier RednerInnen plus Vassilakou – sind kurz. Sie haben nicht viel Zeit. Der zweite Moderator – irgendein ORF Typ – verkennt ein bisschen seine Rolle und urteilt welche Fragen er zulässt, weil er sie als stadtentwicklungsrelevant befindet. Die Frage wie die Stadt Arbeitsplätze sicher kann? “Wohl kein Einfluss der Stadt – halte ich deshalb für irrelevant”. Total fehl am Platz.

Dann wird die Rednerin mit der Gerechtigkeit aufgefordert was zum Thema Verdrängung zu sagen. Sie entschuldigt sich nochmal fast ein bisschen, dass sie es genannt hat. Meint aber es ist schon wichtig. Aber vielleicht nicht Gerechtigkeit als Ziel. Vielleicht eher die Verhinderung von Ungerechtigkeit. Hmm. Das würde dann wohl wirklich jeder unterschreiben. Wer ist denn für Ungerechtigkeit bitte?

Dann soll die Vizebürgermeisterin zusammenfassen was sie mitgenommen hat. Das ganze soll ja einfließen in die Verfassung des Stadtentwicklungsplans – so die Zielvorgabe am Anfang des Abends. Die Abstimmungsfragen nimmt sie eher nicht mit. Sie entschuldigt sich ein bisschen für die suggestive Frage mit den öffentlichen Investments. “Finde ich auch ein bisschen komisch”. Das find ich jetzt aber irgendwie komisch. Ist doch ihre Veranstaltung? Wieso findet sie die Fragen komisch? Naja. Sie fasst zusammen. Witzig. Sie nimmt genau das mit, was sie am Anfang schon gesagt hat. Leistbares Wohen, BürgerInnenbeteiligung… und sie betont, dass BürgerInnenbeteiligung schwierig ist. Danke. Sollte man reinschreiben in den STEP.

Das Highlight

Das Highlight kommt aber vor Vassilakous Schlussrede. Der “Dialog”, der ja nie ein Dialog war, weil niemand aus dem Publikum der eine Frage gestellt hat auf die Antwort reagieren konnte, ist zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei. Es sind keine Fragen mehr aus dem Publikum zugelassen. Dann tritt kurz der “technische Direktor” der Stadtplanung auf. Herr Madreiter. Stellt sich vor als der Chef der Gruppe Planung in der Baudirektion. Vorher hat gerade die Rednerin mit der Gerechtigkeit die Ungerechtigkeitssache gesagt.

Was nimmt der Herr Madreiter mit? Ich bin gespannt. Er ist direkt. Sagt was Sache ist. Finde ich gut. Gerechtigkeit? Ja, das denken sie natürlich schon mit in der Stadt. Wir wollen, dass es gerecht zu geht. Und dann: Wissen sie, meint er, sie müssen schon sehen, dass eine Standortpolitik schlussendlich wichtig ist. Es ist im Interesse aller, dass jeder Standort der bestmöglichen Nutzung zugeführt wird. Die Standorte mit der besten Ausstattung sollen bestmögich genutzt werden.

Die Sache mit von Thünen

Ha, jetzt ist es also raus. Mir fällt ein Artikel zu Gentrifizierung ein. Von Tom Slater. So ein britischer Geograph. Kritischer Typ. Echt jetzt. Der Artikel heißt: Why I want the von Thünen model to become not true. Von Thünen hatte dieses neoklassiche Ringmodell von Städten entworfen. Innen die teuersten Nutzungen, nach außen hin abfallend. Die politische Implikation? Organisieren wir die Stadt danach, dass die beste Nutzung in der Innenstadt ist, wohnen die Armen am Rand, die Reichen in der Stadt. Klar, die Reichen können ja mehr zahlen. Eine bessere Nutzung ist das Luxuspenthaus als der Gemeindebau. Deswegen meint Slater he wants the model not to become true. Me neither. Madreiter wohl schon.

Der Typ neben mir lacht. Vassilakou will eine abschließende Abstimmungsfrage. Sie wills ohne Abstimmungsgerät. Mit aufzeigen. Wollen sie eine Innenstadt ohne Autos? Die Leute stimmen in der Tat ab. Einer aus dem Publikum schreit, dass die Frage  intelligent ist. Vassilakou ist zufrieden. Ich gehe.

7 comments
  1. roman says: 23.05.201301.35

    Wie es aussieht wenn man Thünen mit zunehmender Ungleicheit mischt kann man wohl in Schweden beobachten:

    http://www.taz.de/Brennende-Autos-in-Stockholm/!116665/

  2. UrbaniZm says: 23.05.201301.41

    roman said:

    Wie es aussieht wenn man Thünen mit zunehmender Ungleicheit mischt kann man wohl in Schweden beobachten:

    http://www.taz.de/Brennende-Autos-in-Stockholm/!116665/

    at 01.35 on 23.05.2013
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  3. Christoph says: 24.05.201310.53

    Lieber Justin, ich war auch dort und kann dir weitgehend zustimmen. Die Standortaussage von Madreiter hab ich allerdings so in Erinnerung, dass er sich konkret und ausschlie

  4. UrbaniZm says: 24.05.201311.11

    Christoph said:

    Lieber Justin, ich war auch dort und kann dir weitgehend zustimmen. Die Standortaussage von Madreiter hab ich allerdings so in Erinnerung, dass er sich konkret und ausschlie

    at 10.53 on 24.05.2013
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  5. justin says: 24.05.201311.24

    Lieber Christoph. Der comment ist leider nicht ganz angekommen – könntest du ihn nochmal senden?

  6. UrbaniZm says: 24.05.201311.41

    justin said:

    Lieber Christoph. Der comment ist leider nicht ganz angekommen – könntest du ihn nochmal senden?

    at 11.24 on 24.05.2013
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  7. […] 2010 zeigt es sich auch verstärkt am Wiener Mietwohnungsmarkt. (Auf diesem Blog gab es übrigens HIER bereits eine Kritik des von Thünen Modells als planerisches Leitbild für die Wiener […]

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Samstag, 20. April 2013, Treffpunkt 12.30 Uhr beim Fluc/ Praterstern, 1020 Wien.
Stadterforschung per Fahrrad in den 22. Bezirk, Stadtentwicklungsgebiet Aspern “Seestadt” und Wagenplatz Gänseblümchen.

Weil alles am Weg liegt wird die Route der Stadterforschung (mit Fahrrad) ausgehend vom Praterstern vorbei an der Baustelle der neuen Wirtschaftsuniversität Wien, zum Viertel Zwei, vorbei am Sportclub Hakoah und der ÖGB-Zentrale, über die Praterbrücke und entlang der U2 in Stadlau führen.

Der Wagenplatz Gänseblümchen

Dem Wagenplatz Gänseblümchen wurde im Juli 2012 ein Grundstück in der “Seestadt” Aspern in Aussicht gestellt, dann aber doch verweigert. Die Seestadt argumentierte mit zu wenig Platz und Sicherheitsproblemen. Nach einem Monat Demonstration am Straßenrand und kritischer Nachfrage von einigen Medien, wurde dem Wagenplatz für zwei Monate (August bis September 2012) eine kleine Fläche zur Verfügung gestellt. Diese Zeit sollte genutzt werden um in Kooperation mit der Stadt eine längerfristige Lösung für den Wagenplatz zu finden.

Daraus wurde schlussendlich nichts und die Gruppe musste zurück auf die Straße (Oktober bis Dezember 2012) um von dort wieder auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Nach zähen Verhandlungen und weiteren Anfragen verschiedener Medien wurde erneut kurzfristig die Überwinterung in der Seestadt ermöglicht. In Gesprächen hieß es anfänglich sogar, dass eine längerfristige Lösung in der Seestadt ermöglicht werden könnte.

Am 05. April 2013 musste der Wagenplatz nun erneut seinen Standort wechseln. Aus der Presseaussendung:

“Ganz offensichtlich sind Menschen, die in Wagen leben, in Österreich und insbesondere in Wien immer noch nicht wünschenswert.

Für die Entwicklungsgesellschaften ist der Wagenplatz eine Gefahr, das Bild einer sauberen und modernen Stadt zu stören. Dabei wird das Top-Down-Planungskonzept auch von vielen Fachleuten als zu steril kritisiert. Bottom-Up organisierte Inseln, wie der Wagenplatz Gänseblümchen, wären ideal um auch natürliche Stadtentwicklungsprozesse anzustoßen.

Hier will eine private Gesellschaft, die 3420 Aspern Development AG, beim Stadtbauen lieber ungestört bleiben: Rechtlich seien sie den Gänseblümchen gegenüber zu nichts verpflichtet, heißt es. Die private Besitzerin, die Wirtschaftsagentur Wien, brauche keine Argumente. Wer trotzdem welche hören möchte bekommt zu hören ‘Hier ist kein Platz’ oder ‘Es ist viel zu gefährlich’.

Dabei präsentiert sich hier ein ganz anderes Bild: Freie Flächen gibt es in der Seestadt ohne Ende, das Entwicklungsgebiet umfasst 240 Hektar Acker, von dem derzeit nur ein kleiner Anteil bebaut wird. Die Seestadt versucht sich daher als offenes und partizipatives Projekt darzustellen, um die Aufmerksamkeit und Akzeptanz der Wiener Seele zu erreichen. Wer an dieser Entwicklung aktiv mitmischen will, wird aber vor die Tür gesetzt.

‘Von allen Seiten bekommen wir zu hören wie schade es sei, dass wir es bei der Platzsuche so schwer haben; doch was nützt uns Sympathie und Nettigkeit wenn uns die Verantwortlichen immer wieder auf die Straße setzen?’ so eine Bewohnerin des Platzes.

Wir fordern die Seestadt Aspern auf ihrer Verantwortung als größtes Stadtentwicklungsprojekt nachzukommen, den Wagenplatz Gänseblümchen auf ihrem 240 ha Grundstück zu belassen und damit selbst organisierten Strukturen die Möglichkeit zu geben aktiv an der Stadtentwicklung teilzunehmen.”

Die “Seestadt” Aspern

2008 wurde das Stadtentwicklungsgebiet Flugfeld Aspern “gebrandet” und heißt nun “Die Seestadt”. Ein neuer “lebenswerter, attraktiver, multifunktionaler, moderner, innovativer Stadtteil mit überregionaler Bedeutung” soll dort in den nächsten Jahren entstehen. Die Linie U2 wird im Oktober 2013 dorthin verlängert, ein innovatives Konzept für die Stadterweiterung Wiens soll umgesetzt werden. Mittlerweile versucht die “Wien 3420 Aspern Development AG” über diverse Veranstaltungen symbolisches und kulturelles Kapital auf die Brache zu holen. Damit soll bezweckt werden, keinen leblosen Stadtteil am Rand von Wien zu schaffen, sondern Menschen von Beginn an in die Entwicklung und Gestaltung einzubeziehen. Ob das gelingen wird, wird sich zeigen.

Viel ist vom neuen Stadtteil bis jetzt nicht zu sehen. Ein Infopoint in Form eines Containerdorfes und das sogenannte Flederhaus stehen am ehemaligen Flugfeld und sollen die Bürger_innen über die geplanten Baumaßnahmen informieren. Die U2-Endstation ist beinahe fertig, der zur “Seestadt” gehörende namensgebende künstliche See spiegelt ruhig vor sich hin. Als erstes Gebäude wurde im Oktober 2012 das Technologiezentrum “Aspern IQ” eröffnet. Ansonsten: eine weite, freie Fläche, auf der noch die Reste des früheren Flughafen Aspern zu erkennen sind. Aber doch ein interessanter Ort, wenn man bedenkt, welche stadtplanerischen, verkehrstechnischen, umweltpolitischen und sozialen Folgen dieses Projekt haben wird.

Zur Geschichte von Aspern:

In Aspern wurde nach österreichischer Geschichtsschreibung dem Heer Napoleons im Mai 1809 die erste Niederlage zugefügt, in französischer Geschichtsschreibung wird dieser vermeintliche österreichische Sieg jedoch negiert. Zeug_innen dieser Schlacht sind heute noch der “Löwe von Aspern”, ein Steinmonument am Asperner “Siegesplatz”, unweit des Asperner “Heldenplatzes”.

Der Flughafen Aspern wurde 1912 eröffnet und war zu dieser Zeit der größte und modernste Europas. Im II. Weltkrieg war das Flugfeld Aspern Luftwaffenstützpunkt für die Nazi-Flieger. 1945 wurde der Flugplatz von der Roten Armee besetzt und die sowjetische Kommandatur in Aspern eingerichtet. In den 60er und 70er Jahren wurde das Flugfeld auch als Autorennplatz benutzt. 1977 wurde der Flughafen Aspern aufgelassen da Schwechat wichtiger wurde. Seit 1982 befindet sich dort das Werk von General Motors Austria.

Im Südosten des ehemaligen Flugfeldes befindet sich der sogenannte Holocaust-Gedächtniswald. 1987 wurde dort zum Gedenken an die während der Nazi-Diktatur ermordeten jüdischen Wienerinnen und Wiener für jedes Opfer ein Baum gepflanzt.

In Aspern befand sich von September 1944 bis April 1945 ein Zwangsarbeitslager für ungarische Jüd_innen. Es ist jedoch bis heute nicht klar, wo genau sich dieses Lager befand.

Stadterforschungen in Wien und darüber hinaus sollen zur Selbstaneignung von (Stadt-)Geschichte dienen, zur Entwicklung eines kritischen Blicks auf Stadt(-entwicklungen, -planungen) beitragen. Aus verschiedenen Gründen interessante Orte gibt es ja genug. Also: bei Interesse kommen, und wenn wer was über die jeweiligen Orte weiß einfach erzählen.
Kontakt: stadterforschung (at) gmx.at

links:
Wagenplatz Gänseblümchen: http://gaensebluemchen.wagenplatz.at
Stadterforschungen: http://no-racism.net/thema/113/

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Wer Informationen über Wohnen in Wien aus erster Hand der Entscheidungsträger erhalten will, hat heute die Möglichkeit u.a. Stadtrat Michael Ludwig in einem Speeddating in der GB*3/11 zu treffen. Die Einladung liest sich wie folgt:

Technische Neuerungen wie Niedrigenergie- und Passivbauweise, der Wunsch nach Mitbestimmung beim Bau, die Nachfrage nach Wohnungen, die sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen adaptieren lassen, gemeinschaftliche Wohnformen, die Entwicklung von neuen Stadtteilen in teils dicht bebautem Stadtgebiet sind nur einige Aspekte, die das Wohnen in Zukunft prägen werden. Im Rahmen eines Speed-Datings beantworten Expertinnen und Experten aus Politik, Planung, Verwaltung und Forschung Fragen zum Thema.

In jeweils 5-minütigen 4-Augen-Gesprächen haben die BesucherInnen so Gelegenheit, mit verschiedenen ExpertInnen zu sprechen.

Also, für alle, die noch keinen Diskussionspartner über Wohnthemen für heute Nachmittag gefunden haben – auf nach Erdberg, Fiakerplatz 1, 1030 Wien. Folgende ExpertInnen bitten zum Dating:

Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat – Kostengünstiges Wohnen
Rudolf Zabrana, Stv. Bezirksvorsteher Landstraße – Entwicklungen im Bezirk
Katharina Bayer, EINSZUEINS Architektur – Baugruppen
Ingrid Farag – Frauenwohnprojekt ro*sa KalYpso
Christiane Feuerstein, Architektin – Generationen-Wohnen
Georg Kogler, trans_city – Smart Wohnen
Maja Lorbek, TU Wien, Abteilung für Wohnbau –Trends im Wohnbau
Gabriele Aigner-Tax, Wohnservice Wien – Wohnberatung und Wohnungsvergabe
Christoph Reinprecht, Universität Wien, Institut für Soziologie – Zukunft des sozialen Wohnbaus
Rudolf Szedenik, s+s Architekten – Passivhaus

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Das IFK veranstaltet in Kooperation mit dem Department für Kulur- und Sozialanthropologie der Universität Wien eine Konferenz zum Thema Krise, Verdrängung, Städte und Migranten. In der Ankündigung heißt es:

The conference will address questions of diversity (including, but not limited to, cultural diversity), as well as social and spatial displacements (including processes of gentrification) that mark contemporary urban life in a variety of cities.

Genauere Informationen gibt es hier, das genaue Programm findet sich hier.

Die Veranstaltung wird auf Englisch abgehalten.

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Immer mehr sind nunmehr historische Bilder von Städten öffentlich zugänglich. Spannend sind dabei vor allem auch Luftbilder, an denen sich die Entwicklung von Stadtteilen nachverfolgen lässt.

Die Wiener Stadtvermessung besitzt zahlreiche historische Aufnahmen. Seit einiger Zeit sind für drei Zeitpunkte Luftbilder im Geodatenviewer der MA41 öffentlich zugänglich. Der erste Satz ist von 1938 und weist einige “überklebte” Stellen auf. Laut Auskunft der Stadtvermessung ist der Satz im Oktober bis November 1938 entstanden. 1939 wurden die Luftaufnahmen vom Reichsluftfahrtministerium als geheimer Gegenstand gekennzeichnet. Dabei dürften in einigen Bereichen Abdeckungen vorgenommen worden sein. Wie es zur Auswahl der Abdeckungen kam ist aber nicht bekannt.

Der nächste Datensatz ist von 1956, danach gibt es noch einen Satz von 2011 und man kann auf die aktuelle Stadtkarte Wien umschalten. Das Umschalten an einzelnen Orten zeigt sehr klar die oft umfassenden Umbrüche im Laufe der letzten 75 Jahre.

Ähnliche Zeitreihen finden sich auch in Google Earth. Dort kann man im Menü die Option “Historische Bilder” aktivieren und dann die verschiedenen Zeiten wählen. In Wien gibt es da seit 2003 zu 10 Zeitpunkten Bilder – die Reise geht also weniger in die ferne als in die Details der nahen Vergangenheit.

Zu alten Wien-Fotos in gibt es einen ganz netten Blog auf http://wearevintagevienna.tumblr.com/.

1 comment
  1. @wientagebuch says: 29.03.201316.08

    Praterstern 1938 – Praterstern 1956 – Praterstern 2011: http://t.co/ENismUQBKf #Wien

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Die Abteilung Kommunalpolitik der AK Wien veranstaltet eine Tagung zum Thema “BürgerInnenbeteiligung in der Stadt – Zwischen Demokratie und Ausgrenzung?”.

Das Programm ist eine Reihe von Vorträgen mit abschließender Podiumsdiskussion. Zu Wien sprechen etwa Hans Emrich über “Agenda 21 in Wien – Mitgestaltung nur für BesserverdienerInnen?” und Andrea Breitfuss über “Die Gebietsbetreuung Wien – Programm für schwer erreichbare Gruppen?”. Für den internationalen wissenschaftlichen Rahmen sorgen Norbert Kersting von der Universität Münster, Johanna Klatt vom Göttinger Institut für Demokratieforschung und Rolf Prigge von der Universität Bremen.

Anmeldung bis 2.4. unter stadt@akwien.at erbeten.

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Eine Replik auf Planungsstadträtin Maria Vassilakous Kommentar im Standard vom 11.3.2013

Seit Dienstag ist es also offiziell vom Tisch. Keine olympischen Spiele in Wien – zumindest vorerst. Bis die nächste Populismuswelle über uns drüber schwappt und wir vielleicht über Winterspiele abstimmen dürfen. Eines ist allerdings von der kurzen, jedoch intensiven Debatte der letzten Wochen geblieben: ein unangenehmer Beigeschmack in Bezug auf die Wiener Planungskultur. Denn es hat sich gezeigt: wenn wir über olympische Spiele diskutieren, diskutieren wir stets darüber, ob die Planung dafür gerüstet ist. Wieso aber war Olympia in Wien nur eine Frage der Machbarkeit? Wäre es nicht notwendiger gewesen, sich der grundlegenden Frage nach den stadtpolitischen Zielen eines solchen Großevents zu stellen?

Planungsstadträtin Maria Vassilakou, zuletzt brennende Befürworterin der Spiele, versucht sich in ihrem Standard-Kommentar der Frage nach den politischen und planerischen Zielen zu stellen. Was sie damit aber offenbart, ist der Besorgnis erregende Wunsch nach endgültiger Manifestierung einer Stadtpolitik, die sich in Wien schon seit den 90er Jahren breitzumachen begonnen hat.

Olympia als Instrument sozialer Stadtentwicklung?

Wien ist anders. Will man in planungspolitischen Debatten zur Stadt Gehör finden, kann man sich diesem Common Sense offenbar nicht entziehen. Und Vassilakou weiß offenbar sehr genau, was dieser Common Sense umfasst: von leistbarem Wohnraum über freien Bildungszugang, bis hin zur Donauinsel als Erholungsraum für alle – die Vizebürgermeisterin nennt sie alle, die sozialpolitischen Errungenschaften der Vergangenheit. Und schafft sich damit in ihrem Kommentar eine schwierige Ausgangsposition für eine Argumentation pro Olympia. Sind olympische Spiele in Wien also gleichbedeutend mit der Sicherung  dieser Hinterlassenschaften und Fortführung dieser Form der sozial orientierten Stadtpolitik? Die Planungsstadträtin lässt diesen Kurzschluss zu und nennt uns zugleich zwei hinterfragenswerte Gründe.

Sport statt Planung!

Vassilakou führt die Fußballeuropameisterschaft 2008 als Vorzeigebeispiel gelungener Stadtentwicklung auf Basis eines Sportevents an. Die EURO 08 hätte nicht nur dem Ausbau öffentlicher Verkehrsinfrastruktur gedient, sondern auch eine – wenn auch temporäre – Verkehrsberuhigung der Wiener Innenstadt gebracht. Während der U-Bahnbau durchaus als positiver Entwicklungsaspekt interpretiert werden kann, wurden gleichzeitig in mehreren Städten massiv öffentliche Gelder in den Ausbau teurer Sportstätten investiert – noch dazu ohne klares Konzept für deren Nachnutzung. Die Einzäunung der Wiener Innenstadt und ihr Umbau zur Fanzone mit Konsumzwang als temporäre Privatisierung und Ausgrenzung par excellence wird dabei gerne ausgespart.

Olympia für eine konsequente Planung?

Von verkehrlichen Belangen bis hin zu ästhetischen Maßnahmen – die Vorbereitung olympischer Spiele in Wien wird als willkommener Impuls für eine sonst, so scheint es, offenbar gelähmte Planung in Wien erachtet. Doch blickt man auf Vassilakous Stadtentwicklungswunschzettel, so gibt es für jeden Punkt bereits aktuelle Beispiele in Wien. Ausbau des öffentlichen Verkehrs? U1-Verlängerung. Neue Stadtteile mit großzügigem Grünraum? Seestadt Aspern. Aufwertung öffentlicher Räume und Plätze? Neugestaltung Schwedenplatz. Architektonische Wahrzeichen? DC Tower und neue Wirtschaftsuniversität Wien. Verkehrsberuhigung? Mariahilferstraße. Nun möge man von den Beispielen halten, was man will. Jedoch zeigen sie deutlich, dass olympische Spiele in planungspolitischer Hinsicht nicht die conditio sine qua non sind, als die sie hier und anderswo gerne dargestellt werden. Interessanterweise ist in diesem Sammelsurium an Verschönerungsmaßnahmen auch keine Rede mehr von den eingangs heraufbeschworenen sozialpolitischen Zielen.

Let’s go neoliberal!

In diesem Licht erscheint eine Olympiabewerbung statt als Fortführung Wiener Stadtentwicklung plötzlich als plumpes Instrument der Legitimation einer grundsätzlichen Neuausrichtung der Stadtpolitik. Olympia soll, so scheint es, als Motor einer Planung fungieren, in deren Zielsetzungen Sozialpolitik keinen Platz mehr hat. Vielmehr geht es um die Durchsetzung einer auf Profitmaximierung ausgerichteten Wachstumspolitik. Städte wie Barcelona oder London haben bereits gezeigt, wie olympische Spiele in den letzten zwanzig Jahren zu einem Instrument einer solchen unternehmerischen Politik geworden sind. Und sie haben die negativen Folgen einer solchen Politik verdeutlicht. Von umfassender Privatisierung und Überwachung des öffentlichen Raums, bis hin zum drastischen Anstieg von Wohnungsmieten und dem damit verbundenen Verdrängungsdruck armer Haushalte und Randgruppen reicht dabei das Spektrum umfassend belegter Beispiele.

Diese evidenten sozialen Problemlagen verschwinden allerdings in der Wiener Debatte hinter dem Nimbus globaler Sichtbarkeit aus dem Fokus der Diskussion und werden zu einer planerischen Mutprobe hochstilisiert. Nach dem Motto: „Olympia in Wien? Des traust di‘ nie!“

 

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