urbaniZm

Archive
Tag "Gentrification"

Wohnungen in Wien sind in den letzten Jahren zunehmend zu einem Investitionsobjekt geworden. In einer Stadt, in der Wohnen, viel stärker als anderswo, für lange Zeit als Recht gegolten und politisch verteidigt wurde, wird es zunehmend zur Ware – genützt, gebaut und verwendet zur Vermehrung von Kapital und Anlagegeldern.

Die Fotoserie “Wohnen als Ware in Wien” wirft einen Blick auf diese Veränderung. Sie dokumentiert kommodifizierten Wohnraum anhand von Abbildungen aus dem öffentlichen Raum. Die Fotos verdeutlichen die Relevanz von Wohnraum als Ware in Wien heute. Sie sind seit 2012 an verschiedenen Orten der Stadt aufgenommen wurden, meistens rasch mit dem Handy. Die Serie wird laufend erweitert.

1 comment
  1. […] Auch fehlt ein Hinweis auf die rasanten Veränderungen im privaten Mietwohnungsmarkt und die fortschreitende Gentrifizierung der Stadt, die zunehmend vorangetrieben wird durch institutionelle Investments. Wohnungen in Wien werden zunehmend zur Geldanlage für privates Kapital. Und das lässt die Wohnungspreise in die Höhe schnellen. Wer dazu lesen will klickt hier: KLICK. oder auch hier: KLICK. Oder hier: KLICK. Wer lieber eine Fotoserie dazu sehen will klickt hier: KLICK. […]

add comment...

Das Duden Online Wörterbuch definiert einen Mythos als “eine glorifizierende Überlieferung, überlieferte Dichtung oder Erzählung über eine Person, Sache, oder Begebenheit, die legendären Charakter hat”. Mir geht es in diesem Beitrag um  drei solche legendären Erzählungen zu einem Prozess in der gegenwärtigen Wiener Stadtentwicklung: der Gentrifizierung.

Die Wiener Debatte zu Gentrifizierung: wellenförmig aber stillstehend

Gentrifizierung, also die immobilienwirtschaftliche Inwertsetzung innenstadtnaher Wohnviertel, die zu einer Verdrängung sozioökonomisch schlechter gestellter Haushalte führt (vgl. Smith, 1996), ist in der Wiener stadtpolitischen Debatte kein Dauerthema. Nach einigen Jahren aufmerksamer Beobachtung würde ich den Diskussionsverlauf eher als wellenförmig beschreiben. Manchmal wird mehr darüber diskutiert, dann wieder weniger.

Ein bemerkenswert häufig wiederkehrendes Muster ist die Negierung des Prozesses von Seiten stadtpolitischer Eliten und einer Reihe wissenschaftlicher Hoheiten. Auf der Suche nach Gentrifizierung, so wird da zumeist behauptet, muss man anderswo hinschauen – etwa nach New York, London oder Berlin. In Wien hätte die traditionell umfassende öffentliche Intervention in den Wohnungsmarkt Gentrifizierung weitgehend unterbunden. Oder wie es ein TU Professor vor einigen Jahren in einem FALTER Interview knapp formulierte: “Gentrifizierung im eigentlichen Sinn gibt es in Wien nicht” (FALTER 2008). Im Bereich der Wissenschaft findet dieses pauschale Urteil auch klar seinen Ausdruck: relevante akademische Forschungsarbeiten stecken optimistisch betrachtet in den Kinderschuhen – pessimistisch betrachtet sind sie kaum vorhanden.

Das stadtpolitische Thematisieren von Gentrifizierung bleibt damit, neben einer rasant wachsenden Zahl an stadtaktivistischen Initiativen, vor allem den Medien und couragierten JournalistInnen vorbehalten. Die Berichterstattung konzentriert sich dann zumeist auf die Frage, ob Gentrifizierung in Wien denn überhaupt existiere – oder etwa nicht? Eine diesbezügliche Interviewanfrage, die mich vor ein paar Wochen erreicht hat, war auch ein Ansporn für diesen Blogpost. Was mich erstaunt hat war die weitgehende Ähnlichkeit der Fragen zu einem Interview vor gut drei Jahren (hier nachzulesen). Gibt es denn Gentrifizierung in Wien? Hat das die Wiener Wohnungspolitik nicht verhindert?

Meiner Einschätzung nach liegt der Grund für die Ähnlichkeit der zwei Interviews weniger an der fehlenden Vorbereitung der InterviewerInnen. Sie wirkten in beiden Fällen sehr gut informiert. Vielmehr scheint mir, dass sich die Gentrifizierungsdebatte in Wien in den letzten Jahren – trotz einer Reihe an Versuchen und “Wellen” in der Diskussion – kaum weiterentwickelt hat. Sie ist eher stillstehend verharrt.

„Hier gibt es keine Gentrifizierung“ im größeren Kontext betrachtet

Der Trend zur “Gentrifizierungsnegierung” von Seiten stadtpolitischer Eliten ist keinesfalls einzigartig für Wien. Im New York der 1970er Jahre, etwa, als interessierte BeobachterInnen Veränderungen in der Lower East Side und dem Greenwich Village als beginnende Gentrifizierung identizierten, folgte schnell Ablehnung von Seiten der Politik. Der Prozess, wie der schottische Geograph Neil Smith (1996) in seinem Buch ‘The New Urban Frontier’ eingehend beschreibt, wurde verneint und der Begriff zunehmend zum “dirty word” – ein als politische Propaganda diskreditiertes Konzept, inadäquat zur Analyse städtischer Veränderungen (Siehe dazu Smith 1996, vor allem Kapitel 2). Für Berlin beschreiben Holm und Bernt (2009) ein ähnliches Muster. Mit Ausweitung des Investitionsbooms im Berlin der 1990er Jahre und der zunehmenden wissenschaftlichen und öffentlichen Aufmerksamkeit für Gentrifizierung und Verdrängung, wurde das Phänomen von Seiten der politischen Eliten mehr und mehr abgelehnt. Im Gegensatz zu Orten wie New York (Sic!), so wurde da argumentiert, gäbe es in Berlin eine Reihe an Förderungen und Mietregulierungen, die Gentrifizierung unterbinden, ja nahezu unmöglich machen (siehe Holm & Bernt 2009, Seite 319 für eine ausführlichere Diskussion). Ein drittes Beispiel ist Schweden, wo die Anfänge der Gentrifizierungsforschung ebenfalls mit starkem politischen Misstrauen einhergingen, wie der Geograph Eric Clark kürzlich auf einer Konferenz berichtete. Gentrifizierung sei ein unbrauchbares Konzept für den schwedischen Kontext, wurde Clark hier entgegnet, da das sozial-demokratische Wohlfahrtssystem die kapitalistische Logik des Wohnungsmarkts soweit ausgehebelt hätte, dass Gentrifizierung keine wirkliche Relevanz hätte (siehe auch Clark, 2014).

Aus Sicht der stadtpolitischen Eliten ist diese abneigende Haltung nicht unverständlich. Gentrifizierung ist ein genuin kritisches Konzept, das gegenwärtige Formen der kapitalistischen Stadtentwicklung grundsätzlich hinterfragt. Es geht um Machtungleichheiten, etwa zwischen InvestorInnen und BewohnerInnen. Es geht um Fragen sozialer Ungleichheit, etwa in Bezug auf ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital. Und um die ganz fundamentale Frage, wer heute ein Recht auf Stadt besitzt. Gleichzeitig geht es aber auch um eine Kritik an einer neoliberalen Wohnungspolitik und dem Trend, dass der städtische Wohnungsmarkt zunehmend privaten Marktkräften überlassen wird – wodurch Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten durch das Ausschöpfen von Profitinteressen erst ermöglicht wird. Gentrifizierung ist damit auch ein Symptom einer Umstrukturierung der Wohnungspolitik, weg von De-kommodifizierung und hin zu einer unternehmerischen Politik, in der das Recht auf Wohnen zunehmend dem Recht auf Profit untergeordnet wird. Damit signalisiert und thematisiert Gentrifizierung auch ein Versagen der öffentlichen Wohnungspolitik. Read More

2 comments
  1. […] Kapital. Und das lässt die Wohnungspreise in die Höhe schnellen. Wer dazu lesen will klickt hier: KLICK. oder auch hier: KLICK. Oder hier: KLICK. Wer lieber eine Fotoserie dazu sehen will klickt hier: […]

  2. […] Drei populäre Mythen zu Gentrifizierung in Wien: http://urbanizm.net/4890279/drei-populare-mythen-zu-gentrifizierung-wien/ […]

add comment...

Steffen Jörg, Irene Bude und Olaf Sobczak haben einen Film über die Kämpfe um die Esso-Häuser gemacht:

Der Druck auf die europäischen Großstädte steigt: Alte Häuser werden aufgekauft, luxussaniert oder abgerissen und müssen hochpreisigen Neubauten weichen. Wo die Mieten steigen, profitieren Investor_innen und Eigentümer_innen zulasten der Bewohner_innen. Die Langzeitdokumentation buy buy st. pauli begleitet die Geschehnisse rund um die ESSO-Häuser – zwei Plattenbauten der 1960er auf der Hamburger Reeperbahn, deren Abriss seit 2009 in Planung ist. In zahlreichen Interviews nah an den Bewohner_innen dokumentiert der Film deren Kampf um ihre Wohnungen und steht damit stellvertretend für größere aktuelle stadtpolitische Auseinandersetzungen rund um ein Recht auf Stadt für alle.
http://www.thishumanworld.com/programm_detail.php?id=96

Über zwei Jahre haben Steffen Jörg, Irene Bude und Olaf Sobczak an ihrem Dokumentarfilm über den Abriss der Esso-Häuser gearbeitet[…]. Es ist ein sehr persönlicher Film über eine der wichtigsten stadtpolitischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre in Hamburg. Persönlich ist “Buy Buy St. Pauli” nicht nur, weil die ProduzentInnen selbst aus dem kreativen Protestumfeld kommen – in einigen Szenen sind sie sogar zu sehen. Persönlich ist der Film deshalb, weil er so nah an den BewohnerInnen der Häuser dran ist: Sie sind die eigentlichen ProtagonistInnen.
taz, 01.11.2014 – http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2014%2F11%2F01%2Fa0218

Danach Diskussion:
Kämpfe um das Recht auf Wohnen – Erfahrungen aus Hamburg und Wien
mit: Anna Hirschmann und Irene Bude oder Olaf Sobczak (Regie)
Moderation: Mara Verlic und Justin Kadi

Fr. 5. Dez. 2014 –  18.00
Brunnenpassage – Brunnengasse 71 – 1160 Wien

Eintritt frei!

Im Rahmen des Filmfestival this human world – http://www.thishumanworld.com

Buy Buy St. Pauli – http://www.buybuy-stpauli.de/

0 comments add comment...

Der folgende Beitrag von Gastautorin Sarah Kusché gibt einen kurzen Einblick in ein Forschungsprojekt zum Thema Gentrifizierung im Wiener Stuwerviertel. Das Projekt ist im Rahmen des Seminars „Gentrification“ im Sommersemester 2014 an der TU Wien durchgeführt worden.

Das Stuwerviertel ist im Umbruch. Ursprünglich bekannt für seine Rotlichtszene, wurde in den letzten Jahren vermehrt in Renovierungen und öffentliche Infrastruktur investiert. So entstanden einige neue U-Bahnstationen und auch die Wirtschaftsuniversität Wien im und um das Grätzel im 2. Wiener Gemeindebezirk.

Vor allem bei den Bewohnerinnen und Bewohnern riefen diese Veränderungen gemischte Gefühle hervor. Während manche diese Entwicklung als positiven Aufschwung für das Grätzel wahrgenommen haben, verbinden andere damit einen Identitätsverlust.

Um die Diversität an Meinungen zu erfassen und in den unterschiedlichen Perspektiven ein Muster zu erkennen, wurden zunächst informelle Gespräche mit Planenden der Gebietsbetreuung, Stadtforschenden, Gewerbetreibenden sowie Bewohnerinnen und Bewohnern geführt. In diesen Gesprächen vor Ort wurde klar, dass die strukturellen und materiellen Änderungen nicht nur direkten städtebaulichen und ökonomischen Einfluss haben. Das Image, die sozialen Strukturen und damit die Identität des Ortes und der Bevölkerung wurden von den Befragten als besonders stark beeinflusst wahrgenommen, wobei sich immer wieder die Frage stellte: sieht Gentrifizierung in Wien so aus? Und wer oder was sind tatsächlich die treibenden Kräfte hinter den Veränderungen?

Daraus resultierte das Vorhaben Idee Leitfadeninterviews aufzunehmen und dieselben bzw. weitere Personen zu interviewen (allerdings war es uns nicht möglich mit allen informell Befragten offizielle Interviews zu führen).

Das untenstehende Video wurde von Michael Masching, Sarah Kusché und Umut Baykan erstellt und soll die Veränderungen des Stuwerviertels und deren Einfluss auf die Bevölkerung vor Ort aus verschieden Perspektiven konzeptualisieren.

Sarah Kusché ist Studentin der Raumplanung und Raumordnung und engagiert sich für das bessere Verständnis von sozialer Benachteiligung durch ehrenamtliche Mitarbeit im Jugendzentrum „Sale für alle“ und Bildungsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen.

0 comments add comment...

Radio dérive hat sich dem Thema Gentrification in Wien gewidmet und letzten Dienstag eine Sendung zum Thema ausgestrahlt. Neben einem Studiogespräch mit Mara Verlic und Justin Kadi gibt es kurze Radioclips von Studierenden der TU Wien zu hören, die sich im Rahmen der Lehrveranstaltung “Gentrification – Key concepts and current debates” im letzten Semester  Gentrifizierungsprozessen rund um den Karmelitermarkt gewidmet haben.

Nachzuhören gibt es die Sendung hier: http://cba.fro.at/244612

Die Sendungsbeschreibung liest sich wie folgt:

Gentrifizierung: Unfair, aber normal? 
Int. Diskurse, Widerständigkeiten, politische Verantwortung

Gentrifizierung ist als Schlagwort im Zusammenhang mit städtischen Entwicklungen in aller Munde. Der wissenschaftliche Begriff zur Beschreibung von Aufwertung und Verdrängung ist in Folge der Etablierung der unternehmerischen Stadt wie auch im Zuge der Finanzkrise im allgemeinen Diskurs angekommen: Kein Artikel zu Wohnungsmarkt und Immobilienkrise ohne Gentrifizierungsbegriff.

Dabei herrscht international nach wie vor ein Ringen um die Bedeutungshoheit: Von der kritischen Stadtforschung eindeutig  als unerwünschtes und für die Entwicklung der Städte und ihre BewohnerInnen negatives Phänomen eingestuft, wird speziell im anglo-amerikanischen Raum versucht, Gentrifizierung positiv zu besetzen: Aufwertung als Glücksversprechen an die Stadt und ihre BewohnerInnen – oder zumindest an jene, die es sich leisten können.

Grundsätzlich befindet sich die kritische Gentrifizierungsforschung in einem Dauerdilemma: Sobald nachweisbar, ist es für die Stadtviertel bereits zu spät. Auch in Wien, wo von offizieller Seite beharrlich darauf verwiesen wird, dass die Uhren aufgrund der großen Wohnbautradition grundsätzlich anders ticken, fehlt es an substanziellem Datenmaterial, um wissenschaftlich fundierte Aussagen zu treffen. Doch die Zeichen häufen sich, dass sich auch in Wien immer weniger Menschen zentrale Wohnungslagen leisten können und Verdrängung schleichend stattfindet.

Radio dérive im Gespräch mit den StadtforscherInnen Mara Verlic und Justin Kadi von der TU Wien über internationale Gentrifizierungsdiskurse, Wiener Besonderheiten, neoliberale Wohnpolitik, Widerstand und politische Verantwortlichkeiten. (http://cba.fro.at/244612)

1 comment
  1. robert poth says: 03.09.201301.17

    Ich wohne seit fast 30 Jahren im Yppenviertel/Brunnenviertel, das ja auch seit Jahren “aufgewertet” wird. Meinem zunehmenden Ärger über die laufenden Prozesse und die Rahmenbedingungen (Wohnbau-/Wohnungspolitik etc.) habe ich mittlerweile versucht, in Form von Videos Luft zu machen. Das sind natürlich amateurhafte Hüftschüsse. Aber vielleicht führen sie dazu, dass diesbezüglich einmal etwas Gewichtigeres produziert wird. Die ersten beiden Videos (“going bobo”) gibt’s auf Youtube; bloß Yppenviertel” eingeben.

add comment...

Für alle, die sich für Themen wie Gentrifizierung, Immobilienkrise und Stadtentwicklung interessieren strahlt ARTE am Donnerstag, 30.5. um 23:30 eine interessante Doku aus. Die Beschreibung von “Betongold – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam” liest sich wie folgt:

Das Haus in Berlin-Mitte, in dem Regisseurin Katrin Rothe lebt, bekommt wechselt eines Tages den Besitzer. Dieser Investor erscheint zunehmend als übermächtiger Feind, dem die Mieter hilflos gegenüber stehen – trotz ihrer Mietverträge. Eine Dokumentation über den europäischen Immobilienboom, Angst und die Unsicherheit der Betroffenen.

Vor sechs Jahren wurde die globale Finanzkrise durch amerikanische Immobilienkrediten ausgelöst. Jetzt droht die nächste Immobilienblase: In Europa investieren Anleger nicht mehr in Aktienfonds, sondern in sogenanntes Beton-Gold. Vor allem in den Großstädten ist die Nachfrage riesig, die Quadratmeterpreise für Wohnraum explodieren. Wenn ein Haus in die Hände eines Investors fällt, heißt das für die Mieter Angst und Unsicherheit. Im Briefkasten landen Abmahnungen, Kündigungen, Räumungsklagen. Nur ohne die Altmieter lassen sich aus den Wohnungen lukrative Anlageobjekte machen. Zwar schützt das deutsche Recht die Mieter, aber das wird in der Realität immer weiter ausgehöhlt. Auch das Haus in Berlin-Mitte, in dem die Regisseurin Katrin Rothe lebt, bekommt eines Tages einen neuen Besitzer. Es ist ein Investor, spezialisiert auf “einzigartige Wohnungsbauten in Toplagen” und “Wohnhäuser mit Entwicklungspotenzial”. Bei ihren Recherchen stößt sie auf Firmen, die mit dubiosen Mitteln arbeiten. Es ist eine neue Welt, mit der sie da konfrontiert wird. Der Investor erscheint zunehmend als übermächtiger Feind, dem die einzelnen Mieter hilflos gegenüber stehen – trotz gültiger Mietverträge. Der Dokumentarfilm erzählt emotional und berührend die Geschichte einer Hausgemeinschaft, die plötzlich in den Strudel des Immobilienhypes gerät. Mit ihrer Kamera hält die Ich-Erzählerin den monatelangen Kampf der Mieter gegen Einschüchterungen und Schikanen fest. Was sie nicht filmen darf, zeichnet sie. Bei den Besichtigungsterminen unterscheiden sich die Kaufinteressenten kaum von den bisherigen Mietern. Auch sie gehören zur Mittelschicht, auch sie sind Getriebene der Finanzkrise, auch sie versuchen nur, ihr Geld existenzsichernd anzulegen. Für Solidarität mit den Mietern bleibt da kein Platz. Die Filmemacherin thematisiert den schleichenden städtischen Umbau der Eigentumsverhältnisse und zeigt dabei auch die innere Zerrissenheit der Betroffenen, denen – wenn sie nur schnellstmöglich ausziehen – immer höhere Abfindungen angeboten werden. Doch was tun mit all dem Geld? Eine Wohnung anzahlen, Schulden machen? Selbst in Beton-Gold investieren? (ARTE.tv)

 

 

0 comments add comment...

Heute war es also soweit. Es gab den ersten BürgerInnendialog  zum neuen Stadtentwicklungsplan in Wien. Eine Veranstaltung der Stadt Wien, unter Federführung von Maria Vassilakou, in dem BürgerInnen aktiv an der Gestaltung des STEP 2025 teilnehmen sollen. Gelebte Demokratie, also. Zumindest auf dem Papier. Aber dazu später ein bisschen mehr. Hier erst einmal ein paar generelle – persönliche – Eindrücke der Veranstaltung.

Die Location

Statt findet der Dialog “Wien wohin? Stadt entwickeln” im Wiener Odeon. Als ich reinkomme ist der Saal gesteckt voll. Später erfahre ich, dass es mehr als 350 Leute sind, die gekommen sind. Sitzplätze gibt es keine mehr. Die Moderatorin weist freundlich darauf hin, dass man sich auch vorne auf den Boden oder auf die Sessel hinter ihr auf der Bühne setzen kann – macht keiner. Nach kurzem Begrüßungsstatement der Vizebürgermeisterin, gefüllt mit grünen Wahlkampfforderungen wie etwa leistbarem Wohnraum, einer autofreien Stadt und – keine Überraschung – BürgerInnenbeteiligung, wird kurz das Format erklärt. Und dann kann es schon los gehen. Erster Programmpunkt: ExpertInneninputs.

Die Inputs

Die vier Inputs sind angelegt auf jeweils sieben Minuten. Halten daran werden sich schlussendlich nur zwei der vier RednerInnen. Drei der vier Inputs bleiben reichlich allgemein, einer wird sehr – wohl fast zu – spezifisch. Die drei allgemeinen drehen sich um die “soziale Dimension der Stadt” (es sollte schlussendlich lediglich um eine kurze Erläuterung von demographischen und segregationsbezogenen Trends in Wien gehen), um Freiraum (ein akademisch angehauchter Input über den Zusammenhang von gesellschaftlichen Werten und Freiräumen), und schließlich um irgendetwas mit Nachverdichtung, Grünraum, Asphalt und Hochhäusern – es bleibt mir bis zum Schluss unklar. Der vierte Beitrag schließlich – der etwas zu spezielle – behandelt den Zusammenhang von Architektur und Bildung. Da war wohl noch ein Vortrag in der Schublade…

Schön ist zu hören, dass – wenn auch zaghaft – ein paar kritische Töne anklingen. Einmal fällt sogar das Wort Gerechtigkeit. Die Rednerin druckst ein bisschen herum und entschuldigt sich fast es aufs Tapet zu bringen. Sie meint, dass sie sich jetzt einfach traue dieses große Wort auszusprechen. Sie erwähnt kurz die Frage nach Verlierern in der Stadtentwicklung. Mir kommt es fast kritisch vor. Ist ja durchaus was besonderes bei Veranstaltungen der Stadt Wien zum Thema Stadtentwicklung was Kritisches von offiziellen RednerInnen zu hören. Bei einer der letzten Veranstaltungen, die das Europaforum für die Stadt organisierte – Visionen fürs Wohnen oder so – musste ich sehr grinsen diesbezüglich. Da war der Herr Wurm eingeladen, der Sprecher der gemeinnützigen Bauträger. Alle RednerInnen sollten nur 4-5 Minuten reden. Herr Wurm wollte seine kurze Präsentation ein bisschen rechtfertigen, weil er doch viel auslassen würde. Er meinte, er habe, ganz nach den Vorgaben der VeranstalterInnen alles kritische aus der Präsentation rausgelassen. Hihi. Ein Schelm. Alles verraten. Heute hat eine Gerechtigkeit gesagt. Aber da waren wir schon. Nächster Programmpunkt: der BürgerInnendialog.

Der BürgerInnendialog 1

Nach den Inputs geht der Dialog so richtig los. Es soll abgestimmt werden mit elektronischen Geräten aus dem Publikum. Die Fragen werden vorne eingeblendet. Nicht alle haben Geräte. Ich auch nicht. Der Moderatorin versucht ein bisschen zu witzeln um zu überspielen, dass anscheinend viele garnicht mitstimmen können. Fragen gibts dann drei. Nachverdichtung oder Bauen auf der grünen Wiese? Ist Wachstum gut für die Lebensqualität oder nicht? Und dann mein Highlight: Soll die Stadt Wien in den nächsten Jahren massiv in Bildungs, Freizeit- und Sozialinfrastruktur investieren? Ich fühl mich ein bisschen wie bei der Volksbefragung. Ein wenig suggestiv die Frage. Die Moderatorin merkts auch. Lacht ein bisschen. Die Leute murmeln. Ein paar lachen. Aber es wird abgestimmt. Das Ergebnis ist uninteressant. Wie auch die Fragen. Neben mir sitzen ein paar jüngere Leute, die auch lachen. Weiter gehts. Nächster Programmpunkt: der BürgerInnendialog 2.

Der BürgerInnendialog 2

Jetzt gibt es zwei Fragerunden vom Publikum an die ExpertInnen. Immerhin. Bei der Wohnvisionveranstaltung waren Fragen explizit untersagt – “nicht Teil des Formats”. Es sollen aber trotzdem Fragen bleiben, keine Statements. “Keine Referate”, warnt die Moderatorin.

Die Fragerunde kommt langsam in Gang. Es dreht sich ein bissl was um einen BürgerInnenrat – wohl ein anderes Beteiligungsgremium von dem ein paar Leute da sind. Dann ein bissl was zu Widmungen und fehlender Beteiligung bei Projekten “auf der Wiesen”. Die Thematik ist total breit. So auch die Fragen. Der junge Mann neben mir rutscht herum. Er will unbedingt was sagen. Berät sich kurz mit seinem Nachbarn. “Sollen wir?”. “Ja, sicher.” Es wird noch ein bisschen dauern bis er was sagen kann. Je länger die Fragerunde dauert, desto kritischer werden die Meldungen. Am meisten Applaus bekommt ein Mann, der auf die Dummheit der gestellten Abstimmungsfragen hinweist. “Bitte intelligente Fragen”. Dann die etwas kritischeren Wortmeldungen: Versiegelung von Flächen, Verdrängung aus Gründerzeitvierteln, und mein Nachbar mit einer Frage zu Freiflächen für Landwirtschaftsinitiativen. Ein Herr, der ansetzt eine – fast schon radikale – Frage nach der Arbeitslosigkeit anzusprechen wird unterbrochen von der Moderatorin. “Ihre Minute ist um”. Dann die Antworten der ExpertInnen.

 Der Bürgerinnendialog 3

Die Antworten der ExpertInnen – die vier RednerInnen plus Vassilakou – sind kurz. Sie haben nicht viel Zeit. Der zweite Moderator – irgendein ORF Typ – verkennt ein bisschen seine Rolle und urteilt welche Fragen er zulässt, weil er sie als stadtentwicklungsrelevant befindet. Die Frage wie die Stadt Arbeitsplätze sicher kann? “Wohl kein Einfluss der Stadt – halte ich deshalb für irrelevant”. Total fehl am Platz.

Dann wird die Rednerin mit der Gerechtigkeit aufgefordert was zum Thema Verdrängung zu sagen. Sie entschuldigt sich nochmal fast ein bisschen, dass sie es genannt hat. Meint aber es ist schon wichtig. Aber vielleicht nicht Gerechtigkeit als Ziel. Vielleicht eher die Verhinderung von Ungerechtigkeit. Hmm. Das würde dann wohl wirklich jeder unterschreiben. Wer ist denn für Ungerechtigkeit bitte?

Dann soll die Vizebürgermeisterin zusammenfassen was sie mitgenommen hat. Das ganze soll ja einfließen in die Verfassung des Stadtentwicklungsplans – so die Zielvorgabe am Anfang des Abends. Die Abstimmungsfragen nimmt sie eher nicht mit. Sie entschuldigt sich ein bisschen für die suggestive Frage mit den öffentlichen Investments. “Finde ich auch ein bisschen komisch”. Das find ich jetzt aber irgendwie komisch. Ist doch ihre Veranstaltung? Wieso findet sie die Fragen komisch? Naja. Sie fasst zusammen. Witzig. Sie nimmt genau das mit, was sie am Anfang schon gesagt hat. Leistbares Wohen, BürgerInnenbeteiligung… und sie betont, dass BürgerInnenbeteiligung schwierig ist. Danke. Sollte man reinschreiben in den STEP.

Das Highlight

Das Highlight kommt aber vor Vassilakous Schlussrede. Der “Dialog”, der ja nie ein Dialog war, weil niemand aus dem Publikum der eine Frage gestellt hat auf die Antwort reagieren konnte, ist zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei. Es sind keine Fragen mehr aus dem Publikum zugelassen. Dann tritt kurz der “technische Direktor” der Stadtplanung auf. Herr Madreiter. Stellt sich vor als der Chef der Gruppe Planung in der Baudirektion. Vorher hat gerade die Rednerin mit der Gerechtigkeit die Ungerechtigkeitssache gesagt.

Was nimmt der Herr Madreiter mit? Ich bin gespannt. Er ist direkt. Sagt was Sache ist. Finde ich gut. Gerechtigkeit? Ja, das denken sie natürlich schon mit in der Stadt. Wir wollen, dass es gerecht zu geht. Und dann: Wissen sie, meint er, sie müssen schon sehen, dass eine Standortpolitik schlussendlich wichtig ist. Es ist im Interesse aller, dass jeder Standort der bestmöglichen Nutzung zugeführt wird. Die Standorte mit der besten Ausstattung sollen bestmögich genutzt werden.

Die Sache mit von Thünen

Ha, jetzt ist es also raus. Mir fällt ein Artikel zu Gentrifizierung ein. Von Tom Slater. So ein britischer Geograph. Kritischer Typ. Echt jetzt. Der Artikel heißt: Why I want the von Thünen model to become not true. Von Thünen hatte dieses neoklassiche Ringmodell von Städten entworfen. Innen die teuersten Nutzungen, nach außen hin abfallend. Die politische Implikation? Organisieren wir die Stadt danach, dass die beste Nutzung in der Innenstadt ist, wohnen die Armen am Rand, die Reichen in der Stadt. Klar, die Reichen können ja mehr zahlen. Eine bessere Nutzung ist das Luxuspenthaus als der Gemeindebau. Deswegen meint Slater he wants the model not to become true. Me neither. Madreiter wohl schon.

Der Typ neben mir lacht. Vassilakou will eine abschließende Abstimmungsfrage. Sie wills ohne Abstimmungsgerät. Mit aufzeigen. Wollen sie eine Innenstadt ohne Autos? Die Leute stimmen in der Tat ab. Einer aus dem Publikum schreit, dass die Frage  intelligent ist. Vassilakou ist zufrieden. Ich gehe.

7 comments
  1. roman says: 23.05.201301.35

    Wie es aussieht wenn man Thünen mit zunehmender Ungleicheit mischt kann man wohl in Schweden beobachten:

    http://www.taz.de/Brennende-Autos-in-Stockholm/!116665/

  2. UrbaniZm says: 23.05.201301.41

    roman said:

    Wie es aussieht wenn man Thünen mit zunehmender Ungleicheit mischt kann man wohl in Schweden beobachten:

    http://www.taz.de/Brennende-Autos-in-Stockholm/!116665/

    at 01.35 on 23.05.2013
    [Comment imported from blog]

  3. Christoph says: 24.05.201310.53

    Lieber Justin, ich war auch dort und kann dir weitgehend zustimmen. Die Standortaussage von Madreiter hab ich allerdings so in Erinnerung, dass er sich konkret und ausschlie

  4. UrbaniZm says: 24.05.201311.11

    Christoph said:

    Lieber Justin, ich war auch dort und kann dir weitgehend zustimmen. Die Standortaussage von Madreiter hab ich allerdings so in Erinnerung, dass er sich konkret und ausschlie

    at 10.53 on 24.05.2013
    [Comment imported from blog]

  5. justin says: 24.05.201311.24

    Lieber Christoph. Der comment ist leider nicht ganz angekommen – könntest du ihn nochmal senden?

  6. UrbaniZm says: 24.05.201311.41

    justin said:

    Lieber Christoph. Der comment ist leider nicht ganz angekommen – könntest du ihn nochmal senden?

    at 11.24 on 24.05.2013
    [Comment imported from blog]

  7. […] 2010 zeigt es sich auch verstärkt am Wiener Mietwohnungsmarkt. (Auf diesem Blog gab es übrigens HIER bereits eine Kritik des von Thünen Modells als planerisches Leitbild für die Wiener […]

add comment...

Demokratie?

Es fällt schwer einen seriösen Text über die Wiener Volksbefragung zu schreiben. Das liegt nicht nur an dem wie sie wohl zustande kam – als Abwehr gegen die Anti-Parkpickerl-Partei. Jene die damit vertraut sind wie man mit Fragen Antworten steuert oder eben nicht (doch zumeist das Ziel in der empirischen Sozialforschung) sind irritiert bis amüsiert – wohl auch darüber darüber, dass wohl nicht nur unabsichtlich die Fragen so gestellt wurde, das sie das Ergebnis bringen das von der Stadtregierung erwünscht ist. Verfassungrichter Heinz Mayer sieht die Wiener Volksbefragung gar „Nahe am Missbrauch – und das nicht nur weil es möglich scheint auch nach der Verkündigung eines Zwischenergebnisses noch taktisch abzustimmen. Personen denen es ernst ist mit der direkten Demokratie halten damit auch nichts von der Abstimmung.

Über den Nutzen von direkter Demokratie kann man ja geteilter Meinung sein. So ist die Schweiz ein vergleichsweise konservatives Land – etwa ohne öffentliche Krankenversicherung. Viele Initiativen – wie vor kurzem eine zur Ausweitung des Jahresurlaubs – scheitern an der Einflussnahme der Wirtschaft auf die öffentliche Meinung. Direkte Demokratie ist in hohem Maße ein Spiel mit der Frage, wie Interessengruppen Einfluss ausüben können – vor allem auf die publizierten Meinungen, die Medien. Die Wiener SPÖ hat in der Vergangenheit selten behauptet sie sei für mehr direkte Demokratie, die Wiener Grünen jedoch laut und deutlich. Das macht diese Befragung „nahe am Missbrauch“ wohl eher zu einem Problem der Wiener Grünen.

Schließlich dient die Befragung wohl vorrangig der Abwehr der von der ÖVP initiierten Anti-Parkpickerl-Befragung. Diese Befragung wurde mit dem Argument abgelehnt weil die Wiener Stadtverfassung Abstimmungen über Gebühren verbietet. Für diese jetzige Befragung musste am Ende auch die Stadtverfassung geändert werden – aus Termingründen. Und die Frage die nun zum Parkpickerl enthalten ist fragt quasi nach einer Änderung der Stadtverfassung. Die Grünen lassen sich von der Anti-Parkpickerl Partei treiben und werden damit zur Parkpickerl-Partei – als könnte so etwas wichtiger sein als Fragen der Demokratie. Ob sie das lange überleben erscheint mir fraglich.

Spiele?

Schließlich gibt es bei dieser Befragung doch eine Frage, die klar offen formuliert ist: die nach einer Berwerbung um Olympische Spiele. Das erscheint Ersatunlich da scheinbar sowohl der Wiener Bürgermeister als auch die Vizebürgermeisterin dafür sind. Immerhin sind Teile der Grünen wohl dagegen – vielleicht ist die Frage deshalb überraschend neutral formuliert.

Vassilakou spricht bei Olympia jedenfalls von einer Chance für die Stadt. Die Frage ist nur wer ist denn diese Stadt? Wer soll da welche Chance haben? Für die Stadtregierung ist es sicherlich eine Chance – auf zahlreiche öffentlichkeitswirksame Maßnahmen etwa. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnston dürfte von Olympia klar profitert haben. Daneben gibt es noch ein paar Großbaustellen Read More

0 comments add comment...

Die Wiener Volksbefragung hat viele Aspekte. So ist das Zustandekommen der Befragung selbst ja schon interessant. Es gibt dazu zwar wohl keine offizielle Stellungnahme aber niemand wird bezweifeln, dass es etwas damit zu tun hat, das die ÖVP Wien zu einer „Anti-Parkpickerl“ Volksbefragung trommelt und dafür bereits seit langem ausreichend viele Unterschriften gesammelt hatte. Jetzt kann man sich fragen worin das Glück einer Partei besteht deren kommuniziertes Programm in letzter Zeit wohl daraus besteht gegen Parkraumbewirtschaftung zu sein. Aber das ist nicht so wichtig. Die Volksbefragung über das Pickerl wurde vorerst jedenfalls nichts – weil die Wiener Stadtverfassung eine solche über Gebühren verbietet. Das Versprechen der Stadtregierung war dann später in einem anderen Zusammenhang zu befragen. Soweit die bekannte Vorgeschichte.

Irgendwann im Herbst wurden dann die Fragen zusammengezimmert. Im Vorfeld hatten die Wiener Grünen groß getönt sie wollten die Mietpreise beschränken und dies Teil der Befragung werden lassen. Das Getöse war dann schnell vorbei. Als es dann um die Fragen ging war dann plötzlich Olympia im Gespräch.

Eine Rot-Grüne Stadtregierung macht also Werbung für ein Großprojekt? Ich war irritiert. Eigentlich verärgert. Ich kann mich nicht erinnern eine derart grausliche Idee zur Stadtentwicklung aus dem Rathaus vernommen zu haben. Daher habe ich mich umgehört und nachgebohrt. Der mir bekannte Teil der Gerüchteküche der Grünen schob das alles auf die andere Partei – natürlich. Es kann ja auch gut sein, dass das der Profilierung einzelner in der Wiener SPÖ dient, aber das zwingt niemanden dem Unsinn auch zuzustimmen.

Weiteres Nachfragen hat aber zutage befördert, dass es “unterschiedliche Meinungen” innerhalb der Grünen dazu gäbe. Und nach einer lästigen Anfrage zu viel wurde ich schon an das „Dialog-Team“ weitervermittelt. Da kommt dann so ein schönes weichgespültes Dialogangebot. Da wird von den großen „Chancen für Wien“ gesprochen und der Mythos der ach so schönen Spiele in Barcelona wird wieder einmal auferweckt.

Ich kam mir vor wie beim original “Dialog-Team” – dem Betreuungsteam der Schweizer Polizei für Fußballfans – das soll ja auch mal mit freundlichen Worten den Ärger vermeiden helfen. Und ich hätte gerne eine Position oder Argumente gehabt oder  Quellen, die irgendwas belegen – etwa dass in Barcelona doch jetzt nicht Zehntausende verdrängt wurden. Aber da war nichts – nur nette Worte. Also habe ich Ihnen das geschrieben und meine Sicht der Spiele in Barcelona mit folgendem schönen Zitat gewürzt:

“Barcelona’s Olympics, in 1992, are cited as a model to which all succeeding Olympic cities should aspire. But, though much less destructive than Seoul’s, they were also used to cleanse the city. Roma communities were evicted and dispersed. The council produced a plan to “clean the streets of beggars, prostitutes, street sellers and swindlers” and “annoying passers-by”(6). Some 400 poor and homeless people were subjected to “control and supervision”. Between 1986 and 1992, house prices rose by 240% as the Olympic districts were gentrified, while public housing stock fell by 76%. There was no consultation before the building began – the Games were too urgent and important for that. Around 59,000 people were driven out of the city by rising prices.”

Monbiot, 2007 s. http://www.monbiot.com/2007/06/12/someone-elses-legacy/ (16.1.2013)

Auf das und die Anmerkung, dass es mich wundern würde wenn die Grünen die Vertreibung von Roma, Bettlern und Armen aus der Stadt für einen Erfolg halten würden habe ich dann jedenfalls keine Antwort mehr erhalten. Doch ein Monolog-Team.

Das war im Jänner. Am 20. Februar findet die Grüne Vizebürgermeisterin Barcelona scheinbar immer noch ganz großartig. Ich habe mich also möglicherweise geirrt? Ob sie nun doch für die Vertreibung von Armen aus der Stadt ist? Es würde mich wundern aber konsequent wärs – anders kann ich mir Olympia nicht vorstellen.

3 comments
  1. Marie Sophie Plakolm says: 08.03.201320.54

    Passend dazu ein empfehlenswerter Artikel aus der Le Monde zu den Olympischen Spiele in Rio 2016 und den jetzt schon spürbaren Auswirkungen, wie Immobilienspekulationen und Gentrifizierung in den Favelas http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/02/08.mondeText.artikel,a0067.idx,23

  2. Marie Sophie Plakolm says: 08.03.201321.54

    Passend dazu ein empfehlenswerter Artikel aus der Le Monde zu den Olympischen Spiele in Rio 2016 und den jetzt schon spürbaren Auswirkungen, wie Immobilienspekulationen und Gentrifizierung in den Favelas http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/02/08.mondeText.artikel,a0067.idx,23

  3. Marie Sophie Plakolm says: 08.03.201321.54

    Passend dazu ein empfehlenswerter Artikel aus der Le Monde zu den Olympischen Spiele in Rio 2016 und den jetzt schon spürbaren Auswirkungen, wie Immobilienspekulationen und Gentrifizierung in den Favelas http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/02/08.mondeText.artikel,a0067.idx,23

add comment...

Versammlung am Volkertplatz, 1020 Wien.

Samstag, 19. Jänner 2013, 16 Uhr

immer am 3. Samstag im Monat; “Die Scheiß Miete ist zu hoch Nr. 8” am Samstag, 16. Februar 2013, 16 Uhr Volkertplatz, 1020 Wien.

link: http://pizza.noblogs.org/post/2013/01/14/die-scheis-miete-ist-zu-hoch-nr-7-19-1-2013/

0 comments add comment...