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Tag "Housing"

“Si se puede”
Seven days at PAH Barcelona
Spanien 2014 | 52 min | OmU

Mobiles Stadtlabor Karlsplatz

 

Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2007 wurden ungefähr 550.000 Hypotheken in Spanien gekündigt. Die Zivilgesellschaft organisiert sich, da lokale und nationale Verwaltungen nichts gegen diese Entwicklung unternahmen.

Im Jahr 2009 wurde die PAH – Plata- forma de Afectados por la Hipoteca (Plattform der von Hypotheken Betroffenen) – in Barcelona gegründet – eine Bürger_innenbewegung für das Recht auf Wohnen und als Antwort auf die Wohnungsnot.

„Si se puede – 7 Tage mit PAH Barcelona“ ist eine Beschreibung der täglichen Arbeit der Plattform. Der Film zeigt beispielhaft, wie eine ganze Woche voll von unermüdlichen Aktivitäten aussehen kann. Sieben Interviews, kombiniert mit Bildern die innerhalb eines Jahres gesammelt wurden, zeigen die unterschiedlichen Aktiv- itäten der PAH Barcelona.

Die Dokumentation zeigt die meist für die Öffentlichkeit unsichtbare Arbeit der Organisation und den Prozess der Selbstermächtigung der an ihr beteiligten Menschen.

Der Film wird gemeinsam von der Initiative „Mietenwahnsinn stoppen!” und der Solidaritätsgruppe „Zwangsräumungen verhindern!“ präsentiert.

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Ein interessanter Abend zum Thema Wohnungspolitik: Andreas Rumpfhuber diskutiert seine Ideen zu gesellschaftlichen Wohnbau. Im Anschluss wird Lukas Tockner von der Arbeiterkammer Wien respondieren. Der Ankündigungstext liest sich wie folgt:

Entgegen der tatsächlich stattfindenden schleichenden Liberalisierung des Wiener Wohnungsbaus seit den 1990er Jahren und wider der Forderung nach der totalen Liberalisierung des Wohnungswesens in Wien, aber auch entgegen der wohlgemeinten Rufe nach einem neuen Wiener Gemeindebau versuche ich mit meiner Idee des gesellschaftlichen Wohnungsbau einen alternativen Weg eines zukünftigen Modells des Wiener Wohnungsbaus und des Wohnungsbaus allgemein zu skizzieren.

Der gesellschaftliche Wohnungsbau denkt den Wohnungsbau (und somit den Stadtbau) von den zeitgenössischen Lebens- und Arbeitsbedingungen her. Der gesellschaftliche Wohnungsbau denkt aktuelle Formen der Arbeit mit. Der gesellschaftliche Wohnungsbau ist ein Wohnungsbaumodell für ALLE. Ein gesellschaftlicher Wohnungsbau gehört ALLEN (und nicht der öffentlichen Hand und nicht einer wie auch immer imaginierten unsichtbaren Hand).

Die Idee des gesellschaftlichen Wohnungsbaus entstand während meiner Arbeit zum europäischen Forschungsprojekt über Knappheitsdiskurse im Rahmen dessen das Modell des Wiener Wohnungsbaus analysiert und Szenarien für die Ausweitung des Gemeindebaus entwickelt wurden. Das Buch dazu erscheint im April 2015.

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Steffen Jörg, Irene Bude und Olaf Sobczak haben einen Film über die Kämpfe um die Esso-Häuser gemacht:

Der Druck auf die europäischen Großstädte steigt: Alte Häuser werden aufgekauft, luxussaniert oder abgerissen und müssen hochpreisigen Neubauten weichen. Wo die Mieten steigen, profitieren Investor_innen und Eigentümer_innen zulasten der Bewohner_innen. Die Langzeitdokumentation buy buy st. pauli begleitet die Geschehnisse rund um die ESSO-Häuser – zwei Plattenbauten der 1960er auf der Hamburger Reeperbahn, deren Abriss seit 2009 in Planung ist. In zahlreichen Interviews nah an den Bewohner_innen dokumentiert der Film deren Kampf um ihre Wohnungen und steht damit stellvertretend für größere aktuelle stadtpolitische Auseinandersetzungen rund um ein Recht auf Stadt für alle.
http://www.thishumanworld.com/programm_detail.php?id=96

Über zwei Jahre haben Steffen Jörg, Irene Bude und Olaf Sobczak an ihrem Dokumentarfilm über den Abriss der Esso-Häuser gearbeitet[…]. Es ist ein sehr persönlicher Film über eine der wichtigsten stadtpolitischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre in Hamburg. Persönlich ist “Buy Buy St. Pauli” nicht nur, weil die ProduzentInnen selbst aus dem kreativen Protestumfeld kommen – in einigen Szenen sind sie sogar zu sehen. Persönlich ist der Film deshalb, weil er so nah an den BewohnerInnen der Häuser dran ist: Sie sind die eigentlichen ProtagonistInnen.
taz, 01.11.2014 – http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2014%2F11%2F01%2Fa0218

Danach Diskussion:
Kämpfe um das Recht auf Wohnen – Erfahrungen aus Hamburg und Wien
mit: Anna Hirschmann und Irene Bude oder Olaf Sobczak (Regie)
Moderation: Mara Verlic und Justin Kadi

Fr. 5. Dez. 2014 –  18.00
Brunnenpassage – Brunnengasse 71 – 1160 Wien

Eintritt frei!

Im Rahmen des Filmfestival this human world – http://www.thishumanworld.com

Buy Buy St. Pauli – http://www.buybuy-stpauli.de/

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FM4 Auf Laut bringt heute eine Radiosendung zum Thema Wohnen und Krise. Ab 21h diskutieren unter anderem Mara Verlic und Justin Kadi vom Recht auf Stadt Netzwerk Wien mit Lukas Tagwerker über das Thema. Unter 0800 226 996 kann man live mitdiskutieren.

Hier der Ankündigungstext von fm4.orf.at:

FM4 Auf Laut – Wohnraum in der Krise

Wohnen ist Grundbedürfnis und Grundrecht.
Während in der Bundeshauptstadt täglich im Schnitt 7 Zwangsräumungen vollstreckt werden stehen 30.000 bis 100.000 Wohnungen leer, genaue Zahlen fehlen.
In Spanien ist mit der Plataforma de Afectados por Hipoteca eine breite Bewegung gegen Zwangsräumungen entstanden, mit der eine „Rückkehr der Politik durch den Kampf um Grundbedürfnisse“ gefeiert wird. In Österreich ist eine solche Bewegung gerade am Entstehen. In FM4 Auf Laut diskutieren Mara Verlic und Justin Kadi vom Recht-auf-Stadt-Netzwerk mit AnruferInnen über Wohnraum in der Krise.

Anrufen und Mitdiskutieren erwünscht!

Die Nummer ins Studio: 0800 226 996
international: 0043 1 5036318

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Die Grünen Neubau veranstalten am 17. November einen Abend zum Thema Stadtwachstum und Segregation.

Es diskutieren:

Raimund Gutmann, wohnbund:consult; Bettina Köhler, Stadtforscherin; Irmi Voglmayr, Soziologin Moderation: Sonja Gruber, Verein Wirbel

Der Ankündigungstext liest sich wie folgt:

Wien wächst. Diese Entwicklung schlägt sich u. a. in verstärkter Wohnbautätigkeit, in hohen Bebauungsdichten oder dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs nieder. Die Verdichtungsgespräche laden ein zur Diskussion der Folgen von Verdichtung im urbanen (Lebens-)Raum.

Für wen ist der Wohnort in einer Stadt wie wählbar? Fixe Verortung von Menschen in bestimmten Stadtteilen oder Wohnbauten? Vertikale Segregation in neuen Wohnbauten?

Quelle: https://neubau.gruene.at/verdichtung-und-soziale-segregation-wer-lebt-wo

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Anzahl der Unterschriften zur Leerstandspetition übertraf die Erwartungen. Pressekonferenz am 7. Oktober.

Die von der IG Kultur Wien lanciere Unterschriftenaktion zur Unterstützung ihrer Leerstandspetition wurde bis Ende August von 1095 Personen und Gruppen unterstützt. Damit wurde das Ziel von 1000 UnterzeichnerInnen trotz der geringen Mittel für eine breit angelegte PR-Kampagne deutlich übertroffen.

Die Anzahl der Unterschriften wurde gemeinsam mit der Petition nun an Bürgermeister Michael Häupl, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sowie an die StadträtInnen Renate Brauner, Michael Ludwig und  Andreas Mailath-Pokorny mit der Aufforderung zu einem direkte Gespräch über die Leerstandsproblematik kommuniziert. Über die konkreten Reaktionen, Ergebnisse und weiteren Schritte werden wir in einer Pressekonferenz berichten:

Dienstag, 7. Oktober um 10:30
RAUM der IG Architektur
Gumpendorfer Straße 63b, 1060 Wien

Eine gesonderte Einladung folgt.

Wir danken allen UnterzeichnerInnen für ihre Unterstützung. Denn obwohl genug Räume leer stehen, wird der Bedarf an Räumlichkeiten für kreative, soziale oder künstlerische Arbeit abseits von Verwertungslogiken bei weitem nicht abgedeckt.

Eine mutige Leerstandspolitik muss der Beginn für eine andere Stadtpolitik werden!

 

Dieser Post wurde von der Homepage der IG Kultur übernommen: http://www.igkulturwien.net/igkw-news/singlenews/?tx_ttnews[tt_news]=274&cHash=1720784b599938176843d79c52ff9c11

Rückfragen an: office(at)igkulturwien.net

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Wer Informationen über Wohnen in Wien aus erster Hand der Entscheidungsträger erhalten will, hat heute die Möglichkeit u.a. Stadtrat Michael Ludwig in einem Speeddating in der GB*3/11 zu treffen. Die Einladung liest sich wie folgt:

Technische Neuerungen wie Niedrigenergie- und Passivbauweise, der Wunsch nach Mitbestimmung beim Bau, die Nachfrage nach Wohnungen, die sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen adaptieren lassen, gemeinschaftliche Wohnformen, die Entwicklung von neuen Stadtteilen in teils dicht bebautem Stadtgebiet sind nur einige Aspekte, die das Wohnen in Zukunft prägen werden. Im Rahmen eines Speed-Datings beantworten Expertinnen und Experten aus Politik, Planung, Verwaltung und Forschung Fragen zum Thema.

In jeweils 5-minütigen 4-Augen-Gesprächen haben die BesucherInnen so Gelegenheit, mit verschiedenen ExpertInnen zu sprechen.

Also, für alle, die noch keinen Diskussionspartner über Wohnthemen für heute Nachmittag gefunden haben – auf nach Erdberg, Fiakerplatz 1, 1030 Wien. Folgende ExpertInnen bitten zum Dating:

Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat – Kostengünstiges Wohnen
Rudolf Zabrana, Stv. Bezirksvorsteher Landstraße – Entwicklungen im Bezirk
Katharina Bayer, EINSZUEINS Architektur – Baugruppen
Ingrid Farag – Frauenwohnprojekt ro*sa KalYpso
Christiane Feuerstein, Architektin – Generationen-Wohnen
Georg Kogler, trans_city – Smart Wohnen
Maja Lorbek, TU Wien, Abteilung für Wohnbau –Trends im Wohnbau
Gabriele Aigner-Tax, Wohnservice Wien – Wohnberatung und Wohnungsvergabe
Christoph Reinprecht, Universität Wien, Institut für Soziologie – Zukunft des sozialen Wohnbaus
Rudolf Szedenik, s+s Architekten – Passivhaus

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Dieser Artikel wurde am 2.9.2016 upgedated: Die Zahlen für 2004-2008 wurden aufgrund aktualisierter Datenlage korrigiert.

Problemen rund ums Wohnen wird in Wien in den letzten Monaten zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt. Berichte über steigende Mieten, Leistbarkeitsprobleme oder Konflikte mit Vermieter_innen finden sich fast täglich in den Zeitungen.

Traditionell galt Wien jahrzehntelang als „anders“ im Bezug auf Fragen des Wohnens: Wohnungsprobleme, wie sie in anderen Städten vorherrschten, waren in Wien nur in wesentlich geringerem Ausmaß anzutreffen – nicht zuletzt das Resultat einer umfassenden öffentlichen Regulierung des Wohnungsmarkts, die sich seit den 1920ern im Rahmen des „Roten Wiens“ etabliert hatte. Seit den 1980ern wurde das sozialpolitisch orientierte Wiener Wohnungspolitikregime allerdings zunehmend von Liberalisierungstendenzen erfasst. Schrittweise – und im Einklang mit wohnungspoltischen Trends in anderen Städten – verlässt sich auch Wien zunehmend auf „den Markt“ für die Versorgung mit Wohnraum.

Die steigende öffentliche Diskussion signalisiert, dass sich in dem Kontext veränderter Regulierungsformen auch Probleme rund ums Wohnen in der Stadt verschärfen. Aber während sich die mediale Aufmerksamkeit häuft und sich soziale Bewegungen rund um das Thema formieren (beispielsweise das Bündnis Wilder Wohnen), wird von offizieller Seite der Stadtverwaltung kalmiert und die Existenz von Wohnungsproblemen als Randphänomen bagatellisiert.

Die Serie „Wohnen in Wien – Einblick ins Verborgene“ nimmt diesen Umstand zum Anlass in den nächsten Wochen auf unterschiedliche Dimensionen der Wohnungsproblematik in Wien genauer hinzusehen. In unserem ersten Teil widmen wir uns heute dem Thema Delogierungen.

Teil 1: Delogierungen in Wien

In der Wohnung war die behinderte Frau (Rollstuhl), ein Kleinkind, ein Baby und der Mann. Die 3 anderen Kinder waren in der Schule. Die Frau hat kein Wort Deutsch gesprochen, also gar nicht verstanden, was los war. Nachdem klar war, dass sie freiwillig die Wohnung nicht verlassen werden, wurde erst die Fürsorge geholt (die haben dann auch die Schulkinder von der Schule abgeholt) und dann die Polizei. (…) Jedenfalls ist es einfach traurig zu sehen, wie das Essen noch am Herd steht, die Wäsche in der Waschmaschine liegt, so als würde die Familie jeden Moment heim kommen. Die Eltern wohnen jetzt in einem Obdachlosenheim, die Kinder sind in der Obhut der Fürsorge und das Baby ist bei Pflegeeltern.

– so die anonymen Erzählung einer Mitarbeiter_in einer privaten Hausverwaltungsfirma über ihren ersten Delogierungstermin in einem Onlineforum. Foreneinträge rund um das Thema Delogierung und Räumungsklagen in Wien finden sich im Internet leicht, etwa auf den Seiten www.gericht.at und www.wohnnet.at, geschrieben meist von Betroffenen selbst, die das Internet als (letzte) Möglichkeit der Hilfesuche und Informationsgewinnung nutzen.

Unterschiedliche Legitimationen

Delogierungen können aus rechtlicher Perspektive unterschiedliche Legitimationen haben: Eine Vernachlässigung des Mietobjekts oder unleidliches Verhalten gegenüber der Hausgemeinschaft sind rechtlich mögliche Gründe. Sie geben aber eher selten den Anlass zu einer Räumungsklage. Im Großteil der Fälle, in etwa in 95 % laut Volkshilfe Wien, sind Mietzinsrückstände der Grund für die Einleitung eines Verfahrens. Ab zwei Monaten Mietzinsrückstand können Vermieter_innen laut geltendem Mietrecht eine Räumungsklage beim Bezirksgericht einbringen.

Unterschiedliche Stufen

Von Räumungsklagen betroffen waren im Jahr 2012 in Wien 20.525 Personen (Zahlen laut Justizministerium/ FAWOS). Diese Zahl fluktuiert leicht über die Zeit, bleibt aber mit der Ausnahme einer sprunghaften, kurzzeitigen Zunahme auf über 22,000 im Jahr 2008 seit 2001 im Wesentlichen konstant. In etwa die Hälfte der Fälle betrifft private Mietwohnungen, die andere Hälfte Gemeindebauwohnungen.

Bei Betrachtung von Räumungsklagen nach Bezirken zeigt sich, dass tendenziell der Anteil von Haushalten, die von Räumungsklagen betroffen sind in sozioökonomisch schwächer gestellten – ärmeren – Bezirken höher ist als in sozioökonomisch höher gestellten – reicheren – Bezirken. Prozentuell waren im Jahr 2012 1,2 % der Wiener Bevölkerung von einer Räumungsklage betroffen. Reiche Bezirke wie Hietzing, Josefstadt oder Währing rangieren mit weniger als 1 % betroffener Bevölkerung am unteren Ende. Simmering, Meidling und Margareten liegen mit mehr als 1,5 % am oberen Ende. Am höchsten ist die Betroffenheit überraschenderweise in der Inneren Stadt. Hier haben im Jahr 2012 1,6 % der Bevölkerung – oder 275 Personen – eine Räumungsklage erhalten. Eine mögliche Erklärung könnte darin liegen, dass der Druck auf Immobilienpreise – und damit auf arme Haushalte – in der Inneren Stadt besonders hoch ist.

Eine Räumungsklage ist allerdings nicht unmittelbar mit dem Verlust der Wohnung gleichzusetzen. Sie bedeutet erst einmal, dass es zu einer Anhörung bei Gericht kommt, und entschieden wird, ob die Klage gerechtfertigt ist. Kommt es in dieser Zeit zu einer Einigung der Parteien, beispielsweise durch eine Mietzinsrückzahlung, wird das Verfahren in der Regel eingestellt. Im Falle einer Nichteinigung können die Eigentümer_innen einen Räumungsexekutionsantrag stellen, wenn sich die Mietpartei weigert auszuziehen. Räumungsexekutionsanträge liegen in Wien konstant bei etwa 7.000 Haushalten pro Jahr. Konkret wurden im Jahr 2012 7.270 solcher Anträge eingebracht.

Oftmals kommt es allerdings auch im Falle von gestellten Räumungsexekutionsanträgen noch zu Einigungen oder zu einem Auszug der Mieter_innen vor Vollzug der Räumung. Erst wenn dies nicht passiert, kommt es zur tatsächlichen Räumungsexekution. Im Jahr 2012 wurden in Wien 2.565 Haushalte tatsächlich aus ihrer Wohnung delogiert. Etwa 1.000 Fälle davon betrafen Gemeindebauwohnungen.

Auffallend ist, dass die Gesamtzahl der exekutierten Räumungen seit 2006 im Sinken ist. Währen die Zahl im Jahr 2006 noch über 4.000 lag, ist sie seither mehr oder weniger konstant gesunken (siehe Grafik). Die Ursache für dieses Sinken – vor allem vor dem Hintergrund der gleichbleibend hohen Zahl der eingebrachten Räumungsexekutionsanträge ist unklar. Eine Möglichkeit ist, dass es in einer größeren Zahl von Fällen zwischen Mieter_innen und Vermieter_innen zu einer Einigung kommt vor der Durchführung der Exekution, beispielsweise durch eine effektivere Einmischung der städtischen Wohnungssicherungsstelle FAWOS, die zwischen Mieter_innen und Vermieter_innen vermittelt. Eine andere Möglichkeit ist ein steigender Druck auf Mieter_innen von Seiten der Vermieter_innen in den letzten Jahren, der dazu führt, dass Mieter_innen schon vor Durchführung der Räumung ihre Wohnung verlassen. Hier zeigt sich auch eine Schwäche der Statistik: Eine nicht durchgeführte Räumung heißt nicht automatisch, dass  die Mieter_innen in ihren Wohnungen verbleiben können. Bei Auszug wird die Räumung obsolet – und fließt in die Statistik als nicht durchgeführt ein.

Während die Gesamtzahl der Delogierungen rückläufig, ist, hat sie in den Gemeindebauten in den letzten Jahren rapide zugenommen. Wurden im Jahr 2007 noch 676 Mieter_innen delogiert, waren es 2008 schon 992. Im Jahr 2011 waren es 994.

Zusammenfassend kann folgendes gesagt werden: Auch wenn die Zahl der tatsächlich Delogierten von 2.565 im Jahr 2012 weit unter jener von 20.525 liegt, die mit einer Räumungsklage konfrontiert sind muss die Tatsache, dass mehr als 2.500 Haushalte in Wien jedes Jahr aus ihren Wohnungen delogiert werden als eindeutiges Zeichen eines evidenten Problems gesehen werden. Besonderes Augenmerk sollte dem Gemeindebau – als Sektor mit steigenden Delogierungszahlen – gewidmet werden.

Unterschiedliche Akteur_innen

Eine Delogierung ist ein komplexer Prozess, in dem eine Vielzahl von Akteur_innen beteiligt sind: Mieter_innen, Vermieter_innen, Hausverwaltungen, Gerichte, Hilfestellen, um nur einige zu nennen.

Eine besonders skurril anmutende Blüte der steigenden Zahl an Räumungsklagen in Wien ist die Herausbildung eines eigenen Dienstleistungssegments, das sich dem Thema Delogierungen in Form von spezialisierten Umzugsunternehmen widmet. Eine Internetrecherche führt zunächst zu einem Delogierungsanbieter mit dem paradoxen Namen „Luxusumzug“ und darauf zur Firma ATH Trans, die auf ihrer Homepage verspricht: „Zwangsräumung / Delogierung? Alles kein Problem, wir helfen Ihnen dabei!“ Auch das unschöne Wort „Bestandsfreimachung“ scheint inzwischen aus Deutschland nach Wien gekommen zu sein, wenn die Immobilienfirma und Bauträger „U.M.BAU“ auf ihrer Homepage mit der Abwicklung von Ausmietungen und eben jener Bestandfreimachungen für Hauseigentümer_innen wirbt.

Unterstützung bietet die Stadt Wien im Fall von Räumungsklagen und drohenden Delogierungen durch mehrere Stellen an: Betroffene in Genossenschafts- und Privatwohnungen können sich an FAWOS, eine Stelle der Volkshilfe wenden; für Menschen in Gemeindebauten gibt es Regionalstellen des Amtes für Jugend und Familie und Sozialzentren als mögliche Hilfestellungen. An FAWOS wenden sich im Jahr durchschnittlich 2.500 Personen, die Erfolgsquote liegt bei etwa 70%. Und die restlichen 30%?

Unterschiedliche Effekte

Für die übrigen 30% bedeutet die Delogierung den Verlust der eigenen Wohnung und somit einer der wichtigsten Existenzgrundlagen. Manche kommen bei Verwandten oder Bekannten unter, etwa 40 % in den Wohnungen und Heimen des Fonds Soziales Wien, der Rest landet auf der Straße. Mitzudenken ist dabei, dass die 2.565 Haushalte weit mehr Personen umfassen können, darunter natürlich auch eine große Zahl von Kindern (Daten dazu liegen nur für die Gemeindewohnungen vor, aus denen jährlich etwa 300 Kinder delogiert werden).

Dass die Hilfenetze der Stadt Wien zwar vorhanden, aber nicht ausreichend sind zeigen die 2.565 Wohnungsräumungen im Jahr 2012 erneut – genau 2.565 Delogierungen zu viel! Für Personen, die Hilfe benötigen oder aktiv gegen Delogierungen vorgehen möchte, befindet sich zurzeit eine neue Plattform im Entstehen, deren erstes öffentliches Treffen kurz bevorsteht:

Treffen “Delogierungen stoppen!”:

Sonntag 17.3.2013 19 Uhr, PizzeriA, Mühlfeldgasse 12 / 1020 Wien, Mazzes-Insel.

delo2004-2012
Quelle: Justizministerium, FAWOS, eigene Darstellung.

 

4 comments
  1. @TomRoschanek says: 28.07.201413.23

    facts zu Delogierungen http://t.co/Rf50hL71IH #pizzableibt

  2. @rianhammer says: 03.09.201411.41

    Wohnen in Wien – Einblicke ins Verborgene: Teil 1 Delogierungen | urbaniZm http://t.co/yM9G6JfaUR

  3. […] Kein Hinweis findet sich auch auf die hohe Zahl an Delogierungen, die in Wien stattfinden. Im Schnitt 7 Delogierungen werden pro Tag im Wohnparadies Wien durchgeführt und Menschen verlieren ihr Zuhause, weil sie sich die Miete schlichtweg nicht leisten können. Besonders hohe Zuwächse bei den Delogierungen gab es kürzlich übrigens im Gemeindebau. Wer dazu lesen will klickt hier: KLICK. […]

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Michael Davis Buch “Planet of Slums” ist wohl das bekannteste Werk zum Thema informelle Siedlungen. Die österreichsiche Sektion der Internationalen Organisation für ein Partizipatorische Gesellschaft (IOPS) – ein mir unbekannter Verein der so etwas werden will wie eine “globale Graswurzelbewegung” – veranstaltet nun einen Lesekreis dazu. Neben der Frage, ob eine “globale Graswurzelbewegung” nun ein produktiver Widerspruch ist oder nicht kann man also potentiell gleichgesinnte LeserInnen kennen lernen.

Der Historiker und Soziologe zeichnet ein pessimistisches Bild für die Entwicklung (der Megastädte) des globalen Südens. Das globale Bevölkerungswachstum wird voraussichtlich zum aller größten Teil in diesen Metropolen stattfinden. Gegenwärtig gibt es weltweit schon rund eine Milliarde Slumbewohner_innen, welche gezwungen sind in bitterster Armut zu (über)leben, umgeben von Müllhalden, ohne irgendeine Art der Gesundheits- und Sozialversorgung, ohne jeglichen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Laut Mike Davis bilden sie eine eigene Klasse. Diese informelle Arbeiter_innenklasse ist von jeglicher Partizipation an der Weltökonomie ausgeschlossen und die allermeisten haben auch keinerlei Chance der Armut zu entrinnen. Die Kapitalreproduktion in den Global Cities wird weitgehend ohne diese Menschen auskommen, die ihr Überleben weiterhin auf dürftigstem Niveau werden organisieren müssen. Dabei repräsentiert diese informelle Arbeiter_innenklasse eine von der Theorie völlig unvorhergesehene Entwicklung. Weder in der klassischen Sozialtheorie noch in der neueren Modernisierungstheorie wurde sie vorausgesehen. Sie ist nicht das “Lumpenproletariat” von Karl Marx und auch nicht der “Slum der Hoffnung”.

Hoffnung sieht der Autor aber in den Protesten der städtischen Armen, welche sich nicht mit ihrem Schicksal, im Schatten von Müllhalden zu leben, abfinden wollen.

s. http://www.iopsociety.org/austria/events/lesekreis-zu-planet-der-slums/de

Das erste Treffen findet am 14. Februar statt. Bei diesem Treffen sollen die ersten beiden Kapitel besprochen werden.

14. Februar 19.00 – ca.21.00 – Amerlinghaus, Erdgeschoß, Raum 4  – Stiftgasse 8, 1070 Wien

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Versammlung am Volkertplatz, 1020 Wien.

Samstag, 19. Jänner 2013, 16 Uhr

immer am 3. Samstag im Monat; “Die Scheiß Miete ist zu hoch Nr. 8” am Samstag, 16. Februar 2013, 16 Uhr Volkertplatz, 1020 Wien.

link: http://pizza.noblogs.org/post/2013/01/14/die-scheis-miete-ist-zu-hoch-nr-7-19-1-2013/

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