urbaniZm

Archive
Tag "Vienna"

Justin Kadi

In der Diskussion über die Anpassung der Richtwerte für Mietwohnungen hat ein Aspekt überraschend wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommen: die Erhöhung der Lagezuschläge. In überdurchschnittlich guten Lagen dürfen seit 1. April für Wohnungen mit Richtwertmieten auch höhere Zuschläge verlangt werden. Die Stadt Wien hat dafür eine aktuelle Lagezuschlagskarte veröffentlicht. Sie enthält neben den neuen Zuschlägen auch die aktualisierten Bodenpreise für unterschiedliche Viertel – auf denen die errechneten Lagezuschläge basieren. Die Höhe der Zuschläge variiert von 0,53€/m² in Teilen des 2., 21., 12, und 23. Bezirks zu 10,93€/m² im 1. Bezirk.

Karte 1: Lagezuschläge pro m² 2017 in Wien


Quelle: Stadt Wien, MA25

Der Sachverhalt

Ein Blick auf die Entwicklung seit 2014 zeigt mehrerlei Bemerkenswertes (siehe auch Tabelle 1 unten):

  • Der Zuschlag ist in allen Kategorien um zumindest 32,5% pro m² gestiegen.
  • Besonders starke Anstiege gab es mit über 50% in Lagekategorie 3 (Teile des 20. Bezirks, des 12. und des 14., in der Karte gelb markiert) sowie in Lagekategorie 5 (18., 19., 13. und äußere Bereichen des 4., 7., 8. und 9., in der Karte rosa markiert)
  • Auch in Gebieten mit dem geringsten Zuschlag war der Anstieg mit mehr als 32% seit 2014 noch beträchtlich (Lagekategorie 2, in der Karte in grün)

Tabelle 1: Entwicklungs des Lagezuschlags pro m² und der Grundkostenanteile seit 2014
lagezuchläge seit 2014
Quelle: MA25

Eine längere Zeitspanne seit 1994 zeigt weitere bemerkenswerte Details (siehe Diagramm 1 unten). Nach der Einführung im Jahr 1994 haben sich die Lagezuschläge bis ins Jahr 2010 wenig bis nicht verändert (Lagekategorie 6 steigt allerdings seit 2006 bereits). Seit 2010 ist der Anstieg aber in allen Kategorien klar ersichtlich. In Lagekategorie 7 (1. Bezirk, in blau auf der Karte), konnte man im Jahr 2010 noch 4,11€/m² Lagezuschlag verlangen. 2017 waren es 10,93€/m². Eine Steigerung um 165%. In Lagekategorie 6 (Gebiete rund um den 1. Bezirk, in lila auf der Karte) waren es im Jahr 2010 noch 1,32€/m². 2017 waren es bereits 4,16€. Ein Anstieg um 220%.

Diagramm 1: Entwicklung Lagezuschlag in unterschiedlichen Lagen 1994-2017
lagezuschläge 1994-2017 gif_
Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von Lagezuschlagsrechner der MA25

Mögliche Erklärungen: Seit Mitte der 2000 steigen die Investitionen in den Mietwohnungsmarkt rasant, nicht zuletzt im Nachgang der Finanzkrise von 2008 (Stichwort sicheres Anlageprodukt Wiener Zinshaus), sowie häufen sich (Berichte über) Transaktionen in einem neuen Luxussegment am Wiener Eigentumsmarkt (siehe etwa hier oder auf diesem Blog hier). Steigendes Investoreninteresse treibt die Renditeerwartungen und damit die Grundstückspreise – das wiederum treibt die Lagezuschläge.

Neben der zeitlichen Dimension ist auch die Variation in der Entwicklung unterschiedlicher Lagezuschlagskategorien auffallend. Seit dem Jahr 2010 hat sich die Differenz zwischen Vierteln mit dem niedrigsten Lagezuschlag (Kategorie 2, v.a. Teile vom 2. Bezirk, 12., 23. und 21., in der Karte in grün) und dem Viertel mit dem höchsten Lagezuschlag (Kategorie 7, 1. Bezirk, in blau) rasant vergrößert. Im Diagramm 1 oben geht es bildlich gesprochen um den Abstand zwischen der grünen und der blauen Linie. Im Jahr 2010, etwa, war die Differenz 3,87€/m². 2017 war sie bereits 10,40€/m². Legt man das um auf eine 100m² Wohnung werden die Dimensionen greifbar: Wollte man im Jahr 2010 im 1. Bezirk statt im 2. Bezirk wohnen hat man 387€ mehr gezahlt. Heute zahlt man bereits 1040€ mehr – nur für die Lage. Diagramm 2 unten stellt die Entwicklung der Differenz über die Zeit dar.

Diagramm 2: Entwicklung der Differenz der Lagezuschläge in unterschiedlichen Lagen 1994-2017
differenz lagezuschläge höchste niedrige 1994 - 2017_Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von Lagezuschlagsrechner der MA25

Auch wenn man den 1. Bezirk – als offensichtlicher Ausreißer – weglässt und die Differenz zwischen der zweithöchsten Lagekategorie und der niedrigsten betrachtet bleibt die Entwicklung drastisch. Wer 2010 in Gebieten rund um den 1. Bezirk wohnen wollte (Lagezuschlagskategorie 6, in lila auf der Karte) musste rund 1,08€/m² mehr für die Lage zahlen als wenn er/sie im 2. Bezirk wohnen wollte. 2017 waren es bereits 3,63€/m². Für die 100m² statt 108€ mehr also nun 363€ mehr.

Die Bewertung

Aus ökonomischer Perspektive überrascht diese Entwicklung nicht. Bodenpreise orientieren sich an Zentralität, Erreichbarkeit und Attraktivität. Mit steigender Kapitalisierung eines Wohnungsmarkts steigt auch der Preisgradient zwischen unterschiedlichen Lagen. Johann Heinrich von Thünen wusste das bereits vor 200 Jahren und hat es in seinem Modell zur Bodenrente formalisiert. Seit 2010 zeigt es sich auch verstärkt am Wiener Mietwohnungsmarkt. (Auf diesem Blog gab es übrigens HIER bereits eine Kritik des von Thünen Modells als planerisches Leitbild für die Wiener Stadtentwicklung).

Aus sozialpolitischer Perspektive überrascht die Entwicklung aber umso mehr. Vor allem in einer Stadt wie Wien, die sich stärker als viele andere Städte traditionell für sozial-räumlich gemischte Quartiere eingesetzt hat und es im Selbstverständnis der Stadtpolitik auch weiterhin tut. Die Koppelung der Mieten im regulierten (!) Mietwohnungsbestand an die Bodenpreise steht diesem hehren politischen Ziel schlichtweg diametral entgegen. Sie ermöglicht privaten Vermietern ohne Investition in den Gebäudebestand regelmäßig höhere Mieten zu verlangen. MieterInnen sortiert diese Maßnahme gleichzeitig immer stärker nach ihrem Einkommen im Stadtraum. Reiche in attraktiven Vierteln. Arme in weniger attraktiven. War es für einkommensschwache Haushalte im privaten Mietwohnungsmarkt vor 10 Jahren noch eine Option in die inneren Bezirke zu ziehen, hat sich dieses Thema im Jahr 2017 weitgehend erledigt. Dem Lagezuschlag sei Dank.

Sozialpolitische Argumente haben in der Erfindung des Lagezuschlags im Jahr 1994 übrigens durchaus eine Rolle gespielt. So wurden Viertel mit überwiegender Gründerzeitbebauung vom Lagezuschlag ausgenommen – argumentiert damit, dass Verdrängung einkommensschwacher Haushalte verhindert werden soll. Im Kontext hoher Nachfrage nach Wohnungen in diesen Vierteln haben viele Vermieter aber einen einfachen Umweg für höhere Rendite auch dort gefunden: eine Miete verlangen, die über dem gesetzlich erlaubten Niveau liegt. Die Studien der Arbeiterkammer Wien zu überhöhten Mieten im Altbausektor gibt es mittlerweile regelmäßig – sie drohen zum Klassiker zu werden. Hier eine der letzten: KLICK. In seiner jetzigen Form lädt das Mietrecht zu dieser Renditestrategie aber auch geradezu ein. Denn Sanktionen sieht es de facto keine vor. Wenn zu viel Miete eingenommen wurde, die MieterIn sich erfolgreich rechtlich gewehrt hat, und es zu einer Entscheidung gegen den Vermieter kommt, muss die überhöhe Miete zurückgezahlt werden. Mehr aber auch nicht.

Da aber doch immer wieder Streitfälle und Rückzahlungen anstehen – und immer mehr davon, siehe etwa hier –  hat eine Gruppe von Hauseigentümern vor einiger Zeit vor dem Verfassungsgericht geklagt. Das Anliegen: Lagezuschläge sollen auch in Gründerzeitvierteln ermöglicht werden. Quasi – aber das wurde natürlich nicht offen gesagt – zur Legalisierung der überhöhten Mieten, die in vielen Fällen bereits verlangt werden. Urbanizm hat hier darüber berichtet. Der Verfassungsgerichtshof hat abgelehnt. Sozialpolitische Argument gehen vor. Nun wollen die Vermieter vor den europäischen Gerichtshof gehen. Ganz egal wie diese Bemühungen ausgehen: die Lagezuschläge haben bereits jetzt die sozial-räumliche Spaltung der Stadt vorangetrieben. Ohne Reform des Mietrechts werden sie es in Zukunft auch weiter tun.

 

__________________________________________________

Rechtliche Anmerkungen zu Richtwerten und Lagezuschlägen:

1) Richtwerte gelten für Wohnungen im Altbaubestand des privaten Mietwohnungssektors mit Verträgen nach 1994, sowie für Gemeindewohnungen mit Verträgen nach 2004. Die Erhöhungen mit 1. April nach Bundesländern sind wie folgt (bisherige Richtwerte in Klammer): Vorarlberg 8,57 (8,28) – Salzburg 7,71 (7,45) – Steiermark 7,70 (7,44) – Tirol 6,81 (6,58) – Kärnten 6,53 (6,31) – OÖ 6,05 (5,84) – NÖ 5,72 (5,53) – Wien 5,58 (5,39) – Burgenland 5,09 (4,92). 

2) Anders als die Richtwerte sind die Lagezuschläge gesetzlich nicht in der Höhe festgelegt. Lediglich geregelt ist, dass für Wohnungen im Richtwertsystem mit überdurchschnittlicher Lage Zuschläge von Vermietern verlangt werden können. Die Stadt Wien konkretisiert diese Regelung und veröffentlicht regelmäßig eine Karte mit empfohlenen Lagezuschlägen für unterschiedliche Viertel. Juristische Verbindlichkeit hat diese Karte keine. De facto hat sie aber legistischen Charakter – sowohl Vermieter beziehen sich darauf, als auch, in Streitfällen, die Schlichtungsstelle der Stadt. Lagezuschläge dürfen in bestehenden Verträgen nur erhöht werden wenn der Vertrag eine Wertsicherungsklausel enthält, sonst nur bei Neuvermietung. Mit dem Anstieg des Anteils befristeter Mietverträge kommt es allerdings immer häufiger zu Neuvermietungen und damit zu einer Möglichkeit, Lagezuschläge zu erhöhen.

Weiterführende Links:

Informationen zum Lagezuschlag von der Stadt Wien:

https://www.wien.gv.at/wohnen/wohnbautechnik/ahs-info/lagezuschlagskarte.html

derstandard.at Artikel zur Erhöhung des Lagezuschlags:

http://derstandard.at/2000055324515/Lagezuschlag-von-10-93-Euro-im-1-Wiener-Bezirk

 

1 comment
  1. sprintf says: 27.04.201704.49

    ___123___Das Mietrecht als Verdrangungsmotor. Ein paar kurze Uberlegungen zur Erhohung der Lagezuschlage. | urbaniZm___123___

add comment...

Leerstand ist konstruierter und somit umkämpfter Raum. Im Zuge der Neoliberalisierung von Stadtentwicklung eröffnet Leerstand potentielle Handlungsspielräume, welche als urbane Commons zur Resilienzsteigerung der Bevölkerung beitragen können. Gastautorin Judith Mühlbacher analysiert die Leerstandsnutzung und -politik in Wien historisch, kritisch und praktisch am Beispiel des Schwendermarktes im 15. Wiener Gemeindebezirk und legt Ansprüche urbaner Transformationsbewegungen an die Politik dar.

Leerstand ist ein konstruierter Raum und als solcher umkämpft. Eingebettet in komplexe politische, soziale und ökonomische Machtverhältnisse kommen dabei unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse zum Tragen. Dieser Blogpost thematisiert die spezifische Lage der Leerstandspolitik und -nutzung in Wien am Beispiel des Schwendermarktes im 15. Wiener Gemeindebezirk. Im Zentrum stehen dabei die Fragen nach beteiligten Akteur_innen in diesem umkämpften Raum und deren politische Absicherung in einem neoliberalen Wirtschaftssystem, welches zunehmend von der Kommodifizierung von Leerstand und der Raumgestaltung nach neoliberaler Logik geprägt ist.

Dazu werden Leerstand und seine Nutzung kurz definiert. Dann soll auf die spezifische historisch bedingte Lage in Wien eingegangen werden. Die aktuelle Situation auf dem Schwendermarkt wird unter Hinzuziehung der Theorien urbaner Commons sowie Resilienz beschrieben. Basierend auf diesem praktischen Beispiel wird die derzeitige Leerstandpolitik Wiens kritisch in den Blick genommen und Bedürfnisse urbaner Transformationsbewegungen dargelegt.  Read More

1 comment
  1. Sara says: 13.04.201720.47
add comment...

Wohnungen in Wien sind in den letzten Jahren zunehmend zu einem Investitionsobjekt geworden. In einer Stadt, in der Wohnen, viel stärker als anderswo, für lange Zeit als Recht gegolten und politisch verteidigt wurde, wird es zunehmend zur Ware – genützt, gebaut und verwendet zur Vermehrung von Kapital und Anlagegeldern.

Die Fotoserie “Wohnen als Ware in Wien” wirft einen Blick auf diese Veränderung. Sie dokumentiert kommodifizierten Wohnraum anhand von Abbildungen aus dem öffentlichen Raum. Die Fotos verdeutlichen die Relevanz von Wohnraum als Ware in Wien heute. Sie sind seit 2012 an verschiedenen Orten der Stadt aufgenommen wurden, meistens rasch mit dem Handy. Die Serie wird laufend erweitert.

1 comment
  1. […] Auch fehlt ein Hinweis auf die rasanten Veränderungen im privaten Mietwohnungsmarkt und die fortschreitende Gentrifizierung der Stadt, die zunehmend vorangetrieben wird durch institutionelle Investments. Wohnungen in Wien werden zunehmend zur Geldanlage für privates Kapital. Und das lässt die Wohnungspreise in die Höhe schnellen. Wer dazu lesen will klickt hier: KLICK. oder auch hier: KLICK. Oder hier: KLICK. Wer lieber eine Fotoserie dazu sehen will klickt hier: KLICK. […]

add comment...

Im Jahr 2011 haben sich einige Personen zusammengetan und eine Bürger*inneninitiative gegründet, um gegen die Verbauung des Otto Wagner Areals (Steinhof) mobil zu machen. Es gelang ihnen die Stadtregierung unter Druck zu setzen. Diese startete daraufhin ein Mediationsverfahren. Inwiefern es für außerparlamentarische Kräfte ratsam erscheint sich an solchen Prozessen zu beteiligen, behandelt Gastautor Georg Sembera im folgenden Beitrag.

Einleitung

Im ersten Kapitel werden die historischen Hintergründe des Otto Wagner Areals behandelt, um welches die politischen Auseinandersetzungen, die in der folgenden Arbeit thematisiert werden, stattfanden und immer noch stattfinden. Anschließend wird die politische Auseinandersetzung um das Otto Wagner Spital und das dazugehörige Areal erörtert. Im dritten Kapitel wird mit Hilfe der Lektüre „Die Mitmachfalle. Bürgerbeteiligung als Herrschaftsinstrument“ von Thomas Wagner und „Macht, Herrschaft, Emanzipation. Aspekte anarchistischer Staatskritik“ das Thema politische Mediationsverfahren behandelt. Verbunden wird dies mit Auszügen aus einem Interview, welches ich am 27. Juli 2015 mit Christine Muchsel und Wolfgang Veit (Aktivist*innen der BI „Steinhof gestalten“) geführt habe. Im letzten Kapitel wird abschließend die Frage gestellt unter welchen Bedingungen Mediationsverfahren geführt werden sollten und welche Vorgehensweisen idealtypisch bei der Umstrukturierung des Otto Wagner Areals gewählt werden könnten.

Historisches zum Otto Wagner Spital

Das Otto Wagner Spital wurde im Jahr 1907 eröffnet und befindet sich in Penzing, dem 14. Wiener Gemeindebezirk. Es bekam den Namen Heil- und Pflegeanstalten für Geistes- und Nervenkranke Am Steinhof. Es diente demnach als eine psychiatrische Einrichtung. Errichtet wurde es vom Land Niederösterrreich, da Wien damals noch kein eigenes Land war, sondern die Hauptstadt des Landes Niederösterreich. Das Spital war aber primär für die Wiener Bevölkerung errichtet worden. Erst 1922 wurde es von der Stadt Wien übernommen. Ein Jahr später kam die Lungenheilstätte Baumgartner Höhe hinzu, welche 1977 in Pulmologisches Zentrum umbenannt wurde.[1]

Im Nationalsozialismus wurden tausende Patient*innen der Baumgartner Höhe zwangssterilisiert und/oder mittels Massentransporten in Vernichtungslager gebracht. Im Faschismus wurden sie als lebensunwert betrachtet und sollten an einer Fortpflanzung gehindert werden, da sie in den Augen der Nazis nichts Produktives für die deutsche Volksgemeinschaft beitragen können und „Mangelhaftigkeit“ vererben würden.[2]

Zwischen den 1960er bis 1980er Jahren kam es zu Missbräuchen gegenüber Minderjährigen mit Behinderungen. Gegenwärtig gibt es eine Forschungsgruppe die eine Aufarbeitung der Ereignisse zusammen mit Zeitzeug*innen, Angehörigen und ehemaligen Mitarbeiter*innen durchführt, welche im Juni 2016 einen Endbericht ablegen soll.[3]

Im Jahr 2000 wurden das Psychiatrische Krankenhaus, die Pflegeheime, das Pulmologische Zentrum und das Neurologische Krankenhaus auf der Baumgartner Höhe zum Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartnerhöhe/Otto Wagner Spital mit Pflegezentrum vereint. Sieben Jahre später wurden die Pflegeheime wieder herausgelöst.[4]

Konflikt um das Otto Wagner Areal

Zu Beginn der 1980er war eine Bebauung nördlich der Spitalsanlage geplant. Diese wurde aber durch eine Volksbefragung im Dezember 1981 abgelehnt. Stattdessen wurde das Areal der Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet zugänglich gemacht. Diese werden heute als Steinhofgründe bezeichnet. Durch die Erklärung zum „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ wurde dieses Gebiet vor einer Verbauung ausgeschlossen. Der südliche Teil, das Otto Wagner Spital erhielt zur gleichen Zeit eine Baulandwidmung für öffentliche Zwecke

Read More

1 comment
  1. walter-schlager@aon.at says: 23.08.201609.15

    STEINHOF DARF NICHT VERBAUT WERDEN

add comment...

Der Meidlinger Markt hat sich in den letzten Jahren umfassend gewandelt. Das URBANIZM Feature, verfasst von Studierenden der Studienrichtung Raumplanung an der TU Wien, gibt Einblicke in verschiedene Dimensionen des Wandels. Wie werden die Veränderungen wahrgenommen? Wer sind die neuen “Standler”? Wer geht heute am Markt einkaufen? Und wie wird die Arbeit der Gebietsbetreuung am Markt wahrgenommen? Mit Video!

Wenige Leute würden bestreiten, dass sich die Wiener Märkte in den letzten Jahren stark gewandelt haben. Der Naschmarkt ist ein treffendes Beispiel: mehr denn je strömen heute Touristen und Spazierende die Stände neben dem Karlsplatz entlang und genießen den marktlichen Flair in der Wiener Innenstadt. Kommt man hier um die Mittagszeit vorbei, fühlt man sich schnell an einen hippen Londoner Straßenmarkt versetzt. Da tummeln sich Studierende, Angestellte in ihrer Mittagspause und Geschäftsleute mit solchen, die einfach nur ein bisschen über den Markt schlendern. Während es am Nachmittag wieder etwas ruhiger wird, füllt es sich spätestens am frühen Abend wieder, wenn die Lokale am Markt zu einem beliebten Treffpunkt für einen ‘after-hour’ Drink werden.

Immobilienpreise und der lokale Bodenmarkt sind ein anderer Indikator des Wandels: Für die Übernahme von Ständen werden heute laut einer kürzlichen Standard-Reportage teils astronomische Summen von bis zu 250.000€ gezahlt – ein Indiz zu was für einem lukrativen Geschäft der Naschmarkt in den letzten Jahren geworden ist. Traditionelle Obst- und Gemüsestände können sich diese Summen allerdings selten leisten. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren geschlossen. Stattdessen ist die Zahl an Gastronomie-, Bar- und Restaurantbetrieben rasant gestiegen – eine Entwicklung die nicht allen gefällt, wie etwa die Initiative ‘Rettet den Naschmarkt’ verdeutlicht.

Der Naschmarkt ist nur einer von vielen Wiener Märkten im Wandel. Der Meidlinger Markt ist ein anderer. Gelegen im Herzen des traditionellen Arbeiterbezirks Wien 12 hat auch er seit Anfang der 2000er umfassende Veränderungen durchlebt. Wie auch am Naschmarkt haben hier eine Reihe an Obst- und Gemüsestände geschlossen, während neue, “trendige” Stände geöffnet haben – viele davon im Gastronomiebereich. Gleichzeitig hat sich die lokale Gebietsbetreuung dem Markt zunehmend gewidmet, während auch eine neu geformte Bürgerinitiative “Wir sind 12” zur Belebung des Markts ihre Arbeit aufgenommen hat. Unterdessen hat ein bekannter Wiener Immobilienentwickler eine Reihe an Marktständen gekauft.

Die folgende Serie an Artikeln, verfasst von Studierenden der Studienrichtung Raumplanung an der TU Wien, Read More

0 comments add comment...

In den letzten Tagen hat sich eine Karte mit Mietpreisen in Wien im Web verbreitet. Die Karte zeigt das Wiener Ubahnnetz und die durchschnittlichen Angebotsmieten rund um die Ubahnstationen. Veröffentlicht wurde sie von der Webplattform Zoomsquare, die Unterstützung für die Immobiliensuche durch eine neue Suchmaschine verspricht. Auch wenn die Methodik hinter der Karte nicht vollkommen klar ist – etwa in Bezug darauf wie groß der Bereich “rund” um die Ubahnstationen definiert ist – wurde sie von einer Reihe von Newsportalen übernommen, wie hier von ORF.AT.

Die Karte zeigt einerseits eine, nicht besonders überraschende, Variation der Mietprese entlang von Ubahnstationen. Andererseits zeigt sie, wie hoch die Mietpreise in der Stadt mittlerweile gestiegen sind. Die geringsten Mieten gibt es dabei noch rund um die Haltestellen Hütteldorf, Alterlaa und Erlaar Straße, mit 11,9€/m2. Am meisten zahlt man rund um die U3 Station Stubentor – mit stolzen 19,7€/m2.

So interessant die Karte auf den ersten Blick erscheint, aus Sicht der MieterInnen und Mieter in der Stadt ist sie wenig aussagekräftig. Die wichtige Frage für sie ist weniger, wie hoch die Mieten bereits sind, sondern viel mehr, für wen sie noch leistbar sind. Diesbezüglich bereitet die Karte eine interessante Basis für ein schnelles Rechenbeispiel.

Leistbarkeit bezieht sich auf das Verhältnis von Wohnkosten und Einkommen. Read More

0 comments add comment...

Das ‘rote’ Wien ist ein hinreichend bekannter und diskutierter Teil der Wiener Stadtgeschichte. Wesentlich weniger wurde bis jetzt über die braune Vergangenheit der Stadt geredet. Gerald Lehner und Eva Maria Bachinger haben nun einen Stadtführer herausgegeben, der genau diese Lücke im städtischen Bewusstsein zum Ausgangspunkt nimmt. Das Buch “Im Schatten der Ringstraße: Reiseführer durch die braune Topografie von Wien” führt an 62 Orte, die davon erzählen, wie der Nationalsozialismus zu einem wichtigen Bestandteil der Wiener Stadtentwicklung wurde.

Das im Czernin-Verlag erschienene Buch kann man hier bestellen:

http://www.czernin-verlag.com/buch/im-schatten-der-ringstrase?PHPSESSID=bpeudirol143m5lpe88tbu4t20

 

 

 

0 comments add comment...

Am Mittwoch, dem 4. März, findet im Amerlinghaus (Wien 7, Stiftgasse 8) von 19 bis 21 Uhr das nächste Vernetzungstreffen des Bündnisses „Recht auf Stadt“ statt.

Neben der Vernetzung steht nochmals die Wien-Wahl 2015 im Mittelpunkt, die wir als Bezugsrahmen produktiv nützen möchten, um  „Recht auf Stadt“ mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Diesmal arbeiten wir konkrete Schritte in Kleingruppen aus.
Ziele sind: 
Themen und den Stadtraum zu besetzten
einen gemeinsamen Nenner von Positionen zu finden
unterschiedliche Aktions- und Mobilisierungsformen zu initiieren

. Eingeladen sind alle, die Lust auf gemeinsames Agieren und Planen haben!
Facebook-Veranstaltung unter:
https://www.facebook.com/events/1539667769640456/?ref=5
Wir freuen uns auf eure Inputs und auf euer Kommen!

Unter dem Slogan „Recht auf Stadt“ haben sich in den letzten 10 Jahren rund um den Globus vielfältige Bündnisse formiert. Wir sind Teil dieser Bewegung. Wir setzen uns für ein Recht auf Stadt für alle ein, und unter „alle“ verstehen wir in erster Linie diejenigen, denen dieses Recht heute verwehrt wird. Denen das „Recht auf Stadt“ und somit das Recht auf aktive und gleichberechtigte Teilhabe und Gestaltung der urbanen Gesellschaft verwehrt wird, weil sie zu arm sind, weil sie die falsche Staatsbürgerschaft haben, weil keine Lobby für sie eintritt und weil sie keine Macht haben. Aber auch deswegen verwehrt wird, weil sie andere Vorstellungen für ihr Leben haben als sie die Norm vorsieht. Weil sie beispielsweise keine Lust haben, sich an den Wertvorstellungen der Konsumgesellschaft zu orientieren oder für sie das Streben nach Lohnarbeit keine Tugend ist. Weil sie es noch nicht verlernt oder aufgegeben haben, sich eine andere urbane Zukunft auszumalen und weil sie genau deswegen in dieser Stadt gemeinsam etwas ändern wollen.
http://rechtaufstadt.at/

Aussendung des Recht-Auf-Stadt Netzwerks

0 comments add comment...

Über mehrere Jahre haben sich Mara Verlic und Wencke Hertzsch in Zusammenarbeit mit der IG Kultur im Rahmen eines Forschungsprojekts kritisch mit dem Thema Leerstand in Wien auseinandergesetzt. Aus dieser Beschäftigung ist jetzt ein spannendes Buch hervorgegangen. “Wer geht leer aus? Plädoyer für eine andere Raumpolitik”, herausgegeben von Willi Hejda, Anna Hirschmann, Raphael Kiczka und Mara Verlic setzt sich zum Ziel, Leerstand aus neuen Perspektiven zu betrachten. 

Am 18.12. um 19:30 ladet das HerausgeberInnenkollektiv zur öffentlichen Buchpräsentation in die Schenke in der Pfeilgasse 33, 1080 Wien. Es wird kurze Lesungen geben und auch viel Zeit für gemeinsame Diskussion. Moderiert wird der Abend von Elke Rauth (dérive).

Mehr Infos über das Buch gibt es hier. Als kleiner Teaser ein kurzer Auszug aus der Buchbeschreibung:

Wie kann Stadt Raum für alle sein und Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in der Praxis ermöglichen?
Neben Interviews mit Personen, die sich mit Leerstandsverwaltung und -Nutzung politisch und praktisch auseinandersetzen, gibt es im Buch Textschwerpunkte, die Leerstand mit anderen Themen wie der Urban Commons Debatte, dem spezifischen Wiener Wohnungsmarkt, Delogierungen in Wien, globalen neoliberalen Umstrukturierungsprozessen oder den Konzepten der partizipativen Architektur verknüpfen. Außerdem findet sich eine Sammlung von Werkzeugen für die proaktive Raumnutzung und ein stadtpolitisches Begriffslexikon.

leerstand

 

Am 15.12. gibt es bereits eine Pressekonferenz der IG Kultur zum Thema Leerstand, auf der auch das Buch vorgestellt wird. Mehr Infos dazu hier.

0 comments add comment...

Der folgende Beitrag von Gastautorin Sarah Kusché gibt einen kurzen Einblick in ein Forschungsprojekt zum Thema Gentrifizierung im Wiener Stuwerviertel. Das Projekt ist im Rahmen des Seminars „Gentrification“ im Sommersemester 2014 an der TU Wien durchgeführt worden.

Das Stuwerviertel ist im Umbruch. Ursprünglich bekannt für seine Rotlichtszene, wurde in den letzten Jahren vermehrt in Renovierungen und öffentliche Infrastruktur investiert. So entstanden einige neue U-Bahnstationen und auch die Wirtschaftsuniversität Wien im und um das Grätzel im 2. Wiener Gemeindebezirk.

Vor allem bei den Bewohnerinnen und Bewohnern riefen diese Veränderungen gemischte Gefühle hervor. Während manche diese Entwicklung als positiven Aufschwung für das Grätzel wahrgenommen haben, verbinden andere damit einen Identitätsverlust.

Um die Diversität an Meinungen zu erfassen und in den unterschiedlichen Perspektiven ein Muster zu erkennen, wurden zunächst informelle Gespräche mit Planenden der Gebietsbetreuung, Stadtforschenden, Gewerbetreibenden sowie Bewohnerinnen und Bewohnern geführt. In diesen Gesprächen vor Ort wurde klar, dass die strukturellen und materiellen Änderungen nicht nur direkten städtebaulichen und ökonomischen Einfluss haben. Das Image, die sozialen Strukturen und damit die Identität des Ortes und der Bevölkerung wurden von den Befragten als besonders stark beeinflusst wahrgenommen, wobei sich immer wieder die Frage stellte: sieht Gentrifizierung in Wien so aus? Und wer oder was sind tatsächlich die treibenden Kräfte hinter den Veränderungen?

Daraus resultierte das Vorhaben Idee Leitfadeninterviews aufzunehmen und dieselben bzw. weitere Personen zu interviewen (allerdings war es uns nicht möglich mit allen informell Befragten offizielle Interviews zu führen).

Das untenstehende Video wurde von Michael Masching, Sarah Kusché und Umut Baykan erstellt und soll die Veränderungen des Stuwerviertels und deren Einfluss auf die Bevölkerung vor Ort aus verschieden Perspektiven konzeptualisieren.

Sarah Kusché ist Studentin der Raumplanung und Raumordnung und engagiert sich für das bessere Verständnis von sozialer Benachteiligung durch ehrenamtliche Mitarbeit im Jugendzentrum „Sale für alle“ und Bildungsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen.

0 comments add comment...